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Österreichische Skiindustrie auf Talfahrt

Die Produktion von Ski und Sportgeräten für den alpinen und nordischen Wintersport ist in Österreich ein wichtiger Industriebereich. Mit Krise und Pandemie gehen jedoch Umsätze und Produktion zurück, am Ende „bezahlen“ die Arbeiter.

Salzburg. Der Skihersteller Blizzard gab am vergangenen Montag bekannt, dass man am Werk in Mittersill im Oberpinzgau mit Ende November die Produktion einstellen wird. Die 220 Angestellten werden für nicht ganz einen Monat auf Urlaub geschickt. Ab 20. Dezember soll die Produktion im Kurzarbeit wieder aufgenommen werden, zumindest bis Ende Februar 2021. Wie es danach weitergeht, ist noch offen. Im Laufe des Jahres 2020 gab es einen Umsatzrückgang um 25 Prozent, dementsprechend wurden nicht mehr 400.000 Paar Blizzard-Ski, wie noch 2019, sondern nur noch 300.000 Paar hergestellt und ausgeliefert. Nebenan im Pongau, beim ungleich größeren Konkurrenten Atomic, ist die Lage ein wenig besser: Die Altenmarkter verzeichnen zwar massive Einbrüche in Asien (v.a. Japan) sowie einen 15-Prozent-Rückgang in Europa, aber dafür einen stabilen Absatz im besonders wichtigen Markt Nordamerika: Dort werden doppelt so viele Ski verkauft wie in den beiden darauffolgenden bedeutendsten Absatzmärkten, nämlich Frankreich und Österreich. Die Millionenmarke an verkauften Ski-Paaren wird man bei Atomic heuer zwar nicht mehr erreichen, allerdings wird man dies beim bisherigen Milliardenumsatz leichter verschmerzen als so manche Mitbewerber.

Mythos Volkssport im Abschwung

Beide Salzburger Firmenleitungen machen für die Einbrüche jedenfalls die Corona-Pandemie und die Unsicherheit bezüglich der kommenden Wintersportsaison verantwortlich. In Wirklichkeit ist der vermeintliche „Volkssport“ Sikfahren in Österreich aber schon länger in der Bredouille: Er ist für viele Familien schlichtweg nicht leistbar – und war es eigentlich nie für die (ostösterreichische) Arbeiterklasse. Die Menschen müssen andere Prioritäten setzen, denn ein Weihnachts- oder Semesterferien-Skiurlaub mit Kindern überschreitet für viele das Monatsbudget. In den letzten 25 Jahren ist der Anteil der Österreicher, die niemals über eine Piste carven, von 40 auf 62 Prozent angestiegen. 50 Euro und mehr für eine Tagesliftkarte sind kein Klacks, hinzu kommen Anreise, Unterkunft – und eben die Sportgeräte. Nun, in der Wirtschaftskrise, wo viele Menschen von Einkommensverlusten oder sogar Arbeitslosigkeit betroffen sind, setzt man das verbliebene Geld auch nicht gerade zwingend in den Schnee. Ein Rückgang beim Skiabsatz ist nur logisch. Die eineinhalb Millionen Paar Ski, die jedes Jahr in Österreich produziert werden, sind aber ohnedies zu 80 Prozent für den Export bestimmt.

Internationaler Kampf um Marktanteile

Vor diesem Hintergrund hat hat die Skiindustrie traditionell große Bedeutung für die österreichische Industrie, denn hier ist man ein oder vielmehr der Global Player: Rund 60 Prozent aller weltweit und jährlich verkauften drei Millionen Paar Alpin-Ski stammen von österreichischen Herstellern, deren Eigentümerstrukturen in den letzten 30 Jahren jedoch internationalisiert wurden. Der unangefochtene Weltmarktführer ist Atomic (Marktanteil ca. 27%), dahinter folgen das französische Unternehmen Rossignol (15%) und die bayrische Marke Völkl (14%). Auf den Plätzen dahinter finden sich weitere österreichische Produzenten, nämlich Blizzard (12%), Head (11%, allerdings auch bei Tennisschlägern erfolgreich) und Fischer (8%, jedoch Weltmarktführer bei Langlaufski). Insgesamt arbeiten gegenwärtig noch etwas mehr als 2.000 Menschen an den österreichischen Standorten, nachdem in der Vergangenheit bereits ein relevanter Teil der Produktion ins osteuropäische Ausland verlagert wurde. Die verschärfte Konkurrenz führte etwa seit 1990 zu erheblichen Umbrüchen und wechselnden Investoren, zu Standortschließungen und auch Insolvenzen prominenter Hersteller, darunter z.B. Kneissl in Kufstein. Die nunmehrige kapitalistische Krise könnte noch weitere Opfer fordern, v.a. unter den kleineren Herstellern – viele Menschen könnten dabei ihre Jobs verlieren.

Quelle: ORF

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