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Schuldnerberatung erwartet mehr Privatkonkurse

Die kapitalistische Krise und die massiven Teuerungen werden eine steigende Zahl von Privatpersonen in den finanziellen Ruin treiben. Immer mehr Menschen können sich ihre bloße Existenz nicht leisten.

Wien. Die Schuldnerberatungen in Österreich erwarten für das laufende Jahr einen deutlichen Anstieg der Privatkonkurse. Clemens Mitterlehner vom Dachverband der staatlich anerkannten Schuldnerberatungen rechnet für 2022 mit 8.000 bis 10.000 Fällen, in denen ein privates Insolvenzverfahren und ein jahrelanger „Schuldenregulierungsprozess“ unausweichlich sein werden.

Während der Corona-Pandemie waren die Zahlen zurückgegangen, 2021 gab es 7.203 Fälle. Dies lag jedoch an Stundungen und finanziellen Ausfallsunterstützungen, deren Auslaufen zu umso gravierenderen Rückständen führen. Hinzu kommt natürlich die massive Teuerungswelle, durch die viele Menschen trotz Lohnarbeit erhebliche Schwierigkeiten haben, Mieten, Energie oder sogar Lebensmittel zu bezahlen. Bei den Schuldnerberatungen hält man insofern Konsumkredite für das weitaus größere Problem als die oft thematisierten Immobilienkredite mit variablen Zinsen. Die meisten Hilfesuchenden hätten, so Mitterlehner, keinerlei Eigentum oder Vermögen, das verwertet werden könnte, und ohnedies bereits alles verloren.

Der Prozess einer Privatinsolvenz ist sodann für die Betroffenen erstrecht mit weiteren Entbehrungen und unwürdigen Lebensbedingungen verbunden, wenngleich dieses Instrument seinen Sinn hat und oft der einzige Ausweg ist. Zweierlei sollte man aber nicht vergessen: Es sind in aller Regel nicht persönliche Fehler, durch die Menschen in die Zahlungsunfähigkeit rutschen, sondern die Bedingungen des krisenhaften kapitalistischen Systems: Zu niedrige Löhne, prekäre Arbeitsverhältnisse sowie unzulängliche Arbeitslosengelder und Sozialleistungen können mit den allgegenwärtigen und momentan explodierenden Preissteigerungen einfach nicht mithalten. Das ist im Kapitalismus aber auch so gewollt, denn dies garantiert maximale Profite für das Kapital und eine abhängige Arbeiterklasse, die optimal ausgebeutet und unterdrückt werden kann.

Quelle: ORF

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