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Wiener Schuldnerberatung erwartet mehr Hilfesuchende

Aufgrund der steigenden Energiepreise werden zu Jahresbeginn 2022 mehr Menschen in der Schuldenfalle sitzen. Nicht persönliches Fehlverhalten in finanziellen Belangen, sondern kapitalistische Bedingungen führen zu Schulden, Privatinsolvenzen und Armut.

Wien. Die Schuldnerberatung in der Bundeshauptstadt rechnet in den kommenden Wochen mit einem Anstieg der Hilfesuchenden. Normalerweise sind es ohnedies bereits 600 bis 700 Wienerinnen und Wiener, die sich jedes Jahr im Jänner erstmals bei der Schuldnerberatung melden, doch für den Jahresbeginn 2022 ist ein deutliches Plus zu befürchten. Neben den üblichen Problemen mit Ratenzahlungen, die im Gefolge von Weihnachten häufig auftreten, warnt man seitens der Schuldnerberatung insbesondere vor den gestiegenen und weiter steigenden Energiekosten, die nun schlagend werden.

Wenngleich in Wiener Haushalten das besonders stark verteuerte Heizöl seltener zur Anwendung kommt, werden auch die Strom- und Gasrechnungen vielen Menschen Schwierigkeiten bereiten. Nicht nur Quartalsrechnungen, sondern auch die Jahresabrechnungen stehen ins Haus, wobei viele Wienerinnen und Wiener mit hohen Nachzahlungen konfrontiert sein werden. Vor dem Hintergrund der allgemeinen Inflation, der pandemie- und krisenbedingten Einnahmenausfälle sowie konstant hoher Arbeitslosigkeit haben immer mehr Menschen Probleme damit, ihren Lebensunterhalt zu bestreiten. Wenn steigende Lebensmittelpreise, Wohn- und Energiekosten zusammenkommen, treibt dies eine relevante Anzahl in den persönlichen Ruin – spätestens dann, wenn etwaige Ersparnisse auch noch aufgebraucht sind. Im Durchschnitt sind jene Menschen, die sich an die Wiener Schuldnerberatung wenden, mit Ausständen von rund 65.000 Euro belastet. Auch bei den unter-30-jährigen Kunden beträgt die Verschuldung schon um die 25.000 Euro. In diesen Fällen hilft nur noch ein Privatkonkurs, doch dies ist in Wahrheit bloß Symptombekämpfung.

Niemand sollte glauben, dass der Großteil der Schuldner durch finanzielle Unachtsamkeit oder Verschwendungssucht in die Bredouille gerät, sondern verantwortlich sind die Gesetzmäßigkeiten des Kapitalismus: Er verlangt möglichst niedrige Löhne für lange Arbeitszeiten, die Aufrechterhaltung eines gewissen Maßes an Arbeitslosigkeit sowie gleichzeitig möglichst hohe Preise für Wohnen, Energie und Waren des täglichen Gebrauchs, damit die Profitquellen sprudeln. Der bürgerliche Staat ergänzt die Misere durch menschenfeindliche Arbeits- und Sozialgesetze, die eher die Armen als die Armut sowie die Arbeitslosen als die Arbeitslosigkeit bekämpfen.

Quelle: ORF

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