Start Feuilleton Geschichte Kommunistische Widerstandskämpferin Irma Schwager vor 100 Jahren geboren

Kommunistische Widerstandskämpferin Irma Schwager vor 100 Jahren geboren

Die Kommunistin und Widerstandskämpferin Irma Schwager wäre am 31. Mai 100 Jahre alt geworden. Sie verstarb am 22. Juni 2015 in Wien.

Wien. Erste politische Erfahrungen sammelte Irma Schwager bereits als Schülerin im austrofaschistischen Ständestaat. Nach der Machtergreifung der Nazis floh sie aus Wien, da sie aufgrund der faschistischen Rassengesetze wegen ihrer jüdischen Herkunft mit Verfolgung zu rechnen hatte.

Ihre erste Station im Exil war Belgien, wo sie erste Kontakte zur dortigen Auslandsorganisation der Kommunistischen Partei knüpfte. Nachdem die Nazis auch Belgien okkupierten, ging sie wie viele andere österreichische und deutsche Kommunisten nach Frankreich, wo sie im Lager Gurs interniert wurde. In diesem wurde sie 1940 Mitglied der illegalen KPÖ wurde. Sie konnte aus Gurs fliehen und schloss sich der Résistance, der französischen Widerstandsbewegung, an. Sie hatte falsche Papiere und war in der „Mädelarbeit“, einer extrem gefährlichen Tätigkeit, aktiv. Die „Mädel“ versuchten, Kontakte zu deutschen Wehrmachtssoldaten aufzubauen, und deren Vertrauen zu gewinnen, um sie in weiterer Folge von der Sinnlosigkeit und Verwerflichkeit der deutschen Vernichtungs- und Eroberungskriege zu überzeugen. Mehrere ihrer Mitstreiterinnen flogen auf und landeten im KZ oder wurden hingerichtet.

Nach dem Krieg kehrte sie mit ihrem Mann, dem Spanienkämpfer Zalel Schwager, nach Wien zurück. Erst in Wien erfuhr sie, dass ihre Eltern und zwei von ihren drei Brüdern von den Faschisten ermordet worden waren.

Ihr Mann hatte in der Nachkriegszeit wesentlichen Anteil am Aufbau einer demokratisch-antifaschistischen Polizei, Irma widmete sich der politischen Arbeit. Sie half beim Aufbau des Bundes demokratischer Frauen (BdF) mit, deren Vorsitzende sie 1952 wurde. Der BdF setzte sich vor allem für die Interessen der berufstätigen Frauen ein, hatte aber auch am Kampf für die Reform des Familien- und Scheidungsrechts sowie für die „Fristenlösung“ entscheidenden Anteil. Auch in der Friedensbewegung der 1980er Jahre war Irma Schwager sehr aktiv, ebenso war ihr Zeit ihres Lebens der Kampf gegen alte und neue Faschisten ein Herzensanliegen. Anlässlich der Aufführung der Mauthausen-Kantate von Mikis Theodorakis auf dem Gelände des ehemaligen KZ Mauthausen in den 1980er Jahren, wo der Komponist selbst dirigierte und Maria Farantouri sang, hielt Irma Schwager eine vielbeachtete Rede.

Von 1954 bis 1990 gehörte Irma Schwager dem Zentralkomitee und von 1980 bis 1990 dem Politischen Büro des Zentralkomitees der KPÖ an. Sie war Präsidentin und später Ehrenpräsidentin der Gesellschaft Österreich-Vietnam, die KPÖ machte sie 2011 zur Ehrenvorsitzenden der Partei.

Ihr in London lebender Enkelsohn, der Musiker Robert Rotifer, brachte 2016 das Album Not Your Door heraus, mit dem er an seine Großmutter erinnert.

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