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Armutsgefährdung bei Alleinerziehenden nimmt zu

Eine neue Studie kommt zu dem Ergebnis, dass unter den Alleinerzieherinnen und deren Kindern der Anteil der Armutsgefährdung nicht nur hoch ist, sondern sogar weiter ansteigt.

Wien. Es war schon bislang kein allzu großes Geheimnis, dass alleinerziehende Elternteile – zumeist handelt es sich um Frauen – in Österreich besonders oft von sozialen und finanziellen Schwierigkeiten bedroht sind. Bezüglich der Entwicklung hat eine Studie der Wirtschaftsuniversität Wien nun Daten aus den Jahren 2008–2010 und 2017–2019 verglichen – das Ergebnis: Armutsrisiko und soziale Ausgrenzung haben sich weiter verstärkt. Im ersten Betrachtungszeitraum betrug die Armutsgefährdung bei „Einelternteilhaushalten“, wie es etwas sperrig heißt, schon beachtliche 40 Prozent. Das bedeutet, vier von zehn Alleinerzieherinnen kommen mit ihren Kindern nur schwer über die Runden, was ja schon einen recht hohen Anteil darstellt. Für den zweiten Zeitraum wurde allerdings sogar ein Prozentsatz von 46 Prozent errechnet, was einen relevanten Zuwachs bedeutet.

Die Gründe sind unterschiedlich, haben aber die Tatsachen gemein, dass sie mit dem Kapitalismus verbunden sind und die Politik nichts dagegen unternimmt. Ein Faktor besteht schlichtweg darin, dass Frauen immer noch wesentlich weniger verdienen als Männer, also einer massiveren Ausbeutung unterworfen sind. Außerdem sind Beruf und Kinderbetreuung für Alleinerziehende oft nicht so leicht vereinbar, insbesondere außerhalb der großen Städte: Hier gibt es zu wenige Betreuungsplätze – und die vorhandenen sind häufig teuer. Darüber hinaus müsste staatlicherseits dafür Sorge getragen werden, dass es im Bereich der Alleinerzieherinnen höhere Sozialleistungen und Absetzbeträge, aber z.B. auch Unterhaltsvorschüsse gibt. Doch offensichtlich geschieht all dies nicht im nötigen Ausmaß, wie der Anstieg der armutsgefährdeten Alleinerzieherinnen und ihrer Kinder im Zehnjahresvergleich verdeutlicht. Es ist nun zu befürchten, dass die momentan explodierenden Energie‑, Wohn- und Lebenserhaltungskosten weitere Frauen und Kinder in die Armut stürzen.

Quelle: ORF

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