HomePanoramaCoronahilfen: Große Kunsthändler wurden „überfördert“

Coronahilfen: Große Kunsthändler wurden „überfördert“

Wien/Salzburg. Wie neueste Analysen der Coronahilfen durch die Bundesregierung zeigen, wurden nicht nur Tourismus- und Gastronomiebetriebe ohne klar erkennbare Notwendigkeit praktisch mit Subventionen „überfördert“, auch im stark betroffenen Kunst- und Kultursektor profitierten laut dem Standard eher die Großen am kapitalistischen Kunst- und Kulturmarkt. Vorne dabei sind der international bekannte Galerist Thaddaeus Ropac und das Wiener Dorotheum.

Förderung nicht treffsicher

Von den 16 Millionen, welche die staatliche Corona-Finanzagentur COFAG an den Kunst- und Kultursektor ausgeschüttet hatte, entfielen 2,6 Millionen Euro an das Dorotheum; davon wiederum waren 1,89 Millionen für die Kurzarbeit und ca. 763.000 Euro für den Umsatzersatz des Betriebes. Ropac‘ Betrieb erhielt mehr als 600.000 Euro an Coronahilfen. Vergleicht man diese Summen mit dem Umsatzerlös von Ropac, bleibt unklar, nach welchen Vergabekriterien das Finanzamt gehandelt hat. Im Krisenjahr 2020 belief sich der Umsatzerlös der Galerie Ropac bei mehr als 60 Millionen Euro und es gab einen gestiegenen, reinen Gewinn von 22 Millionen Euro – also ein sattes Plus von 1,5 Millionen Euro im Vergleich zum Geschäftsjahr 2019. Beim Dorotheum liegen keine genauen Angaben vor, jedoch zeigt sich, dass im Krisenjahr 2020 ebenfalls höhere Profite als vor der Pandemie erwirtschaftet worden sind. Wegen des gestiegenen Pfandgeschäftes, welches das Dorotheum online abwickelte, bilanziert die Geschäftsleitung einen Überschuss von mehr als 15 Millionen Euro, also eine Verdopplung gegenüber 2019.

Viele Kunstschaffende und Beschäftigte im Kulturbetrieb, darunter auch einige StudentInnen, welche im Laufe ihres Studiums traditionell in der Branche arbeiten (müssen) bzw. Pflichtpraktika absolvieren, sind in einem krisenhaften Zustand. Die vielen Absagen von Messen, Konzerten und Ausstellungen, das undurchsichtige Krisenmanagement und der eklatante Mangel an finanziellen Hilfen für viele prekäre Beschäftigte im Sektor und kleine Kunst- und Kulturschaffende hat seine Spuren hinterlassen. Dass Förderungen hauptsächlich den Großen zugutekommen, während der Rest vereinzelt und pleite geht, hat System. Dem gilt es, den Kampf anzusagen.

Quelle: Der Standard

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