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Kein Lockdown für Waffengeschäfte

Aufgrund der verschärften Pandemiesituation muss fast der gesamte Handel schließen. Der Verkauf von Feuerwaffen ist jedoch ausgenommen.

Wien. Die Vorschriften zum zweiten Corona-Lockdown in Österreich bergen so manches überraschendes und verstörendes Detail in sich: Grundsätzlich sollen alle stationären Geschäfte und Läden zusperren, lediglich solche für den täglichen Bedarf oder mit „Systemrelevanz“ dürfen offenhalten. Dazu zählen logischerweise der Lebensmittelhandel, Apotheken, Banken, Tankstellen, Telekommunikation oder Trafiken. Doch auch weniger Nachvollziehbares wird weiterhin auf Kundinnen und Kunden warten – darunter Waffengeschäfte. Offenbar betrachtet die Bundesregierung Schusswaffen, Pistolen, Gewehre und Munition als alltägliche Bedarfsgüter – oder als systemstabilisierende Notwendigkeit. So oder so kommt diese Regelung einigermaßen bizarr rüber, und man fühlt sich doch ziemlich bestärkt in der Wahrnehmung einer verqueren „Logik“ und Prioritätensetzung von ÖVP und Grünen.

Die nachgereichte Rechtfertigung für das Offenhalten von Waffengeschäften klingt nicht allzu überzeugend: Die Land- und Forstwirtschaft sei ja als systemrelevant eingestuft – und dazu zähle nun mal auch die Jagd. Nun ja, es ist wohl ein Unterschied, ob die österreichischen Bauern und Bäuerinnen Saatgut und Futtermittel brauchen oder, wenn’s sein soll, vielleicht ein Holzfäller eine neue Säge – oder ob es ausgerechnet jetzt ein neues Gewehr sein muss, um während der von der Regierung zum Stressabbau empfohlenen Waldspaziergänge auf einen vorbeihuschenden Hirsch zu schießen (oder andernorts auf sonst irgendwas oder irgendwen…). Vielleicht hätte man hier einfach ein bissel differenzieren sollen? Aber das ist halt nicht gerade die Stärke von Kurz, Kogler & Kumpanen, doch die Waffen- und Munitionsproduzenten sowie allseits vertrauenswürdige „Waffennarren“, die mit verlässlicher Regelmäßigkeit auszucken, werden es ihnen danken. Jedenfalls sagt es viel über unsere Situation aus, dass wir in den nächsten drei Wochen zwar keine Bücher und keine Blumen kaufen dürfen, aber dafür modernste Tötungs- und Mordgeräte.

Quelle: Der Standard

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