Start Schwerpunkt 75 Jahre Befreiung Junge Kommunisten im Widerstand gegen Hitler

Junge Kommunisten im Widerstand gegen Hitler

Im 75. Jahr der Befreiung vom deutschen Faschismus ignoriert die bürgerliche Geschichtsschreibung den politischen Widerstand gegen Hitler-Deutschland weitestgehend. Ein Grund dafür ist die Tatsache, dass der unermüdliche und opferreiche Kampf für ein freies und demokratisches Österreich hauptsächlich von Kommunistinnen und Kommunisten getragen wurde. Sie leisteten jenen „eigenen Beitrag“ zur Befreiung, der später in der Moskauer Deklaration der Grundstein für die Souveränität Österreichs sein sollte. Gerade weil die Herrschenden diese historische Wahrheit nur zu gerne verleugnen, wollen wir uns im folgenden Beitrag mit dem illegalen Widerstand des Kommunistischen Jugendverbandes (KJVÖ) auseinanderzusetzen.

Das Ende der legalen Jugendarbeit im Austrofaschismus

Die legale Jugendarbeit des Kommunistischen Jugendverbandes (KJVÖ) endete bereits lange vor dem Einmarsch der Truppen Nazi-Deutschlands in Österreich und der Okkupation durch den deutschen Faschismus. Denn bereits im September 1931 wurde der „Verband der Proletarierjugend Österreichs“, wie der KJV offiziell im Vereinsregister hieß, von den austrofaschistischen Behörden aufgelöst. Bis 1933 konnte der KJV unter halblegalen Bedingungen weiterarbeiten. Die Jungkommunistinnen und ‑kommunisten versuchten deshalb in den darauffolgenden Jahren alle legalen Möglichkeiten auszunutzen, sich politisch weiter zu betätigen. So gingen KJVler insbesondere in die legalen Verbände des Austrofaschismus, um dort ihre politischen Ziele verfolgen zu können. Das Anliegen der jungen Kommunistinnen und Kommunisten war es, ihre Inhalte auch unter den Bedingungen der Illegalität an möglichst breite Teile der Arbeiterjugend heranzutragen. Trotz aller Vorsichtsmaßnahmen und der geschilderten Konspiration wurde der Kommunistische Jugendverband im Jahr 1934 von einer Verhaftungswelle massiv getroffen. Das machte einen Neuaufbau der Organisationen nötig. Doch hinderte dies die jungen Kommunistinnen und Kommunisten nicht daran, sich aktiv in den Februarkämpfen einzubringen, Solidarität mit der jungen Sowjetunion und dem spanischen Freiheitskampf zu üben oder sich dem Kampf gegen die stetige Bedrohung der Unabhängigkeit Österreichs und des Friedens zu widmen. Die Frage der österreichischen Nation und die Erhaltung der Eigenstaatlichkeit wurde insbesondere nach dem Juliabkommen ´36 zwischen Hitler und dem austrofaschistischen Kanzler Schuschnigg zur wichtigsten Kampfaufgabe des Jugendverbandes, da sich der Anschluss an das faschistische Deutschland mehr und mehr abzuzeichnen begann. Die Entwicklung des KJV war zu dieser Zeit der der KPÖ sehr ähnlich, von einer zunächst mitgliederschwachen Organisation konnte der Einfluss auf die Arbeiterjugend immer weiter ausgebaut werden. Zahlreiche Übertritte aus den sozialdemokratischen Jugendorganisationen taten hierzu ihr übriges.

Der Widerstand gegen die NSDAP und für Österreichs Freiheit

In der Nacht auf den 12. März 1938 übernahmen die deutsch-faschistische Wehrmacht und die SS das Kommando in Österreich, der österreichische Staat wurde in das Deutsche Reich der Nazis eingegliedert und verschwand fortan von der Landkarte. Während große Teile der österreichischen Bevölkerung die Okkupation Österreichs durch Nazi-Deutschland mit Jubel begrüßte, verschärfte sich die Repression und Verfolgung oppositioneller Kräfte, insbesondere die der organisierten Arbeiterbewegung, massiv. Der Terror gegen die revolutionären Kräfte war unter den Nazis ungleich brutaler als unter dem austrofaschistischen Ständestaat. Nur wenige Monate nach der Machtergreifung der NSDAP kam es im Herbst 1938 zu einer weiteren großen Verhaftungswelle, der sich nur wenige Mitglieder des Kommunistischen Jugendverbandes entziehen konnten. Doch während die Revolutionären Sozialisten wie auch die Revolutionäre Sozialistische Jugend ihre Arbeit offiziell einstellten, gelang es dem KJV seine Tätigkeit unter den veränderten Bedingungen wieder aufzunehmen. Neue, den Behörden noch nicht bekannte Personen begannen neue Organisationsstrukturen zu schaffen und eine Dezentralisierung durchzuführen. Es setzte sich die von KPÖ und KJV propagierte Losung „Du bist die Partei“ durch. Damit sollte ausgedrückt werden, dass nicht mehr die Organisation des Verbandes den Kampf gegen den Faschismus initiierte und koordinierte, sondern all jene Genossen, die sich zu den Prinzipien und Zielen der Organisation bekannten, die Hauptlast des antifaschistischen Widerstands, seiner Umsetzung und Durchführung zu tragen hatten. Wie zuvor im Austrofaschismus versuchte man auch in den legalen Massenorganisationen der Nazis zu wirken, einen großen Stellenwert nahm aber auch die Sabotage der Rüstungsproduktion und der Widerstand innerhalb der Wehrmacht und in den Konzentrationslagern ein.

