Start Schwer­punkt 75 Jah­re Befrei­ung KZ Maut­hau­sen – Ter­ror, Lager­wi­der­stand und Befrei­ung

KZ Mauthausen – Terror, Lagerwiderstand und Befreiung

DDas KZ Maut­hau­sen mit sei­nen Außen­la­gern war eines der Tötungs- und Arbeits­la­ger der deut­schen Faschis­ten. Es wur­de unmit­tel­bar nach dem Anschluss erbaut, um Pro­fi­te durch Zwangs­ar­beit zu erwirt­schaf­ten. Der Ter­ror in Maut­hau­sen blieb jedoch nicht unbe­ant­wor­tet und es orga­ni­sier­te sich im Haupt- und in den Neben­la­gern Wider­stand, der durch Kom­mu­nis­ten gelei­tet wur­de und bis zur Befrei­ung erstark­te.

Ober­ös­ter­reich. Unmit­tel­bar nach­dem Öster­reich durch den deut­schen Faschis­mus annek­tiert wur­de, began­nen die Nazis das KZ Maut­hau­sen zu errich­ten. Im März 1938 erfolg­te der Ein­marsch und am 29. April über­nahm der SS-Kon­­zern „Deut­sche Erd- und Stein­­wer­­ke-GmbH“ das Gebiet in Maut­hau­sen und begann im sel­ben Monat mit der Errich­tung des Kon­zen­tra­ti­ons­la­gers. Es soll­te eines der Zen­tren ihrer Kriegs­in­dus­trie wer­den. „Die Her­ren von Koh­le und Stahl lie­ßen hier mäch­ti­ge Pro­duk­ti­ons­ba­sen aus dem Boden stamp­fen, Rüs­tungs­be­trie­be, erbaut von Häft­lin­gen, die des­halb Gefan­ge­ne waren, weil sie sich gegen den Raub­krieg wen­de­ten.“ (S. 6) Zum Bau wur­den Häft­lin­ge aus dem KZ Dach­au nach Ober­ös­ter­reich gebracht.

1945 umfass­te die Lager­ver­wal­tung von Maut­hau­sen und sei­nen Außen­la­gern knapp 10.000 Mann, die die Aus­beu­tung und Ermor­dung sicher­stell­ten. Inhaf­tiert wur­den „alle Per­so­nen, die Geg­ner der Hil­ter­re­gie­rung waren oder in irgend­ei­ner Wei­se den nazis­ti­schen Behör­den unlieb­sam erschie­nen, mit oder ohne Pro­zeß.“ (S. 23) Die Zah­len der Opfer, die in Maut­hau­sen waren, ist nicht voll­stän­dig nach­voll­zieh­bar, aber etwa 90.000−100.000 der 200.000 Inhaf­tier­ten wur­den gemäß der Buch­hal­tung des Todes hier ermor­det. Die­se kamen aus vie­len Län­dern, die größ­te Opfer­grup­pe bil­de­ten in Maut­hau­sen die Polen. „Der Häft­ling in Maut­hau­sen war sich nie, ganz gleich wo er sich befand, sei­nes Lebens völ­lig sicher. Blitz­schnell und völ­lig uner­war­tet konn­te ihn der Tod erei­len, konn­te irgend­ein SS-Mann ihn tot­schla­gen, erschie­ßen, tot­fol­tern, absprit­zen oder von Hun­den zer­rei­ßen las­sen.“ (S. 85) Spe­zi­ell in Maut­hau­sen ist das soge­nann­te Fall­schirm­sprin­gen als Mord­me­tho­de bekannt, wo Häft­lin­ge, die im „Wie­ner Gra­ben“ arbei­te­ten und die bis zu 50 kg schwe­re Stei­ne die Todes­stie­ge hin­auf­hie­ven muss­ten, in eben die­sen Gra­ben geschubst wur­den und ihre Kör­per beim Auf­prall zer­bers­te­ten. Den Höhe­punkt des Mas­sen­mor­des erreich­te Maut­hau­sen kurz vor der end­gül­ti­gen mili­tä­ri­schen Nie­der­la­ge des deut­schen Faschis­mus. Die letz­te Ver­ga­sungs­ak­ti­on fand noch Ende April 1945 statt, hier wur­den gezielt Kom­muns­ten umge­bracht, um ihre poli­ti­sche Tätig­keit nach Kriegs­en­de zu ver­hin­dern.

