HomeKlassenkampfAmazon: Neuer Anlauf zu Gewerkschaftsgründung

Amazon: Neuer Anlauf zu Gewerkschaftsgründung

Die Beschäftigten des Internetkonzerns in Bessemer, Alabama, bekommen eine zweite Chance zur gewerkschaftlichen Organisierung. Die im Schatten einer gewaltigen Diffamierungskampagne der Bosse stattgefundene, erste Abstimmung im April muss wiederholt werden.

Montgomery/Alabama. Die aggressive, gewerkschaftsfeindliche Kampagne von Amazon gegen das Recht der Beschäftigten, sich zu organisieren, ist letztlich nach hinten losgegangen. Das „Labor Board“, eine unabhängige Bundesagentur, bestätigte jetzt, dass sich die Geschäftsführung illegal in eine erste, gescheiterte Abstimmung zur Gewerkschaftsgründung in Alabama im April eingemischt hat (die ZdA berichtete).

Somit bekommen die etwa 6.000 Beschäftigten im Warenhaus in Bessemer eine zweite Chance, sich gewerkschaftlich zu organisieren und so der ausbeuterischen Konzernmacht etwas entgegensetzen zu können. Gleichzeitig wurde von einer offiziellen Stelle festgehalten, dass sich der stets als netter Arbeitsgeber präsentierende Konzern Amazon Wahlen manipuliert, Druck auf die Mitarbeiter ausgeübt und Gesetze zum Schutz der Arbeitenden gebrochen hat. So führte das Management, das sich offiziell überhaupt nicht in die Entscheidung der Beschäftigten einmischen wollte, im Vorfeld des Urnengangs 240 Anti-Gewerkschafts-Treffen durch.

Richtungsweisende Entscheidung

Die Entscheidung fällt mitten in eine Zeit zunehmender Arbeitskämpfe in den Vereinigten Staaten: Der Arbeitskräftemangel in zahlreichen Branchen hat das Bewusstsein um die eigene Stärke im Kollektiv gestärkt. In den USA hat Amazon beinahe eine Million Beschäftigte und ist damit der zweitgrößte private Arbeitgeber nach Walmart. Entsprechend nervös reagieren unternehmerfreundliche Verbände und beklagen, dass das für die Entscheidung zuständige Labor Board seiner Aufgabe, die Rechte der Beschäftigten zu verteidigen, nachgekommen ist– statt wie gewohnt als „neutraler Vermittler“ zu agieren.

Laut einem Sprecher der in Bessemer um Gewerkschaftsstatus kämpfenden „Retail, Wholesale and Department Store Union“ (RWDSU) müssen ein Termin und Abstimmungsmodus für den erneuten Entscheid noch festgelegt werden. „Amazon-Beschäftigte verdienen es, in der Arbeit mitbestimmen zu dürfen, und das geht nur mit Gewerkschaft“, erklärte RWDSU-Präsident Stuart Appelbaum.

Quellen: RWDSU, The Guardian,

BILDQUELLERWDSU
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