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AMS-Vorstand gegen Arbeitslose

Johannes Kopf zeigt wieder einmal die widerliche Fratze des Kapitalismus und seiner staatlichen Einrichtungen: Er ist gegen jede Erhöhung des Arbeitslosengeldes und unterstellt der Arbeiterklasse mangelnde Leistungsbereitschaft.

Wien. Für wen ist das Arbeitsmarktservice (AMS) eigentlich da? Sein Vorstand Johannes Kopf macht in einem aktuellen Interview mit dem „Standard“ wieder einmal deutlich, dass das AMS nicht arbeitslosen Menschen helfen soll, sondern lediglich den Unternehmern. Beschäftigungslose werden maximal unter Druck gesetzt, damit sie zu allem bereit sind. Armut, Perspektivlosigkeit und Existenzbedrohung spielen keine Rolle. Herr Kopf, der vor seinem AMS-Engagement für die Industriellenvereinigung und Wirtschaftsminister Bartenstein (ÖVP) tätig war, ist strikt gegen eine Erhöhung des Arbeitslosengeldes. Dieses ist in Österreich mit 55 Prozent des Nettolohns als Grundbetrag ohnedies im europäischen Vergleich sehr niedrig bemessen. Forderungen nach einer Erhöhung – sei es nur vorübergehend angesichts Pandemie und Krise – erteilt das Döblinger Wohlstandskind im AMS-Vorstand eine Absage. Konkret meint Herr Kopf, dass es schwer wäre, eine Erhöhung wieder abzuschaffen, denn die erzielbaren Einkommen aus unselbstständiger Erwerbsarbeit seien dann im Vergleich zu niedrig. Ja, klar: Wie sollte man dann noch Arbeitslose dazu zwingen können, jeden mies bezahlten Scheißjob in mehrstündiger Entfernung vom Wohnort anzunehmen? Auf die Idee, dass Löhne und Gehälter grundsätzlich einfach zu niedrig sein könnten, kommt er freilich nicht. Wie denn auch? Er selbst „verdient“ ja um die 15.000 Euro pro Monat…

Aber Herr Kopf, ein entschiedener Feind der Arbeiterklasse, ist sogar noch auskunftsfreudiger: Er sorgt sich, dass die Dynamik am Arbeitsmarkt zum Erliegen käme, wenn man zum Zwecke der Armutsvermeidung eingreife. Gewiss, warum sollte Armutsvermeidung auch eine Aufgabe staatlicher Behörden sein? Dann doch lieber der freie Arbeitssklavenmarkt! Man will als AMS doch nur den Unternehmern billige und willige Arbeitskräfte vermitteln. Immerhin, so Kopf weiter, gebe es ja eh momentan 63.000 offene Stellen, die man anbieten könne. Ein Mathematikgenie ist Herr Kopf augenscheinlich nicht, denn bei gegenwärtig (November 2020) über 423.000 Arbeitslosen, Tendenz steigend, hat man also für 360.000 Menschen eben keinen Job. Die Zahl wird in den kommenden Wochen und Monaten wohl wieder eine halbe Million erreichen. Und für die gibt es lediglich Almosen, die nicht zum Leben reichen, während Unternehmen und Konzerne mit Milliarden gefüttert werden. Ein Arbeitsloser bekommt im Schnitt 32 Euro pro Tag, die verantwortlichen Politiker und AMS-Bonzen leicht das Fünfzehnfache. Was ist es nun, was wir uns nicht leisten können?

Quelle: ORF

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