Start Schwerpunkt 75 Jahre Befreiung Aus Briefen und Gedichten kommunistischer Widerstandskämpfer

Aus Briefen und Gedichten kommunistischer Widerstandskämpfer

Etwa 2000 österreichische Kommunistinnen und Kommunisten fielen im Kampf gegen den Hitlerfaschismus. Der organisierte österreichische Widerstand gegen den Nationalsozialismus wurde zu vier Fünftel von den Kommunisten getragen. Umso erbärmlicher ist, dass auch in diesen Tagen, wo der Sieg über das NS-Regime sich zum 75. mal jährt, der kommunistische Widerstand in den bürgerlichen Medien so gut wie gar nicht vorkommt. Wir wollen hier einige Persönlichkeiten vorstellen, die exemplarisch für diesen Widerstand stehen, solche die überlebten und auch solche, die von den Nazi-Schergen gefangen, gefoltert und hingerichtet wurden.

Die Kommunistinnen und Kommunisten nahmen den Untergrundkampf gegen das NS-Regime sofort nach dessen Machtergreifung auf, wenngleich viele von ihnen gleich der ersten Verhaftungswelle im März 1938 zum Opfer fielen. Sie bemühten sich – allen Rückschlägen und Verhaftungswellen zum Trotz – den Widerstand immer aufs Neue zu organisieren, ihn zu einem nationalen Freiheitskampf zu machen. Ihre Bemühungen, den Widerstand auf eine breite Basis zu stellen, auch andere weltanschauliche Gruppen in den Kampf einzubeziehen, waren nur teilweise erfolgreich, vor allem gelang es in den Konzentrationslagern und in einzelnen Widerstandsgruppen. Sie waren für alle anderen immer ein leuchtendes Vorbild an Einsatz, Kameradschaftlichkeit und Verlässlichkeit.

Blutzeugen hatte diese Zeit,
die sich aufbäumten und nicht beugten,
die kampfgeweiht und todbereit
für das geliebte Leben zeugten.

Und Österreich war ihre Losung,
ihr glaube: Freiheit, Vaterland.
Sie kannten Lieder und Liebkosung,
doch ihr Beruf war: Widerstand.

Als 'Deserteure', 'Saboteure'
verfolgte sie der braune Vogt.
Noch in der Hölle der Verhöre
blieben sie standhaft und verstockt.

Jünglinge, Männer, zarte Frauen
wurden zu Helden über Nacht,
und selbst das bittre Todesgrauen
hat ihren Mut nicht klein gemacht.

Seid ihr nun wach und gut geworben,
dem Werk der Freiheit Recht zu tun,
so sind sie nicht umsonst gestorben
und dürfen in Erfüllung ruhn.

Hugo Huppert, Unseren toten Freiheitskämpfern. Zum zehnten Gedenktag des 11. März 1938

Hedy Urach (1910−1943)

Hedy Urach stammte aus Wien-Hietzing und gehörte seit 1922 dem KJV und der KPÖ ab 1927 an, sie arbeitete am Aufbau einer kommunistischen Betriebszelle und der Organisation eines Streiks in einer Wiener Schuhfabrik mit, war bereits aktiv im illegalen Kampf gegen den Austrofaschimus, besuchte die einjährige Lenin-Schule in Moskau. Sie verbrachte nach dem Einmarsch der Nazis in Österreich zwei Jahr im belgischen Exil, bevor sie 1940 wieder nach Österreich zurückkehrte. Sie gehörte der dritten Inlandsleitung der KPÖ an und wurde schließlich 1941 verhaftet und am 17. Mai 1943 im Wiener Landesgericht hingerichtet.

Ein Abschiedsbrief Hedy Urachs, der erst 1949 aufgetaucht ist, wurde im selben Jahr im Funktionärsorgan der KPÖ abgedruckt:

„Seid nicht traurig, es ist nur ein Soldat der gerechten Sache abberufen worden“, tröstete Hedy ihre Eltern. „Meine Liebe gehört Euch, Euch und der Arbeiterklasse, dessen Kind ich mit heißem Herzen bin, ein Teil von jener wundervollen Schichte des Volkes, von dem alles Leben kommt. […] Meine ganze Liebe für Großvater [gemeint ist die Partei, Anm.], mein ganzes Leben für ihn [sie], das ist mein letzter Gruß an ihn [sie]. Ich glaube, daß er [sie] auf mich stolz sein kann, daß ich ihn [sie] nicht enttäuscht habe, denn was ich fähig war, habe ich für sein [ihr] Leben eingesetzt“, resümierte Hedy Urach ihren Kampf für den Sozialismus im Rahmen der Kommunistischen Partei. „Jede Zeile, jedes Wort in diesem Abschiedsbrief ist ein Triumph der mutigen Kämpferin über ihre Mörder, ist ein Triumph unserer Idee über die Reaktion“, kommentierte die Redaktion dieses letzte Zeugnis Urachs: „Bescheiden und klug, temperamentvoll und für die Sache des Kommunismus ganz ergeben – war Hedy Urach.“

