Start Klassenkampf Caritas: Betriebsrat drückt sich kleinlaut durch KV-Verhandlungen

Caritas: Betriebsrat drückt sich kleinlaut durch KV-Verhandlungen

Vor der anstehenden 6. Verhandlungsrunde des Kollektivvertrags für die 15.000 Beschäftigten der Caritas zeigen sich die ÖVP- und SPÖ-nahen Personalvertreter handzahm. Kolleginnen und Kollegen aus dem Sozialbereich warnen vor der absehbaren Übernahme des fatalen SWÖ-Abschlusses.

Wien. Sich still verhalten, nur nicht anecken, bloß keinen Wirbel riskieren: Das scheint das Credo vieler Gewerkschafter vor der kommenden und vermutlich letzten Verhandlungsrunde Mitte Juni zu sein. So gilt etwa die höfliche Überreichung von Fotos mit der Forderung nach einer Arbeitszeitverkürzung für den FCG-dominierten Caritas GmbH-Betriebsrat in Wien als Maximum der Kampfbereitschaft. Wobei die ausgegebene Parole „SWÖ-Abschluss jetzt“ erahnen lässt, wie ernst es manche Personalvertreterinnen mit der Gewerkschaftsposition „35 Stunden sind genug!“ wirklich meinen. Wie berichtet, beschloss die Sozialwirtschaft (SWÖ) im April eine 37-Stunden-Woche ab 2022, durch den Abschluss auf drei Jahre wurde der Streikbewegung in den Rücken gefallen. Derzeit gilt im Caritas-KV eine Wochenarbeitszeit von 38 Stunden.

Allem Anschein nach ist der ÖVP-nahen FCG, aber auch der sozialdemokratischen FSG die Kopie des faulen SWÖ-Abschlusses bereits genug. Soviel zur Wertschätzung systemrelevanter Kräfte in der Pandemie. Und bei ihrer offen zu Tage gelegten Scheu vor ernsthaften Kampfmaßnahmen oder gar einer Urabstimmung über einen Abschluss könnten die braven Betriebsräte von der bestens vorbereiteten Geschäftsleitung selbst mit dieser Position noch über den Tisch gezogen werden.

Chefs wollen die Beschäftigten spalten

Denn während die Gewerkschaftsspitzen über Verhandlungsrunden ohne Abschluss raunzten, setzte der Dienstgeber Fakten: So wird den Beschäftigten – bei Verzicht auf zusammenhängende freie Tage – eine „Wahloption“ für eine 38-Stunden-Woche angeboten. Die heuchlerische Argumentation dahinter: Es gebe viele Kolleginnen und Kollegen, die mehr arbeiten wollen. Dabei lehnten die Chefs bisher immer ab, dass Teilzeitbeschäftigte ihre Stunden aufstocken dürfen, sobald Stellen frei werden. Tatsächlich will man sich einfach die Zuschläge sparen, die bei einer allgemeinen Arbeitszeitreduktion für eine 38. Wochenstunde anfallen würden. Gleichzeitig versucht man, Teilzeit- und Vollzeitbeschäftigte gegeneinander auszuspielen.

Ebenso ohne Einbindung der Betriebsräte wurde eine „freiwillige“ Corona-Prämie beschlossen. Das sorgte einerseits für gute PR, nachdem bekannt geworden war, dass die Caritas hunderte Beschäftigte auch rückwirkend mit empfindlichem Verdienstentgang in Kurzarbeit schickte, zugleich aber billige Zivildiener von der Republik gestellt bekam. Andererseits will der Dienstgeber zusammen mit der einseitigen Erhöhung der Ist-Gehälter per 1. Februar vermitteln, freiwillig und ganz ohne Verhandlungen oder gar Kampfmaßnahmen die Bezüge aufzustocken, was natürlich Unsinn ist.

Solidarität in der Branche

Kolleginnen und Kollegen, die in den „Genuss“ des SWÖ-Abschlusses gekommen sind, warnen die Caritas-Beschäftigen eindringlich vor einer Nachahmung. „Die Beschäftigten im Sozial- und Gesundheitsbereich haben in den letzten 3 Jahren österreichweit eine Vorreiter*innenrolle im Kampf um Arbeitszeitverkürzung und Verbesserung ihrer Arbeitsbedingungen eingenommen“, heißt es in einem offenen Brief. „Mit einem 3‑Jahres-Abschluss droht nun jedoch das gewachsene Selbstbewusstsein der Kolleg*innen, sich für ihre berechtigten Anliegen stark zu machen, das Wissen um die Organisierung von Arbeitskämpfen und gewerkschaftliche Kampfbereitschaft über die nächsten Jahre verloren zu gehen.“ Beim FCG-dominierten Caritas-Betriebsrat in Wien führte der solidarische Appell der Kolleginnen und Kollegen jedoch ebensowenig zu einem Umdenken wie die immer lauter geäußerte Kritik der Beschäftigten am handzahmen Kurs.

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