HomeKlassenkampfZahl der Hilfesuchenden bei Schuldnerberatung steigt

Zahl der Hilfesuchenden bei Schuldnerberatung steigt

Graz. Die Schuldnerberatung in der Steiermark vermeldet einen steigenden Andrang an Hilfesuchenden. Allein von Juli bis September 2020 habe man über 300 Erstberatungsgespräche durchgeführt, was ein Plus von elf Prozent gegenüber dem Vergleichszeitraum des Vorjahres bedeutet. Dies zeigt, dass immer mehr steirische Privathaushalte in finanzielle Schwierigkeiten geraten. Die Gründe sind laut Schuldnerberatung üblicherweise Jobverlust, Kurzarbeit und Einkommenseinbußen. Viele Menschen kommen also nicht mehr über die Runden, können Fixkosten wie z.B. die Miete oder die Stromrechnungen nicht mehr bezahlen oder haben auch nicht mehr genug Geld, um die täglichen Grundbedürfnisse zu decken und etwa ausreichend Lebensmittel zu kaufen. Die Anzahl der Hilfesuchenden, die arbeitslos waren, stieg gegenüber dem Vorjahr von 21 auf 31 Prozent an, was einerseits ein deutliches Zeichen für die Folgen der kapitalistischen Krise ist: Es kommt zu Massenkündigungen. Andererseits zeigt sich gleichzeitig, dass auch viele Menschen in Beschäftigung gravierende Schwierigkeiten bekommen – denn das Kapital will die Arbeitenden maximal ausbeuten und ihnen ohnedies nur die nötigsten Existenzmittel zugestehen, damit die Profite hoch bleiben. Daher müssen die Löhne und Gehälter grundsätzlich möglichst niedrig sein.

Nun, in der vom Kapital selbst verursachten Wirtschaftskrise, die durch die Corona-Situation freilich auch nicht verbessert wird, reichen die Einkommen der Menschen oft nicht einmal für das Überleben. Mit der vertieften Krise, deren Lasten das Kapital der Arbeiterklasse aufbürden will und dabei von der Regierung unterstützt wird, drohen weitere Kündigungswellen, Lohnkürzungen, soziale Unsicherheit, Armut und im schlimmsten Fall sogar der Verlust der Wohnung. Daher sei es wichtig, meint die steirische Schuldnerberatung, sich rechtzeitig bei ihr zu melden und professionelle Hilfe zu holen, was zweifellos ein vernünftiger Rat ist. Noch wichtiger wäre es freilich, wenn die Unternehmen, die Konzerne und die Reichen für ihre Krise selbst zahlen würden – aber das spielt’s im Kapitalismus halt nicht, und von den herrschenden politischen Parteien ist auch nichts zu erwarten. Man wird sich organisieren und zur Wehr setzen müssen: Wenn sich die Menschen ihr Leben nicht mehr leisten können, können wir uns offensichtlich den Krisenkapitalismus nicht mehr leisten.

Quelle: ORF

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