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Stärkste Teuerung seit 1975

Die Inflation erreichte im Mai 2022 in Österreich und der Euro-Zone ein Ausmaß, das es seit Jahrzehnten nicht mehr gab. Für viele Menschen bedeutet dies eine existenzielle Bedrohung.

Wien/Luxemburg. Laut Schnellschätzung der Statistik Austria betrug die Inflationsrate im Mai 2022 bereits acht Prozent. Das bedeutet, dass die Preise im Vergleich zum Mai des Vorjahres um eben diesen Prozentsatz gestiegen sind. Auch gegenüber dem Vormonat April, als die Teuerung 7,2 Prozent betrug, ist ein Plus von 1,1 Prozent zu vermerken. Die acht Prozent der Schnellschätzung, die sich mit den endgültigen Zahlen noch als zu positiv erweisen könnte, markieren einen neuen Höchstwert, wie er seit fast einem halben Jahrhundert nicht mehr gekannt war: Im September 1975 lag die Inflation zuletzt über acht Prozent.

Auch in der Euro-Zone erreicht die Teuerungsrate ein trauriges Rekordausmaß: Eurostat vermeldet für Mai 2022 eine Steigerung auf 8,1 Prozent, was den höchsten Wert seit Beginn der Erhebungen vor 20 Jahren markiert – im April dieses Jahres waren es jedoch ebenfalls bereits 7,4 Prozent. Die massivsten Preiserhöhungen gibt es laut Eurostat weiterhin bei der Energie mit plus 39,2 Prozent, allerdings schlägt diese Tatsache natürlich auch schon auf alle anderen Bereiche durch: So ist bei Lebensmitteln und Genussmitteln eine Teuerung von 7,5 Prozent zu beobachten, mit Aussicht auf noch stärkere Anstiege. Die Teuerungswelle wird folgerichtig soziale Verwerfungen und schlussendlich eine Verarmungswelle mit sich bringen.

Denn offensichtlich ist, dass das Leben für die Menschen in Österreich und in der Euro-Zone exorbitant teurer wird – und dies keineswegs erst seit dem Ukrainekrieg. Viele können sich Wohnen, Strom und Gas, Mobilität und zunehmend Nahrung kaum noch leisten. Das hat System in der kapitalistischen Marktwirtschaft, denn deren Ziel besteht einzig im maximalen Profit für die Unternehmen, Banken und Konzerne. Gleichzeitig sollen den Menschen möglichst niedrige Löhne zugestanden werden, die weit unter den Preiserhöhungen bleiben. Es liegt auf der Hand, dass sich dies unterm Strich nicht ausgehen kann. Gleiches gilt natürlich für das Arbeitslosengeld, Pensionen sowie Sozialleistungen.

Die „Gegenmaßnahmen“ der österreichischen Regierung und der EU-Kommission sind weitgehend wirkungslos bzw. zum Großteil schlichtweg nicht existent, mitunter wird sogar noch Öl ins Feuer gegossen. Wenn man sich hier um die „Kaufkraft“ sorgt, so sind es indirekt wieder nur die kapitalistischen Profite, von denen die Rede ist. Dass die „freie Marktwirtschaft“ gesetzmäßig zu einer Kluft zwischen wenigen Reichen und der Masse der Bevölkerung, zu Armutsgefährdung und tatsächlicher Armut führt, wird nicht thematisiert. Denn dann müsste man eingestehen, dass das System des Kapitalismus für die Menschheit nicht funktioniert.

Die Herrschenden und ihre hochgezahlten politischen Lakaien werden es nicht für uns richten – schon gar nicht die EZB mit irgendwelchen Zinserhöhungen, für die dann auch wieder die Bevölkerung bezahlt. Die arbeitenden Menschen, die Arbeitslosen und die ärmeren Volksschichten werden für ihr Recht auf ein sicheres Leben organisiert kämpfen müssen, denn der Kapitalismus verweigert es ihnen zusehends.

Quelle: ORF

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