1949 wurde im 13. Wiener Gemeindebezirk eine Gasse nach der Widerstandskämpferin benannt. Zum Gedenken an sie und drei von den Nazi-Faschisten hingerichtete Straßenbahner wurde 1947 auf dem Gelände des Straßenbahn-Betriebsbahnhofs Speising ein Denkmal errichtet.

Josef (Sepp) Teufl (1904−1945)

1904 in Wien geboren, absolvierte Teufl von 1919 bis 1922 in der Lokomotivfabrik Krauss in Linz eine Lehre als Schlosser. Von 1926 bis 1929 arbeitete Teufl in den Steyr-Werken, wo er sich der revolutionären Arbeiterbewegung annäherte. 1929 wurde Teufl schließlich Mitglied der KPÖ. Im selben Jahr wechselte Sepp Teufl als Maschinenschlosser in die Linzer Tabakfabrik, und wurde dort zum Betriebsrat gewählt. Nach dem Verbot der KPÖ 1933 wurde Teufl zu deren Landesobmann gewählt. Er nahm aktiv an den Februarkämpfen 1934 teil und war bereits unter den Austrofaschisten mehrmals inhaftiert, auch im Anhaltelager Wöllersdorf. Die NSDAP versuchte vergeblich, den bekannten Arbeiterführer Teufl auf ihre Seite zu ziehen. Teufl richtete eine illegale Druckerei ein, verfasste und erzeugte selbst Flugblätter und war ab 1940 Vorsitzender der neuen Landesleitung der KPOÖ. Im September 1944 wurde er nach dem Verrat durch einen Spitzel verhaftet und mit 100 anderen Antifaschisten in das KZ Mauthausen gebracht. Als die baldige Ankunft der Alliierten selbst für die fanatischsten Nationalsozialisten absehbar war, ließ Gauleiter Eigruber durch einen persönlichen Befehl die oberösterreichischen Antifaschisten ermorden. Die alliierten Truppen sollten „keine aufbauwilligen Kräfte“ vorfinden. In der Nacht vom 28. auf den 29. April 1945 wurden 42 oberösterreichische Kommunisten und Antifaschisten in der Gaskammer von Mauthausen ermordet – unter ihnen Sepp Teufl.

Noch am 30. März 1945 schrieb Sepp Teufl in seinem letzten aus dem KZ Mauthausen geschmuggelten Kassiber:

„Wenn die Ereignisse so forteilen wie gerade jetzt, so hoffe ich auf ein recht, recht baldiges Wiedersehen. Wir alle befinden uns hier in Höchstspannung und jeder malt schon die nahe Zukunft in den rosigsten Farben. Meine Rechnung geht jetzt bis 1. Mai.“

Noch 1945 wurde in Linz eine Straße in Linz-Bindermichl nach Sepp Teufl benannt. An der Tabakfabrik erinnert eine Gedenktafel an Sepp Teufl und 4 weitere Arbeiter der Tabakfabrik – Rudolf Kühberger, Heinrich Obermayr, Hugo Müller und Anton Schmelensky, die im Kampf gegen den Faschismus ihr Leben gaben.

Richard Zach (1919−1943)

