HomePolitikTag der Inklusion: Menschen mit Behinderung in die Krisenstäbe

Tag der Inklusion: Menschen mit Behinderung in die Krisenstäbe

Steiermark/Österreich. Jeder sechste Österreicher lebt mit einer Behinderung. Am Tag der Inklusion am heutigen Dienstag fordert die Lebenshilfen Soziale Dienste aus der Steiermark, dass Menschen mit Behinderung in politischen Überlegungen eine größere Rolle spielen.

1,4 Millionen Menschen leben in Österreich mit Behinderung, darauf wird am Dienstag am Tag der Inklusion hingewiesen. „Ein wesentlicher Punkt an so einem Tag der Inklusion in Zeiten der Krise ist schon, dass man darauf aufmerksam machen muss, dass auch wenn diese Krise jetzt für Österreich ganz gut gemanaged wurde, dass man sagen muss, dass Menschen mit Behinderung auch in diese Krisenstäbe hinein gehören und mitbedacht werden müssen“, fordert Susanne Maurer-Aldrian, Geschäftsführerin der Lebenshilfen Soziale Dienste GmbH, die in der Steiermark 2.000 Menschen mit geistiger Behinderung betreut. Beispielsweise sei es in der Coronavirus-Krise anfangs schwierig gewesen, Tests und Versorgung der Kunden sicherzustellen.

Viele Betroffene sind Risikopatienten, müssen also besonders vor einer Infektion geschützt. Entsprechend hoch sind die Schutzmaßnahmen wie eben Besuchsverbote am Wohnort oder Schließungen von Werkstätten.

Mit den Menschen reden, nicht über sie

Doch das habe auch negative Auswirkungen auf die Betroffenen, erzählt Albert Brandstätter, Generalsekretär der Lebenshilfe Österreich: Viele Menschen seien seit Inkrafttreten der Ausgangsbeschränkungen Mitte März komplett isoliert, weil ihre Familien sie nicht besuchen können und sie wegen der Infektionsgefahr auch nicht rausgehen könnten. Auch Therapien oder sonstige Beschäftigung sind nur eingeschränkt bis gar nicht möglich, Betreuer sind in Kurzarbeit.

In einem Pressegespräch am Montag anlässlich des Tages der Inklusion am Dienstag beklagten Vertreter der Lebenshilfe sowie der Behindertenanwalt, dass Menschen in der aktuellen Phase grundsätzlich zu wenig eingebunden und angehört wurden. Seit Beginn der Krise laufe er der Politik nach, mit mangelndem Erfolg. Die Einbindung in die Krisenstäbe wäre „nicht nur möglich, sondern notwendig“ gewesen, sagte Behindertenanwalt Hansjörg Hofer. Denn oft habe die Erfahrung bzw. die Expertise gefehlt. Es sei wichtig, mit den Menschen zu reden, nicht über sie.

Quelle: ORF Steiermark

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