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Augenwischerei mit Testungen?

Wien/Linz. Seit Montag gibt es in Österreich Öffnungsschritte, mit negativem Corona-Test darf man beispielsweise zum Friseur oder andere körpernahe Dienstleistungen in Anspruch nehmen. Außerdem sind die Schulen wieder in den Präsenzunterricht zurück. So weit, so klar. Wer am Montag die ZIB mit Armin Wolf im Gespräch mit Rudolf Anschober (Grüne) gesehen hat, mag fast schon optimistisch sein, dass ein Ende der Pandemie in Sicht sei und wir uns bald wieder „normal“ bewegen und leben könnten, wenn da nicht Tirol sei. Die Hoffnungen des Gesundheitsministers liegen auf den Coronamassentests, wie er betonte. Diese sind wegen der Zugangsbeschränkungen ohne negativen Test am Wochenende in Rekordhöhe in Anspruch genommen worden. Auch in der Schulen scheint nur eine absolute Minderheit nicht an den Testungen teilzunehmen und es wurden dennoch kaum Fälle identifiziert. Ist das nicht ein Grund zum Jubeln?

Als mittlerweile geübt in Sachen Coronatests, fällt auf, dass eine neue Testmethode nun bei den Massentests zum Einsatz kommt, zumindest in Oberösterreich. Die Probenahme aus dem vorderen Nasenraum (anteriorer nasaler Abstrich) ist hier in der jüngeren Vergangenheit der Standard und der vormalige Nasen-Rachen-Abstrich scheint hierdurch abgelöst zu werden. Dieser Test im vorderen Nasenraum hat jedoch eine geringe Sensitivität bei milden und asymptomatischen Verläufen. Bei letzterem weist die AGES – die österreichische Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit – eine Sensitivität von 40,7 Prozent aus, bei ersterem von 75,9 Prozent. Somit ist die Treffsicherheit doch recht gering, was die Infektiösität angeht, man geht davon aus, zumindest sehr ansteckende Fälle zu identifizieren. Wenn man jedoch beachtet, dass man mit Symptomen nicht an den Massentestungen teilnehmen soll, erscheint der Einsatz dieser Testmethode entweder dazu zu dienen, dass die Infektionszahlen hierdurch gering erscheinen, oder es ist schlichtweg günstiger. In Tirol kamen zumindest Anfang der Woche noch die präziseren Nasen-Rachen-Abstriche zum Einsatz.

Es erscheint vor diesem Hintergrund fast schon als ein Witz, wenn nicht nur der Gesundheitsminister in der ZIB am Montag, sondern auch der Bundeskanzler Sebastian Kurz (ÖVP) am darauffolgenden Tag suggeriert, dass diese Tests ein realistischer Ansatzpunkt seien, um das Infektionsgeschehen einzudämmen.

Quelle: AGES / Zeit im Bild

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