Richard Zach besuchte die Bundeslehrerbildungsanstalt in Graz. Die Februarkämpfe politisierten ihn, brachten ihn zu kommunistischen Jugendgruppen, in denen marxistisch-leninistisches Grundlagenwissen vermittelt wurde. Zach setzte seine politische Aktivität nach 1938 fort und wurde, nachdem er kurz als Lehrer tätig sein konnte, zur Wehrmacht eingezogen. Anfang 1941 war Zach wieder Lehrer in Graz und setzte seine Widerstandstätigkeit fort, der von ihm geleiteten Widerstandsgruppe junger Kommunisten gehörte auch der spätere langjährige KPÖ-Vorsitzende Franz Muhri an. Seine Gruppe verfertigte Streuzettel und die Zeitung „Der rote Stoßtrupp“ sowie Schulungsschriften. Am 31.10.1941 wurde er verhaftet und von einem Militärgericht in Berlin am 18.8.1942 wegen „Wehrkraftzersetzung“ zum Tode verurteilt und in Berlin-Brandenburg hingerichtet. Zach, der bereits als Schüler Gedichte verfaßte, schuf Dutzende weitere während seiner Haftzeit. Bereits 1945 brachte der Grazer Parteiverlag (Grazer Volksverlag) die ersten Gedichte von ihm in einer Anthologie („Bekenntnisse zu Österreich. Moderne Arbeiterlyrik) heraus. Erst 1979 erschienen seine „Zellengedichte“ und bewirkten eine Rückerinnerung an diesen kommunistischen Widerstandskämpfer und Lyriker. 1989 erschien in den von der Historischen Kommission beim ZK der KPÖ herausgegebenen „Biografischen Texten zur Geschichte der österreichischen Arbeiterbewegung“ als dritter Band „Gelebt habe ich doch. Richard Zach“ von Christian Hawle.

Aus dem Gedicht „Ich bin den anderen Weg gegangen“:

Die Möglichkeit stand häufig offen,
sich wirklich weich und gut zu betten,
den eignen schönen Kopf zu retten
und auf Beförderungen zu hoffen.

Ich bin den andern Weg gegangen!
Verzeiht - es tut mir gar nicht leid.
Obwohl es elend steht zur Zeit,
wird keiner um sein Leben bangen,

der weiß, wozu er es verwendet,
bedachte, was sein Glauben wiegt.
Er hat am Ende doch gesiegt,
und wenn er auf der Richtstatt endet.

Richard Zachs Name befindet sich heute am Internationalen Mahnmal auf dem Grazer Zentralfriedhof ebenso wie auf einer Gedenktafel im Stiegenhaus der ehemaligen Lehrerbildungsanstalt (heute: Pädagogische Hochschule) am Hasnerplatz in Graz. Im Jahre 1977 wurde das Kinderland-Junge-Garde-Heim in St. Radegund nach Richard Zach benannt, und ein kurzes Straßenstück in Graz-Andritz heißt heute Richard-Zach-Gasse.

Bruno Furch (1913−2000)

Furch absolvierte die Realschule und legte 1932 die Prüfung für das Lehramt an Volksschulen ab. Nach dem 12. Februar 1934 schloss er sich dem Kommunistischen Jugendverband an. Er wirkte aktiv an der Untergrundarbeit gegen die Austrofaschisten mit. Nach der Machtergreifung der Nazis verliess er im März 1938 Österreich und schloss sich den Internationalen Brigaden zur Verteidigung der spanischen Republik an. Nach deren Fall wurde er wie viele andere Spanienkämpfer in französischen Lagern interniert und schließlich 1941 in das KZ Dachau eingeliefert. 1944 wurde Furch in das KZ Flossenbürg überstellt, wo er nach seinen Worten die tiefste Stufe der menschlichen Existenz erlebte. Den Todesmarsch nach Dach überlebte er Ende April 1944 durch Flucht. Nach dem Krieg arbeitete er als Redakteur der kommunistischen Tageszeitung Volksstimme, wirkte in der Parteikrise in den Jahren 1968 bis 1970 gemeinsam mit Ernst Wimmer und anderen als Redakteur am Parteiorgan Neue Politik mit. 1970 wurde er ins ZK der KPÖ und zum stellvertretenden Chefredakteur der Volksstimme gewählt. Ab 1976 gehörte er der Rddaktion der internationalen kommunistischen Zeitschrift Probleme des Friedens und Sozialismus an. Furch schrieb Zeit seines Lebens Lyrik und Prosa und schuf auch zahlreiche Zeichnungen, auch in den KZs Dachau und Flössenburg. Das folgende Gedicht verfasste er im Jänner 1945 im KZ Flossenbürg:

Hebet das Haupt!

Aus eurer Not hebet das Haupt!
Seht, wie die Erde voll Glut euer harrt!
Was ihr erträumt, was ihr geglaubt,
Seht, wie aus ihr es sich nun offenbart!

Sie hat in Nächten, die ihr gewacht,
Alle Gerechten zu Brüdern gemacht.
Zweifelndem Zagen seid nun entronnen,
Wissendes Wagen sei euch gewonnen,
Friede der Heimat bringt sich euch dar,
Euch und den Brüdern zum ewigen Bewahr!

Aus eurer Not hebet das Haupt!

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