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Feuer am Dach von Österreichs Schulen

Wien. Auch wenn sich ÖVP-Bildungsminister Polaschek der ernsten Lage an Österreichs Schulen offenbar nicht bewusst ist, ist klar: Es ist Feuer am Dach. Die Jugendfront der Partei der Arbeit hielt in einer Erklärung Anfang des Jahres bereits fest: „Dass sich die Lage der Lernenden und Lehrenden in österreichischen Schulen seit Ausbruch der Corona-Pandemie im März 2020 nicht verbessert hat, ist offenkundig. Selbsterklärtes Ziel des österreichischen Schulsystems ist es, dass: ‚Junge, selbstbestimmte Menschen […] am Ende ihrer Schullaufbahn ihre Stärken und Begabungen kennen. Sie sehen ihre Perspektiven in einer sich verändernden Gesellschaft im digitalen Zeitalter. Sie ergreifen die Chancen, die sich ihnen bieten, um ihr privates und berufliches Leben meistern zu können. Als aktive Mitglieder der Gesellschaft kennen sie die Bedeutung von demokratischer Mitbestimmung und Mitgestaltung.‘ Die Erhöhung des Leistungs- und Bildungsniveaus der Schülerinnen und Schüler ebenso wie die Verbesserung der Bedarfsorientierung sowie der Chancen- und Geschlechtergerechtigkeit im Bildungswesen wird als Zielgröße des Bildungsministeriums genannt. Dass diese Ziele immer in den Diensten der herrschenden Ordnung wirken und Herrschaftswissen vermittelt wird, steht hierbei außer Frage.

Bereits vor der Pandemie herrschte an Österreichs Schulen und im österreichischen Bildungssystem Notstand. Zu große Klassen, Leistungsdruck, Zentralmatura, Performance vor Inhalten, mangelnde Ressourcen zur Förderung und vieles mehr sind negative Auswirkungen des Kapitalismus auf das Bildungssystem. Dass ein Kind oder ein Jugendlicher aus der Arbeiterklasse den ‚Bildungsaufstieg‘ schafft, ist seit jeher in Österreich sehr unwahrscheinlich! Matura als Kind der Arbeiterklasse geschweige denn Unibesuch ist sehr unwahrscheinlich, da Bildung gemäß dem Einkommen in der Regel vererbt wird.“

Das Bildungssystem versagt

Die Pandemie hat die Lage nachweislich verschlimmert, hinzu kommt massiver Lehrermangel. Dieser wird in Wien ab Herbst als spürbar erwartet, aber bereits vor den Sommerferien setzte die Stadt Wien neben Lehramtsstudenten – die noch nicht fertig ausgebildet sind – auf Leute mit anderen Hochschulstudiengängen. Als Quereinsteigerinnen und Quereinsteiger, ohne Lehramt Mathematik studiert zu haben, aber mit Diplomstudium Mathematik kann man somit unterrichten. Solche Arbeitskräfte werden etwa von der gemeinnützigen Vereinigung „Teach for Austria“ nach einem pädagogischen Kurs für zwei Jahre an Schulen vermittelt. Eine angemessene pädagogische Ausbildung bleibt aber tendenziell aus. Solche Wege sollen Zukunft noch ausgeweitet werden

Neben diesem Bildungssystemversagen attestiert auch der stark ansteigende Bedarf an privat finanzierter Nachhilfe dem Bildungssystem ein „Nicht genügend“.

Rufe aus den Familienverbänden nach einem Rettungspaket für die Schule werden nun auch langsam laut. Hierin werden die folgenden Punkte gefordert:

  • Die finanziellen Mittel für die Covid-Förderungen im Herbst müssen verlängert werden, weil viele Schüler:innen Covid-bedingt Lernrückstände aufweisen und individuelle Förderung in kleineren Gruppen brauchen.
  • Ein umfassendes Paket zur Gewinnung von mehr Lehrer:innen muss geschnürt werden, das den akuten Lehrer:innenmangel bekämpft. Dabei muss vor allem auch schnell und treffsicher an die Entlastung des Bildungssystemsystems mit pädagogischem und administrativem Assistenzpersonal sowie den Ausbau der Multiprofessionalität an Schulstandorten gedacht werden. Hier braucht es den Mut auch zu unkonventionellen Lösungen.
  • Dringend die Aufhebung der Deckelung für Kinder mit sonderpädagogischem Förderbedarf, die dazu führt, dass Ressourcen ungerecht verteilt werden und Kinder in Ballungsräumen nicht ausreichend Förderung erhalten. Jedes Kind muss individuell und nach besten Kräften gefördert werden.

Die Jugendfront der Partei der Arbeit geht in ihren Forderungen weiter. Sie fordet: 

  • Mehr Lehrpersonal, nicht nur, um Mehraufwand durch die Pandemie zu kompensieren, sondern dauerhaft. Team-Teaching muss möglich sein!
  • Kleinere Klassen – mehr Lehrpersonal!
  • Ausstattung aller SchülerInnen, Schulen und Lehrenden mit angemessenen technischen Mitteln, um Distance-Learning, sofern unumgänglich, organisieren zu können, ohne dass dies vom Geldbeutel der Eltern abhängt.

Außerdem erkennt die Jugendfront an, dass das Schulsystem nicht den Interessen der Schülerinnen und Schülern oder der Lehrerinnen und Lehrern dient, sondern lediglich dem Kapitalismus. Die Jugendfront betont im Rahmen ihrer politischen Arbeit immer wieder, dass ein anderes Schulsystem möglich ist, doch hierfür braucht es Klassenkampf im doppelten Wortsinn.

Quelle: Jugendfront/ORF/APAOTS/Zeitung der Arbeit

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