HomeKlassenkampfFrauenEqual Pay Day: Frauen arbeiten ab heute unbezahlt

Equal Pay Day: Frauen arbeiten ab heute unbezahlt

In Österreich verdient eine vollerwerbstätige Frau durchschnittlich 800 Euro pro Monat weniger als ihr männlicher Kollege, auf ein ganzes Arbeitsleben gerechnet verlieren Frauen damit 500.000 Euro. 

Lohnabhängige Frauen erhalten in Österreich durchschnittlich 18,5 Prozent weniger Lohn als ihre männlichen Kollegen. Eine Tatsache, die am heutigen Tag nicht einmal den bürgerlichen Medien und Politikern verborgen bleibt. Denn heute ist der „Equal Pay Day“. Damit ist jener Tag im Jahr gemeint, der symbolisch markiert, dass ab diesem Datum Frauen für den Rest des Jahres quasi unbezahlt arbeiten.

Frauen erhalten ein Fünftel weniger Lohn

Wenn man davon ausgehen würde, dass Frauen wie auch Männer Monat für Monat den selben Lohn ausbezahlt bekommen würden, so wären die Jahresgehälter der Frauen mit dem heutigen 25. Oktober ausbezahlt. Von heute bis zum Ende des Jahres würden Frauen nichts mehr überwiesen bekommen, aber trotzdem weiterarbeiten müssen. Das ist natürlich nur eine rein mathematische Annahme, um die Einkommensunterschiede zwischen den Geschlechtern zu verdeutlichen. Frauen erhalten freilich weiterhin bis Jahresende ihre Löhne ausbezahlt, aber in einem deutlich geringeren Ausmaß – nämlich um ein Fünftel weniger – als ihre männlichen Kollegen – und dies über das ganze Jahr hinweg.

Bettina Csoka, Einkommensexpertin der Arbeiterkammer OÖ, erklärt in diesem Zusammenhang, dass Frauen in Österreich bei Vollerwerbsarbeit durchschnittlich mehr als 800 Euro pro Monat weniger Lohn als Männer verdienen. Aufs Jahr gerechnet sind das über 10.000 Euro und über ein gesamtes Arbeitsleben, also rund 40 Erwerbsjahre, sogar mehr als 500.000 Euro. Dabei ist das aber nur die Spitze des Eisbergs: Denn auch die Pensionen von Frauen sind deutlich niedriger als jene ihrer männlichen Kollegen. Was hingegen ungleich höher ist, ist das Risiko in die Altersarmut zu rutschen.

Österreich einmal mehr Schlusslicht

Wenn man die Einkommensunterschiede zwischen Frauen und Männern auf Basis des Stundenlohns international mit anderen EU-Ländern vergleicht, zeigt sich, dass Österreich einmal mehr Schlusslicht ist. So machte dieser Unterschied im Jahr 2019 in Österreich ganze 19,9 Prozent aus. Knapp davor reihten sich Österreichs Nachbarländer Deutschland (19,2 Prozent) und Tschechien (18,2 Prozent) in die Statistik ein. Der EU-Schnitt lag hingegen bei 14,1 Prozent. Aber selbst in Schweden, das EU-weit die geringsten Einkommensunterschiede zwischen Frauen und Männer aufweisen konnte, verdienten Frauen immer noch um 11,8 Prozent weniger als ihre männlichen Kollegen.

Das Problem heißt Kapitalismus

Dass Frauen weniger verdienen als Männer hat seine Ursache in den Mechanismen des Kapitalismus. Schließlich liegt es im natürlichen Interesse der kapitalistischen Profitmaximierung, möglichst geringe Löhne zu bezahlen. Alles andere wäre widersinnig. Der Kapitalismus braucht aber auch bestimmte Personengruppen, die er noch besser ausbeuten kann als den durchschnittlichen Arbeiter, und dies sind einerseits beispielsweise migrantische Arbeitskräfte, andererseits eben Frauen. Diese lassen sich unter gegebenen Bedingungen größerem Arbeits- und Lohndruck aussetzen (mit Auswirkungen auf das Gesamtniveau) und gleichzeitig kann man den Frauen auch den Gutteil der nicht bezahlten Reproduktionsarbeit umhängen, was ebenso Einsparungen ermöglicht – und diese beiden Seiten der Frauenausbeutung und ‑unterdrückung hängen systematisch zusammen und befördern einander.

Selbstredend ist für gleiche Löhne für gleiche Arbeit zu kämpfen, doch müssen wir uns dessen bewusst sein, dass uns der Kapitalismus das niemals zugestehen wird. Denn der Kapitalismus lebt ja von der Ungleichheit und vom Ausspielen verschiedener Teile der Arbeiterklasse gegeneinander. Daraus ergibt sich für uns die Einsicht, dass die Arbeiterinnen und Arbeiter gemeinsam, auf solidarische und kämpferische Weise für die sozialen und gesellschaftlichen Rechte der Frauen und für Verbesserungen wirken müssen, dass aber tatsächliche und umfassende Gleichheit erst mit der Überwindung des Kapitalismus ermöglicht wird.

Quelle: ÖGB

- Advertisment -spot_img

MEIST GELESEN