Start Politik Wirecard: Kurz-Berater und Sponsor hat fast 2 Milliarden „verloren“

Wirecard: Kurz-Berater und Sponsor hat fast 2 Milliarden „verloren“

Wie können 1,9 Milliarden einfach so verschwinden? Beim deutschen DAX-Konzern Wirecard weiß man bis heute keine Antwort auf diese Frage. Der bisherige Geschäftsführer und Kurz-Berater Markus Braun ist zurücktreten. Im Thinktank des österreichischen Kanzlers ist er indessen immer noch.

BRD/Österreich. Beim deutschen Zahlungsunternehmen Wirecard sind 1,9 Milliarden Euro verschwunden. In der Bilanz des Konzerns, bei dem bis letzte Woche der Österreicher Markus Braun Geschäftsführer war, fehlen fast 2 Milliarden Euro. Markus Braun ist eine umtriebige Person in Österreichs Politlandschaft: Er ist nicht nur stolzer ÖVP- und NEOS-Spender, sondern sitzt auch in der ominösen Denkfabrik von Kurz‘ Schattenkanzlerin Antonella Mei-Pochtler.

Wo sind die Milliarden?

Braun ist am Freitag als Wirecard-CEO zurückgetreten. Die Aktie stürzt seit Aufkommen des Skandals ins Bodenlose. Braun ist mit 7 Prozent der größte Einzelaktionär von Wirecard. Der Börsencrash kostete damit Markus Braun über 600 Millionen Euro in seinem Portfolio. Es kommt aber noch dicker für den Kurz-Berater: Die Fondsgesellschaft DWS will sowohl den Konzern, als auch den EX-CEO Markus Braun aufgrund der verschwundenen Milliarden klagen.

Die Spur der Milliarden führt zu philippinischen Banken. Medien berichteten, dass Wirecard dort zwei Konten führen soll. Externe Prüfer hätten Dokumente vorgelegt, die das nahelegen könnten. Doch die beiden philippinischen Banken haben bereits dementiert. „Wirecard ist kein Kunde von uns“, werden die BDO Unibank und die Bank of the Philippine Islands (BPI) zitiert. Die genannten Milliarden seien nie in dem Land angekommen, teilte die philippinische Zentralbank mit. Zertifikate, die diese Werte dokumentieren sollen, sind demnach eine plumpe Fälschung.

Markus Braun selbst, der im Wahlkampf 2017 70.000 Euro an Sebastian Kurz und 150.000 Euro an die NEOS gespendet hatte, veröffentlichte am Tag seines Rücktritts ein Video. Er glaube, „dass die Wirecard AG in einem Betrugsfall erheblichen Ausmaßes zum Geschädigten geworden ist“. Das Video ist mittlerweile wieder offline.

Wirecard schuldet österreichischen Banken 180 Millionen Euro

Jetzt steht sogar eine Pleite von Wirecard im Raum. Dabei wird gezweifelt, ob Wirecard nicht „too big to fail“ ist. So zählen verschiedene Großbanken zu den Gläubigern, ihnen könnte eine Konzernpleite enorm wehtun. 800 Millionen Euro an Krediten sollen ausständig sein. Zu den größten Gläubigerbanken gehören ABN Amro, Commerzbank, ING, LBBW, Barclays, Credit Agricole, DZ Bank, Lloyds, Bank of China, Citi und Deutsche Bank. Wirecard hat laut Bloomberg auch Kredite bei der Raiffeisenlandesbank Niederösterreich-Wien (60 Mio. Euro) und der Raiffeisenlandesbank Oberösterreich (45 Mio. Euro). Insgesamt soll Wirecard österreichischen Banken 180 Millionen Euro schulden.

U‑Haft für Geschäftsführer

Die Staatsanwaltschaft München könnte sowohl für Markus Braun als auch den zweiten Geschäftsführer Jan Marsalek Haftbefehle ausstellen. Sie prüft alle in Betracht kommenden Straftaten, berichtet die „Süddeutsche Zeitung“ und beruft sich auf Insiderquellen. Auch Untersuchungshaft soll ein Thema sein, wenn Flucht- oder Verdunkelungsgefahr bestünde – möglicherweise aufgrund der österreichischen Staatsbürgerschaft der beiden Verdächtigen, so der gestrige Stand. Bei ausländischen Verdächtigen nahm die deutsche Justiz in der Vergangenheit oft an, sie könnten sich in ihr Heimatland absetzen und für die Strafverfolger unerreichbar sein. Diesem Verdacht folgend wurde Haftsbefehl erlassen und Braun stellte sich Montagabend und wird heute im Laufe des Tages der Ermittlungsrichterin vorgeführt, die über eine Haft entscheide. Auf Manipulation des Börsenkurses stehen in Deutschland bis zu fünf Jahre Haft, auf Fälschung der Bilanz bis zu drei Jahre.

Braun ist Zukunftsforscher bei „Think Austria“

Im Kurz-Think-Tank „Think Austria” gilt Markus Brown als „Futurologe”, sein Tätigkeitsbereich ist „Innovationsmanagement.“ So erklärte Schattenkanzlerin Mei-Pochtler im Jänner 2020 zur Neugründung der Denkfabrik, Markus Braun habe einen fundierten Blick für die Zukunft, weshalb er seine Expertise in diesem Bereich einbringen werde. „Daraus leiten wir Handlungsempfehlungen für die Regierung ab“, wird Mei-Pochtler zitiert.

Quelle: zackzack​.at/zackzack​.at/derstandard​.at

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