Start Panorama Personalmangel in Kinderbetreuung gelöst durch 30-Stunden-Kurs?

Personalmangel in Kinderbetreuung gelöst durch 30-Stunden-Kurs?

Der steirische Landtag hat die Voraussetzung für die Arbeit als Pädagogin im Elementarbereich aufgeweicht, anstatt bessere Arbeitsstandards zu etablieren.

Graz. Am Dienstag wurde in der Steiermark das Thema Kinderbetreuung im Rahmen der Landtagssitzung diskutiert. In der (Klein-)Kinderbetreuung herrscht in weiten Teilen Österreich Personalmangel, so auch in der Steiermark. Besonders betroffen sind die Nachmittags- sowie die ländlichen Betreuungsstrukturen. Deswegen setzt man sich mit der Frage auseinander, wie man dem Problem entgegenwirken und eine flächendeckende Kinderbetreuung zur Verfügung stellen kann. Hierzu gibt es Forderungen von allen politischen Lagern und man ist sich einig, dass der Ausbau von Kinderbetreuungsstrukturen notwendig ist, um eine qualitativ hochwertige Versorgung auf pädagogisch adäquaten Niveau sicherzustellen. Die Fachverbände sowie die Gewerkschaften fordern schon seit langem eine Aufwertung und Anerkennung des Feldes der Elementarpädagogik auf monetärer, aber auch gesellschaftlicher Ebene, was den Beruf für potenzielle Arbeitskräfte zumindest attraktivieren würde.

Chrash-Kurs statt BafEP

Das Land Steiermark hat nun quasi das Gegenteil getan und ist zurück an den Start. Statt einer Akademisierung und der Anerkennung der Profession der Elementarpädagogik mit all den hieran hängenden Herausforderungen wird ein Crash-Kurs als Basis für die Arbeit in der Gruppe, nicht als Assistentin, sondern als Pädagogin oder Pädagoge, also als Gruppenleitung etabliert. Der Crash-Kurs, der hierfür als pädagogische Qualifikation benötigt wird, umfasst 30 Stunden, die Ausbildung zur Kindergarten- oder Elementarpädagogin fünf Jahre à über 30 Stunden Unterricht in der Woche, mit Theorie- und Praxisteilen. Es müssen zwar bestimmte Voraussetzungen erfüllt sein, damit die Crash-Kurs-Absolventinnen eine Gruppe leiten können, jedoch wird nichts am eigentlich Problem geändert, das den Personalmangel verursacht. Die Einrichtung muss beispielsweise nachweisen, dass sie keine geeignete Pädagogin gefunden habe (Ausschreibung und Bestätigung des AMS), und der Crash-Kurs als Qualifikation für die Gruppenleitung gilt nur für Personen, die bereits Berufserfahrung und Vorbildung in einem pädagogischen Bereich haben. Zweiteres klammert vollkommen aus, dass der elementarpädagogische Bereich und die Arbeit mit Kleinkindern ein ganz spezifisches pädagogisches Profil benötigt und beispielsweise nicht dem der Lehrerinnenbildung entspricht.

Mit der Etablierung von Kollegstrukturen neben den Bundesanstalten für Elementarpädagogik (BAfEP) wurden in der Vergangenheit bereits Schritte gesetzt, um ohne eine Dequalifizierung mehr Menschen in diesen Beruf zu bekommen; dezidiert auch Quereinsteiger [sic!]. Viele BAfEP-Absolverntinnen und Absolventen steigen nämlich gar nicht erst in den schlecht bezahlten und sehr anspruchsvollen Beruf ein. In Wien wurde mit den sogenannten Assistenzpädagoginnen dann bereits ein erster Schritt gemacht, um über verkürzte Ausbildungszeiten Engpässe zu überbrücken, diese Ausbildung ist jedoch auch mehrjährig. Die steirische Regelung stellt eine Abwertung der Ausbildung und des Berufsfeldes dar und erinnert an die Zeit, in der die Kindergartenpädagogik als Spiel wahrgenommen wurde. Statt Crash-Kurse und Sonderregeln zu etablieren, sollten Gruppengrößen angepasst werden, ebenso wie Gehälter, um nur zwei der wichtigsten immer wieder thematisierten Punkte anzusprechen. Es ist nur zu hoffen, dass die anderen Bundesländer diesem Vorbild nicht folgen.

Quelle: ORF

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