HomePolitikFür eine kämpferische Front der Studierenden, Lehrenden und Forschenden

Für eine kämpferische Front der Studierenden, Lehrenden und Forschenden

Interview mit Max Facchin, Spitzenkandidat des Kommunistischen StudentInnenverbandes (KSV-KJÖ) bei den Hochschulvertretungswahlen an der Universität Innsbruck

Max, du kandidierst bereits zum zweiten Mal für den Kommunistischen StudentInnenverband (KSV-KJÖ) an der Uni Innsbruck. Wieso sollte man KSV-KJÖ unterstützen?

Der KSV-KJÖ sieht die Hochschulen nicht als isolierte Räume, sondern betrachtet sie vielmehr im gesamtgesellschaftlichen Kontext. Dies ist unbedingt notwendig, denn die Gesellschaft finanziert die Universitäten und umgekehrt zieht die Gesellschaft Nutzen aus der dort stattfindenden Forschung. Auch auf der Ebene der unmittelbaren Bedürfnisse von Studierenden ist der Zusammenhang mit gesamtgesellschaftlichen Forderungen klar erkennbar, denn weit über 60 Prozent der Studierenden müssen nebenher arbeiten, um sich das Leben zu finanzieren. Deswegen gibt es von uns auch allgemeine arbeitsrechtliche Forderungen wie jenem nach einem Mindestlohn von 1.800 Euro. Der KSV-KJÖ steht für Verbesserungen an den Universitäten ein, steht aber gleichzeitig für einen grundlegenden Umbau der Gesellschaft, der es ermöglicht, dass Bildung an den Universitäten allgemein frei zugänglich wird und ein emanzipatorischer Akt sein kann.

Was unterscheidet euch von anderen linken Fraktionen, die bei den ÖH-Wahlen kandidieren?

Der größte Unterschied ist in unserer grundsätzlich verschiedenen politischen Herangehensweise zu finden. Wir schüren keine Illusionen bei den Studierenden, was die Kompetenzen der Institutionen der ÖH betrifft, denn diese sind im Grunde nur zahnlose Gremien, die keinerlei Möglichkeiten haben, politische Entscheidungen zu treffen. Die Beschlüsse der Universitätsvertretungen und der Bundesvertretung finden nur Gehör, wenn sie zufällig den Interessen der herrschenden Politikerinnen und Politiker und Parteien entsprechen. Dementsprechend ist es uns auch kein Anliegen, mit den anderen konformistischen Fraktionen in irgendwelchen linken Koalitionen mitzuwirken. Vielmehr wollen wir als tatsächliche Opposition auftreten, um in den von uns besetzten Mandaten den Anliegen der Studentinnen und Studenten mehr Gehör zu verschaffen und unseren Teil dazu beizutragen, diese zu organisieren.

KSV-KJÖ propagiert schon seit längerem den Aufbau einer Studierendenfront. Was meint ihr damit?

Die Studierendenfront bezeichnet die gemeinsame Bewegung eines Großteils der Studierenden, die kämpferisch für die eigenen Interessen eintritt. Es geht darum, sich eigenständig untereinander zu organisieren, die eigenen Interessen zu diskutieren und für ebendiese einzustehen. Ein erster Schritt in diese Richtung wäre die Selbstorganisation der Studierenden in ihrer Studienrichtung oder an ihrem Institut, also die Entstehung von Basisgruppen, die sich nicht von den Fraktionen instrumentalisieren lassen, sondern eine klassenorientierte, die Interessen der Studierenden vertretende Linie verfolgen. Wenn mehrere solche Gruppen entstehen, kann aus ihrem Zusammenschluss eine Front der Studierenden erwachsen, zunächst auf lokaler Ebene und in einem weiteren Schritt auch darüber hinaus.

