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Österreich jagt Flüchtlinge künftig mit Drohnen

Während 120.000 Menschen in Lagern am Balkan und in Griechenland unter menschenunwürdigen Bedingungen festsitzen, sollen die Wenigen, die es bis an Österreichs Grenze schaffen, künftig auch noch mit Drohnen gejagt werden.

Wien. Wie die „Wiener Zeitung“ berichtet, hat Innenminister Karl Nehammer in einem Interview mit der deutschen Zeitung „Welt“ bekanntgegeben, dass Österreich an seinen Grenzen künftig Drohnen zur Jagd auf Flüchtlinge einsetzen wird.

Der Supersheriff dieser an verhaltensauffälligen Exemplaren wahrlich reichen Regierung möchte sich offensichtlich noch stärker als bisher als oberster mitteleuropäischer Flüchtlingsjäger in Szene setzen. Was für ein erbärmliches Bild für eine angeblich christlich-soziale Partei. Denn die Probleme sind ganz andere und nicht mit Nehammers Drohneneinsatz zu lösen: „Der aktuelle Trend zeigt einen starken Migrationsdruck in Richtung Österreich, das geht aus der aktuellen Zahl der am Westbalkan oder in Griechenland aufhältigen illegalen Migrantinnen und Migranten hervor. Etwa 20.000 Migrantinnen und Migranten sind in Ländern des Westbalkans gestrandet und warten auf die Weiterreise. In Griechenland sind es rund 100.000 Menschen“, heißt es auf der Internetseite des Innenministeriums. 

2020: Bisher 43.000 Flüchtlinge auf 450 Millionen EU-Bürger

In Wahrheit bedeutet das, dass die EU die Flüchtlinge ja mehrfach als „Illegale“ erfasst. Denn wenn viele den unwürdigen Zuständen in den Lagern Griechenlands, Mazedoniens oder Bosniens entfliehen und dann zum Beispiel in Österreich wieder aufgegriffen werden, dann sind sie zum größten Teil schon zweimal erfasst. Über die „Westbalkan-Route“ sind im ganzen Jahr 2020 übrigens bisher in die gesamte EU (!) nicht mehr als 11.000 Flüchtlinge „illegal eingereist“, etwa 43.000 waren es, wenn man alle Fluchtrouten zusammenrechnet. Im Verhältnis zur Einwohnerzahl von fast 450 Millionen Einwohner der EU-Länder ist das also praktisch nichts.

Die Mitte September groß inszenierte Anlieferung von 55 Tonnen Hilfsgütern und winterfesten Zelten mithilfe einer gecharterten russischen „Antonov“, dem größten Transportflugzeug der Welt, durch den Innenminister persönlich wird langsam auch ein Fall für sich, denn die Güter gammeln immer noch in einer Lagerhalle vor sich hin, während die Flüchtlinge in ihren neuen Zelten knöcheltief im Wasser stehen, wenn es stärker regnet.

Kaltschnäuzigen Wirtschaftslobbyisten sind Menschenrechte egal

Die EU – und damit auch Österreich, das diese Politik stark forciert und selbst umsetzt – macht das ganze schöne Getöse von „Alle Menschen werden Brüder“ selbst zur Farce und inszeniert sich als die Menschenrechte ignorierende, kaltschnäuzige Institution von Wirtschaftslobbyisten. Solange sie die Flüchtlinge nicht als zusätzliche Arbeitskräfte in EU-Europa brauchen kann, will sie sie nicht hier haben. Die etwa 120.000 bereits am Balkan und in Griechenland gestrandeten Menschen müssen unmenschlichste Lebensbedingungen ertragen. Weder wird ihnen dort geholfen, wo sie feststecken, noch lässt man sie in ihre Zielländer weiterreisen. Österreich will auch keinen einzigen Flüchtling aus diesen Dreckslagern auf legalem Weg ins Land holen. Das ist der ganze menschenverachtende Zynismus von Nehammer, Kurz und der gesamten EU. Die wenigen, die es dann doch schaffen, bis an unsere Grenzen zu kommen, werden mit Drohnen gejagt. Das macht dann wiederum gute Schlagzeilen in den Boulevard-Blättern und stützt den eigenen Machterhalt. Nachdem sich die handelnden Personen ja fast alle als brave und gläubige Christen ausgeben, kann man ihnen nur sagen: In den Himmel werdet ihr mit eurer Politik sicher nicht kommen, in die Hölle schon viel wahrscheinlicher. Vorausgesetzt, man glaubt an solche Kategorien des Seins nach dem Tode.

Quellen: Wiener Zeitung/de​.statista​.com/bmi​.gv​.at/Tiroler Tageszeitung

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