HomeKlassenkampfFrauenAK OÖ: Frauen in vielen systemrelevanten Berufen

AK OÖ: Frauen in vielen systemrelevanten Berufen

Die Ergebnisse des Arbeitsklimaindexes zeigen, dass Frauen vielfach in gesellschaftlich relevanten Berufen arbeiten und hier teilweise unter widrigen Bedingungen. Die Arbeiterkammer Oberösterreich veröffentlicht aktuelle Ergebnisse.

Linz. Am Montag präsentierte die Arbeiterkammer Oberösterreich Befunde aus dem Arbeitsklimaindex. Unter dem Titel „Frauen in systemrelevanten Berufen bringen unser Land durch diese Krise“ wurde sich im Rahmen der Pressekonferenz unter anderem Fragen der Vereinbarkeit und nach Arbeitsbedingungen gewidmet. Als systemrelevant oder vielmehr gesellschaftlich relevant wurden Kinderbetreuung, Handel, die Reinigungsbranche, Pflege in verschiedenen Bereichen, das Schulwesen, Apotheken, Banken, den Bereich der öffentlichen Sicherheit – Polizei und Feuerwehr – , Busse sowie Lieferdienste definiert. 

In diesem Bereich bilden Frauen mit 66 Prozent die Mehrheit der Kolleginnen und Kollegen, die auch während des Lockdowns im Einsatz sind. Diese haben überdurchschnittlich häufig einen Migrationshintergrund, sowie ein geringes Qualifikationsniveau und sind vielfach in Teilzeit angestellt. Mehr als ein Drittel der Kolleginnen muss sich Vereinbarkeitsfragen stellen, denn sie leben mit Kindern im eigenen Haushalt. Dies geht in Zeiten von Corona und Homeschooling mit besonderen Herausforderungen einher, gleichzeitig bedeutet die Pandemie aber auch eine Zusatzbelastung im Beruf. Die schon regulär vorhandene Doppelbelastung potenziert sich somit durch Corona.

Viel Risiko – Wenig Lohn

In für Frauen üblichen systemrelevanten Berufen, wie sie die AK bezeichnet, können 92 Prozent der Kolleginnen nicht im Homeoffice arbeiten und haben vielfach Kontakt mit anderen Menschen und somit auch ein höheres Infektionsrisiko als andere Bereiche. Gleichzeitig beschränkt sich die Anerkennung auf symbolische Akte, wie das Klatschen. Dies hielt für uns eine Altenpflegerin aus Ostösterreich bereits im ersten Lockdown fest: „Wenn ich mehr Lohn erhalten würde, könnte ich mir vielleicht auch eine Wohnung mit Balkon leisten.“ 70 Prozent der Kolleginnen in frauendominierten systemrelevanten Berufen geben an als 1.800 Euro verdienen, zwölf Prozent verdienen dem Arbeitsklimaindex zufolge sogar weniger als 900 Euro. Solch niedrige Löhne sind in feminisierten Branchen nach wie vor üblich.

Sich hoffentlich der Relevanz bewusst werden

Die Zeitung der Arbeit (ZdA) widmet sich aktuell in ihrem Schwerpunkt den Beschäftigungsbedingungen einer Auswahl von gesellschaftlich relevanten Berufen. Er umfasst die Pflege im Krankenhaus, die Reinigungsbranche. Schulen, Kinderbetreuung, den Handel und anderes mehr. Bereits in unserem ersten Schwerpunkt widmeten wir uns einigen gesellschaftlich relevanten Arbeitsbereichen und den hier herrschenden Missständen. Es bleibt zu hoffen, dass die Kolleginnen und Kollegen aus ihrer unstreitbaren Relevanz die richtigen Schlüsse ziehen und sich nicht weiter mit Klatschen und Lob zufriedengeben, während Sebastian Kurz ihre Löhne gegen die Arbeitlosen- und Kurzarbeitszahlen ausspielt und sie regelmäßig von den Gewerkschaften im sozialpartnerschaftlichen Handschlag übers Ohr gehauen werden. Es hilft nur Klassenkampf und eine kämpferische Arbeiterfront bei der Verbesserung der Bedingungen.

Quelle: AK OÖ/Zeitung der Arbeit

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