Start Weitere Ressorts Kommentar Computer-Debatte: Auf Bildungs-Stümperei ist auch in Krisenzeiten Verlass

Computer-Debatte: Auf Bildungs-Stümperei ist auch in Krisenzeiten Verlass

Von Stefan Walter

Wenn der Bildungserfolg in Zeiten von „Home-Schooling“ zu großen Teilen von der häuslichen Ausstattung sowie den Zeit- und Wissensressourcen der Eltern abhängig ist, bleibt ein erheblicher Teil der Schulpflichtigen auf der Strecke. Plötzlich dämmert es der Politik: Kinder, die eigentlich seit einem Monat digitalen Kontakt mit ihren Lehrerinnen und Lehrern halten müssen, sollten auch einen adäquaten Computer zu Hause haben.

Also kaufen und sammeln quer durch Österreich Elternvereine in Eigenregie Geräte für bedürftige Familien, das Land Vorarlberg bittet die Bevölkerung um alte Computer und Laptops und auch das Bildungsministerium erhebt in Onlineformularen Hardwarespenden und ‑bedarf. Aber so richtig zuständig fühlt sich die Bundesregierung für die Pflichtschulen, die ja Ländersache sind, nicht. Sonst müsste sie noch etwas bezahlen!

Je unkoordinierter, desto teurer

Denn selbst bei gespendeten Geräten kosten notwendige Software-Lizenzen, Transport und Reparatur erhebliche Summen (allein Vorarlberg veranschlagt 200.000 € für etwa 1.000 Geräte) – je unkoordinierter die Beschaffungen erfolgen, und das tun sie zweifellos, desto teurer wird es. Ganz abgesehen davon, dass die Schulen längst wieder offen sein werden, bis alle Computer gesammelt, geprüft, mit nötigen Programmen bespielt und von wichtigtuenden Regionalpolitikern in großer, öffentlicher Geste überreicht werden.

Noch einmal zur Erinnerung: Vor über einem Monat, am 11. März, gab die Politik bekannt, dass Schulen bis auf einen Notbetrieb geschlossen bleiben. Zwei Wochen später wurde eine Umfrage der Organisation „Teach for Austria“ publik, wonach 20 Prozent der Schülerinnen und Schüler an Pflichtschulen derzeit nicht zu erreichen sind. Seitens des Bildungsministeriums gab und gibt es wenig überraschend keine konkreten Zahlen dazu.

Und noch einmal fast drei Wochen später beginnen Bund und Länder in der Frage von dringend benötigten Computern für Schülerinnen und Schüler, über Kompetenzen und Finanzierung zu streiten. Zusammengefasst: Nach fünf Wochen Untätigkeit beginnen Bundes- und Länderverantwortliche, ein für jede und jeden längst absehbares (und keinesfalls neues) Problem auf dilettantische Weise anzugehen. Der Nutzen wird sich im Gegensatz zu den Kosten in engen Grenzen halten. Auf die Stümperei der Verantwortlichen in Bildungsangelegenheiten ist eben auch in Zeiten der Krise Verlass…

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