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Galeria-Kaufhof-Karstadt: Proteste gegen René Benko

Die österreichische Signa Holding nützt die kapitalistische Krise, um bei der deutschen GKK-Gruppe massiv Standorte zu schließen und Personal abzubauen – die Betroffenen wehren sich.

Essen/Innsbruck. Am vergangenen Samstag gab es bei der deutschen Handelskette Galeria-Kaufhof-Karstadt bundesweit Arbeitsniederlegungen und Protestaktionen. Die Beschäftigten stellten sich damit gegen die „Sanierungsmaßnahmen“ des Tiroler Eigentümers René Benko, der mit seiner Signa Holding den Konzern besitzt. Dieser hatte seit 2012 schrittweise die inzwischen zusammengelegten Unternehmen Karstadt, Galeria und Kaufhof übernommen. Im Vorfeld der abschließenden Fusion im Jänner 2020 war im Dezember des Vorjahres noch eine Vereinbarung mit der Dienstleistungsgewerkschaft ver.di getroffen worden, die Gehaltsangleichungen sowie für die nächsten fünf Jahre Standortgarantien und die Unterlassung betriebsbedingter Kündigungen beinhaltete – im Gegenzug sollten die ca. 25.600 Angestellten bis 2024 auf ihr Urlaubs- und Weihnachtsgeld verzichten. Eine vollständige Rückkehr zum Flächentarifvertrag des Einzelhandels war für 2025 vorgesehen.

Standortschließungen und Massenkündigungen

Im Zuge der Corona-Epidemie und der kapitalistischen Wirtschaftskrise sind diese Zusagen mittlerweile hinfällig geworden. Im April 2020 stellte Benkos Konzernführung beim Amtsgericht Essen (Nordrhein-Westfalen) zunächst einen Antrag auf ein Schutzschirmverfahren, im Juli schließlich auf ein Insolvenzverfahren in Eigenverantwortung – dieses wurde genehmigt und mit Ende September abgeschlossen. Damit verbunden ist freilich ein „Sanierungsplan“: 62 der 173 deutschen GKK-Filialen sollten geschlossen und bis zu 6.000 Angestellte gekündigt werden. Dies wurde inzwischen allerdings ein wenig revidiert: Es werden „nur“ noch 41 Filialen geschlossen (35 Ende Oktober, sechs Ende Januar 2021) und 2.500 Beschäftigte gekündigt. Hinzu kommen allerdings noch die Schließungen bei Karstadt-Feinkost (14 Schließungen, 250 Kündigungen) und Karstadt-Sport (15 Schließungen, 500 Kündigungen). In Summe sperrt Benkos Signa Holding in der BRD also 90 Standorte zu und produziert dadurch 3.250 Arbeitslose – dies entspricht 37 Prozent der Läden und 13 Prozent der Angestellten.

Krise als Chance – für das Kapital

Für die betroffenen Kolleginnen und Kollegen ist das freilich nicht nachvollziehbar: Die GKK-Gruppe erwirtschaftete zuletzt immer noch einen Jahresumsatz um die fünf Milliarden Euro und der Eigentümer René Benko ließ sich selbst erst dieses Jahr eine stattliche Dividende von 100 Millionen auszahlen. Mit einem Privatvermögen von etwa 4,4 Milliarden Euro befindet er sich auf der Liste der reichsten Österreicher ohnedies schon auf Platz 8, seine Signa Holding weist eine Bilanzsummer von 25 Milliarden auf. So nimmt es kein Wunder, dass im Zuge der Angestelltenproteste in Essen eine überlebensgroße Benko-Figur aus Pappmaché aufgestellt und wenig freundlich behandelt wurde. Offenbar steigen die Profite, wenn Angestellte ihre Jobs verlieren – oder treffender: Damit die Profite steigen, werden Angestellte gekündigt. Das wirkt schon moralisch verwerflich, aber für Moral hat der Kapitalismus freilich nichts übrig. Im Zuge des Corona-Lockdowns und der einsetzenden Krise hat man bei der Konzernführung die gegebene Chance erkannt, mit staatlicher Hilfe die GKK-Gruppe zu „restrukturieren“. Die vorhandenen Verluste wurden verstaatlicht, die Gewinne werden wiederum privatisiert. So läuft das in der Krise: Die Arbeiterklasse bezahlt, die Kapitalisten kassieren.

Damit stellen sich folgende Fragen: Wenn ein Kapitalist sein Unternehmen in die Insolvenz führt, warum wird es ihm dann – mit Steuergeldern saniert – weiterhin überlassen? Sollte man Pleitiers nicht eher von der anscheinend überfordernden Last des Besitzes befreien? Und wie lange sollen wir uns noch ein Wirtschaftssystem bieten lassen, dass gesetzmäßig verheerende Krisen und massenhaft Arbeitslose produziert, damit eine kleine Minderheit im Luxus lebt?

Quelle: Redglobe

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