HomePanoramaKanadische Stadt legt Mg3Si2O5(OH)4‑Namen ab

Kanadische Stadt legt Mg3Si2O5(OH)4‑Namen ab

Demnächst wird auf kanadischen Landkarten mit „Val-des-Sources“ eine neue Ortsbezeichnung zu finden sein. Der bisherige Name wird abgeschafft, da er – um es treffend zu sagen – vergiftet ist.

Québec. Eine frankokanadische Kleinstadt, etwa 170 Kilometer westlich von Montréal, erhält nach einer Volksbefragung unter den rund 7.000 Einwohnern einen neuen Namen: Val-des-Sources lautet die künftige Bezeichnung, also „Tal der Quellen“, was doch einigermaßen idyllisch klingt. Das war zuvor gänzlich anders und auch der Grund für die Umbenennung: Der bisherige Name „Asbestos“ verwies auf die einst weltgrößte Asbestmine, die im Gemeindegebiet lag. Hier wurde über viele Jahrzehnte das Schichtsilikat Chrysotil abgebaut, besser bekannt als Weißasbest. Nach entsprechender Aufarbeitung eignet sich dieses aufgrund seiner Hitze- und Säurebeständigkeit ausgezeichnet für Dichtungen, Isolierungen oder auch Dachplatten, weswegen das „weiße Gold“ lange als wichtiges und als überaus fortschrittlich angesehenes Baumaterial, ja sogar als Kochgeschirr Verwendung fand. Inzwischen weiß man freilich längst um die Gefahren von Asbest für die menschliche Gesundheit, insbesondere in Form der Staublungenkrankheit Asbestose, aber auch als Verursacher von Lungenkrebs – beides häufte sich nicht zuletzt auch als Berufskrankheit in entsprechenden Branchen. Aus diesem Grund wurden Asbest-verseuchte Gebäude vielerorts saniert bzw. abgerissen, und die Verwendung von Asbest ist heute in vielen Ländern verboten, in Österreich z.B. seit 1990, EU-weit seit 2005. In Kanada wurde jedoch weiterhin unverdrossen Asbest abgebaut, produziert und – exportiert. Erst 2011 – nach über 100 Jahren des Chrysotilabbaus – wurden die beiden noch in Betrieb befindlichen Minen bei Asbestos geschlossen. Der wenig einladende Name der Stadt blieb jedoch aufrecht.

Der amtierende Bürgermeister Hugues Grimard kam daher zu dem Schluss, dass dies geändert gehört, zumal der allzu direkte Asbestbezug nicht nur Besucher, sondern v.a. auch Investoren abschreckt, die dringend benötigt werden: Nicht nur die Asbestminen, sondern auch die Magnesiumproduktion der Stadt hat geschlossen, weswegen die Arbeitslosigkeit anstieg. Um das Stigma des kanadischen Asbestzentrums also loszuwerden, begann man im Vorjahr einen politischen Diskussionsprozess, der schließlich in einer Volksbefragung mündete: Die Bürger von Asbestos waren zu einem Referendum aufgerufen, bei dem zwischen sechs potentiellen neuen Namen gewählt werden konnte: L’Azur-des-Catons, Jeffrey-sur-Lac, Larochelle, Trois-Lac, Phénix und Val-des-Sources, wobei letzterer im dritten Wahldurchgang mit 51,5 Prozent der Stimmen gewann, wie am 19. Oktober 2020 bekanntgegeben wurde. Nun muss noch die Provinzregierung von Québec zustimmen, was aber nur eine Formalität sein dürfte. Für die kleine Stadt Val-des-Sources wird dies historisch sein, denn man lässt damit die Geschichte des in Kanada vor allem von britischen und US-Konzernen forcierten Abbaus eines giftigen Materials endgültig hinter sich. Teile dieser Geschichte darf man aber auch in stolzer und ehrender Erinnerung behalten, nämlich insbesondere den großen Streik der Asbest-Arbeiter von Québec, der im Februar 1949 in der Jeffrey-Mine von Asbestos seinen Ausgang nahm.

Quelle: Journal de Québec

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