„Die wichtigste Aufgabe des KJV und aller Antihitlerischen Jugendorganisationen und Gruppen besteht gegenwärtig in einer breiten und gründlichen Aufklärungsarbeit über den kapitalistischen und räuberischen Charakter der Fremdherrschaft des deutschen Faschismus, bei beharrlicher, tagtäglicher Entlarvung seiner Demagogie“, hieß es in den Richtlinien des Kommunistischen Jugendverbandes, die in einer Tarnschrift unter dem Titel „Glauben und Handeln“ verbreitet wurden.

Hatte, wie bereits erwähnt, die Frage der österreichischen Nation von Beginn an im antifaschistischen Widerstand der Kommunistinnen und Kommunisten einen zentralen Stellenwert, so nahm die Bedeutung der theoretischen Arbeiten von Alfred Klahr nach 1938 noch weiter zu. Denn der von der Kommunistischen Partei und des Jugendverbandes angeführte Kampf um „die Beseitigung der Fremdherrschaft und die Wiederherstellung eines freien und unabhängigen Österreich auf Grundlage der demokratischen Selbstbestimmung des Volkes hatte vor allem auch den Charakter eines nationalen Befreiungskampfes.“ (Historische Kommission 1981, S. 51).

Festzuhalten ist, dass sich die Repression des faschistischen Regimes mit dem Verlauf des Krieges verschärfte. War es in den Jahren 1938/39 noch möglich bei einer Betätigung für die Kommunistinnen und Kommuisten mit Haftstrafen belangt zu werden, war eine Bestrafung mit dem Tode mit Beginn des Krieges immer häufiger der Fall. Die Verschärfung der Repression bei einer Verhaftung führte auch zur Veränderung der Wahl der Mittel, um sich einer Verhaftung zu entziehen. So wurde der Widerstand mit der Waffe im Falle einer Verhaftung bis 1941 abgelehnt, ab 1944 gab es keine Diskussion mehr dieses Mittel zu ergreifen.

Der Kampf um den Frieden

Nach dem Beginn des mörderischen Feldzugs der faschistischen Wehrmacht gegen die Sowjetunion am 22. Juni 1941 wurde der Widerstand gegen den imperialistischen Krieg zentraler Bestandteil in der Agitation des Kommunistischen Jugendverbandes. Ein Beispiel hierfür ist die Gruppe „Soldatenrat“, welche eng verbunden war mit den Strukturen des illegalen KJV. Gemeinsam organisierten sie zahlreiche antifaschistische Schulungen primär für Soldaten. In ihren Reihen waren auch viele Frauen und Mädchen aktiv, die sich um die Aufrechterhaltung von Kontakten und die Versendung von Flugschriften kümmerten. So verschickte man tausende Feldpostbriefe an Soldaten an der Front und verfasste die Zeitung „Der Soldatenrat“, die später in den Anklageschriften der Nazis als „Wehrmachtszersetzungsschrift“ betitelt wurde. Ihre Tätigkeit beschränkte sich allerdings nicht nur auf Aufklärungs‑, Schulungs- und Vernetzungsarbeit, sondern wurden auch vereinzelte, punktuelle Sabotageakte in der Wehrmacht geplant und durchgeführt. Die Tätigkeit der Gruppe begann im ersten Kriegsjahr und erreichte ihren Höhepunkt mit Beginn des Krieges gegen die Sowjetunion. Obwohl die Gestapo und die NS-Justiz den harten Kern der Gruppe spätestens im Sommer 1943 zerschlagen hatte, hielten Kleingruppen und Einzelkämpfer die Aktivitäten im Rahmen ihrer Möglichkeiten aufrecht. So wurde auch die gerade einmal 19-jährige Anny Gräf auf dem Schafott ermordet. Ein Schicksal, das auch viele jener KJV-Genossinnen und Genossen ereilen sollte, die im Auftrag des Kommunistischen Jugendverbandes in den staatlichen und Parteiorganisationen gegen die Nazis tätig wurden. So wurde auch das KJV-Mitglied Franz Reingruber hingerichtet. Er hatte es innerhalb seiner Grundeinheit in der Hitler Jugend bis zum Schulungsleiter gebracht und konnte sich dadurch derart großes Ansehen erarbeiten, dass nach seiner Verhaftung die gesamte HJ-Gruppe durch die NSDAP aufgelöst werden musste, da sich viele oppositionelle Kräfte auf die Seite Reingrubers stellten.