Wichtige Mittel dafür können selbstorganisierte Treffen oder Kundgebungen sein, das politische Wirken in den Studienvertretungen der ÖH oder eine Mitgliedschaft im KSV-KJÖ. Aber bereits kleine Gesten wie der Austausch von Mitschriften untereinander sind ein Schritt in diese Richtung und ein wichtiger Ausdruck von Solidarität der Studierenden untereinander.

Ihr seid wahrscheinlich die einzige Fraktion, die ein Bündnis von Studierenden, Lehrenden und Forschenden fordert. Worum geht es euch damit? Steht das nicht im Widerspruch zur Vertretung der Interessen der Studierenden?

Nun, dieser Eindruck mag bestehen, wenn man die Universitäten als etwas Isoliertes, gänzlich von der Gesellschaft Abgekapseltes betrachtet. Das sind die Universitäten aber real nicht, und nicht der Lehrende im Hörsaal oder im Seminarraum sind unsere Gegner. Lehrende und Forschende können nichts dafür, dass die Universitäten nicht staatlich ausfinanziert werden, dass Lehre und Forschung zunehmend von Drittmitteln aus der Wirtschaft abhängig sind, dass die Betreuungsverhältnisse immer schlechter werden und die Infrastruktur veraltet bzw. nicht ausreichend ist. Ganz im Gegenteil, der größte Teil der Forschenden und Lehrenden bekommt die Auswirkungen dieser Politik genauso zu spüren wie die Studierenden. Das fängt an bei einer zunehmenden Anzahl an Stellen, die nur befristete Arbeitsverhältnisse sind, geht über einen immer größeren Aufwand für die Lehre, auch durch den Zwang, immer mehr Studierende zu betreuen, bis hin zur vollkommenen Abhängigkeit von Förderanträgen für Drittmittel, da ihre eigene Stelle von der weiteren Bewilligung von Drittmitteln abhängt.

Wer hier glaubt, Studierenden einerseits und Lehrende und Forschende andererseits spalten zu müssen und gegeneinander auszuspielen, der schadet den objektiven Interessen der Studierenden nach staatlich ausfinanzierten Hochschulen und spielt den Herrschenden in die Hände. Nur ein gemeinsamer Kampf von Studierenden, Forschenden und Lehrenden kann die Schlagkraft entwickeln, die Rahmenbedingungen an den Universitäten zu verbessern und über den Kapitalismus hinausweisende gesellschaftliche Perspektiven an der Universität entwickeln.

Diese Frage zeugt aber auch von einem verqueren Verständnis von Bildung, in dem Lernen als etwas betrachtet wird, das von den Lehrenden eingetrichtert werden muss und das von den Lernenden untertänig empfangen wird. Wenn wir die Hochschulbildung nicht nur als Ausbildung betrachten, sondern als einen emanzipatorischen Akt begreifen, geht es vielmehr darum, dass ein gemeinsamer Erkenntnisgewinn stattfindet. Natürlich sollte der oder die Lehrende idealerweise über mehr Wissen verfügen als die Studentinnen und Studenten, deswegen wird ihm oder ihr ja diese Position zugeteilt. In Wirklichkeit sollte es jedoch keinen Interessensgegensatz zwischen Lehrenden und Lernenden geben. Die Erforschung und das tiefergreifende Verständnis der Umwelt und der menschlichen Gesellschaft muss der gemeinsame Anspruch sein, der in den Lehrveranstaltungen der Universität verwirklicht wird. Dieses Ziel und die hohe Qualität der Bildung können nur erreicht werden, wenn die Studierenden sich ohne Druck der Bildung widmen können und wenn auch die Lehrenden und Forschenden Arbeitsbedingungen vorfinden, die ihnen eine freie Forschung und Lehre ermöglichen. Zuletzt muss auch darauf hingewiesen werden, dass sich die Lehrenden und Forschenden aus den Studierenden rekrutieren, die Arbeitsverhältnisse der Lehrenden sind also auch die zukünftigen Arbeitsverhältnisse vieler Studentinnen und Studenten.

- Advertisment -spot_img

MEIST GELESEN