Die Zeit der „zweiten Leitung“ des KJV sollte im Sommer 1942 mit einem neuerlichen Schlag der Gestapo gegen diesen Personenkreis enden. Rund 100 Jugendliche wurden bei dieser Verhaftungswelle festgenommen.

Kriegsende und Befreiung

Erst gegen Kriegsende konnten wieder breitere Organisationsstrukturen des Kommunistischen Jugendverbandes aufgebaut werden. So beispielsweise die Gruppe „KJV Wien 44“, die im Jahr 1944 von KJV-Mitgliedern, die dem Nazi-Terror noch nicht zum Opfer gefallen waren, im Untergrund gegründet wurde. Unter höchster Konspiration bereiteten sich die Genossinnen und Genossen auf den „Endkampf“ in Wien vor. Insbesondere in den Westbezirken Wiens konnte damit ein nicht unbedeutender Beitrag zur Befreiung der Stadt geleistet werden. Dass der 16. Bezirk das Kriegsende 1945 beinahe unversehrt überstand, dürfte insbesondere an Sanitätsoffizier Heini Klein gelegen haben, der als KJV-Mitglied eine groß angelegte Entwaffnung der verbliebenen Wehrmachtssoldaten organisierte. „Wir hatten keine Gewehre, die Soldaten aber schon“, sollte sich später Helene Neuhaus erinnern, die ebenso wie Klein im KJV 44 aktiv war, „man entscheidet sich für das kleinere Übel. Wenn man vor der Wahl steht, ob man von Bomben getötet oder von Soldaten erschossen wird, versucht man zumindest, etwas zu tun, um die Kämpfe zu beenden.“ Obwohl für Personen, die sich „anrüchig“ verhielten, der Schießbefehl galt, verlief die vom Kommunistischen Jugendverband organisierte Entwaffnungsaktion am 7. April 1945 gewaltfrei.

Auch in den Reihen der Partisaninnen und Partisanen kämpften zahlreiche KJV-Mitglieder gegen den deutschen Faschismus. Wenngleich der bewaffnete Partisanenkampf in Österreich nicht das Ausmaß wie in anderen Ländern erreichen konnte, war der Widerstandskampf dennoch so stark, dass er vor allem in den letzten Kriegsmonaten Teile der NS-Wehrmacht band und ihren Einsatz an der Front verhinderte.

Niemals vergessen!

Für die jungen Kommunistinnen und Kommunisten in den Reihen des KJV war es die moralische und humanistische Pflicht, sich den widrigen Bedingungen von Faschismus, Folter und Verfolgung entgegenzustellen. Sie führten einen Kampf um Frieden und viele von ihnen mussten ihr Leben für ein demokratisches und freies Österreich lassen. Sie zählten zu den tapfersten und mutigsten Teilen der Arbeiterbewegung. Und sie standen für eine Welt ohne Unterdrückung, Ausbeutung und Krieg. Im Gegensatz zu den bürgerlichen Geschichtsschreibern wollen wir ihren unersetzlichen und opferreichen Beitrag zur Befreiung Österreichs von Faschismus und Krieg niemals vergessen. Ihren Henkern und Mördern werden wir hingegen niemals vergeben. Das ist das Mindeste.

Quellen:

Eduard Rabofsky, Über das Wesen der „Gruppe Soldatenrat“. Erinnerungen und Einschätzungen, in: Helmut Konrad/Wolfgang Neugebauer (Hrsg.), Arbeiterbewegung-Faschismus-Nationalbewusstsein. Festschrift zum 20jährigen Bestand des Dokumentationsarchivs des österreichischen Widerstandes und zum 60. Geburtstag von Herbert Steiner, Wien 1983.

Historische Kommission des ZK der KPÖ (Hrsg.), Beiträge zur Geschichte der Kommunistischen Jugendbewegung in Österreich, erschienen anlässlich des III. Bundeskongress der Kommunistischen Jugend Österreichs (KJÖ), 1981.

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