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Todes­stie­ge in den Wie­ner Gra­ben.

Widerstand im Lager

Den Wider­stand im KZ Maut­hau­sen führ­ten Kom­mu­nis­ten aus fast allen euro­päi­schen Län­dern an. „Über natio­na­le, ras­si­sche und poli­ti­sche Vor­ur­tei­le hin­weg reich­ten sie sich die Hän­de. Hun­gernd teil­ten sie das letz­te Stück­chen Brot, ster­bend, wie Leo Gab­ler, ein Wie­ner Kom­mu­nist, spra­chen sie den ande­ren Mut zu. Sie hiel­ten fest zusam­men und übten auch unter den schwie­rigs­ten Bedin­gun­gen Soli­da­ri­tät.“ (S. 103) Es gab ille­ga­le Wider­stands­grup­pen in den Haupt- und Neben­la­gern, die mit ihrer Tätig­keit täg­lich ihr Leben ris­kier­ten, denn selbst Gesprä­che über Poli­tik, jede Art einer orga­ni­sier­ten Soli­da­ri­tät wur­den mit dem Tode bestraft.

In „Akten­ver­merk R.u.“ stel­len die Autoren 3 Etap­pen des Wider­stan­des in Maut­hau­sen „bis zum Hin­über­wach­sen in den mili­tä­ri­schen Befrei­ungs­kampf“ vor:

1. Etap­pe: Das Suchen nach Gleich­ge­sinn­ten – die gegen­sei­ti­ge kame­rad­schaft­li­che Hil­fe, die Bil­dung von klei­nen und kleins­ten Grup­pen mit dem Ziel, durch­zu­hal­ten und dem Ter­ror zu Wie­der­ste­hen.

2. Etap­pe: Die For­mie­rung der Par­tei­grup­pen der ein­zel­nen Natio­nen – die Her­aus­bil­dung des orga­ni­sier­ten Wider­stands.

3. Etap­pe: Die Bil­dung der inter­na­tio­na­len Wider­stands­or­ga­ni­sa­ti­on – die Ver­drän­gung der Kri­mi­nel­len auf den Häft­lings­funk­tio­nen und die Vor­be­rei­tung des mili­tä­ri­schen Kamp­fes.“ (S. 105)

Die letz­te Etap­pe wur­de durch die mili­tä­ri­schen Erfol­ge der Sowjet­uni­on begüns­tigt. Sie ist durch den „Zusam­men­bruch der Offen­siv­stra­te­gie des faschis­ti­schen Blocks“ geprägt. „Das 1943 gegrün­de­te Häft­lings­ko­mi­tee wur­de erwei­tert und Häft­lings­ver­tre­ter fast aller in Maut­hau­sen befind­li­cher Natio­nen auf­ge­nom­men.“ In nahe­zu allen Blocks und Arbei­ter­kom­man­dos des Haupt- und der Neben­la­ger gab es im Mai 1944 Wider­stands­grup­pen. Hier nah­men deut­sche und öster­rei­chi­sche Häft­lin­ge viel­fach bedeu­ten­de Rol­len ein, da die­se bereits vor dem Krieg viel­fach der orga­ni­sier­ten Arbei­ter­schaft ange­hör­ten und demen­spre­chend im Klas­sen­kampf geübt waren und ein kla­res Ziel vor Augen hat­ten. Franz Dah­lem hielt fest: „Das Sie­ges­be­wusst­sein hat die Kom­mu­nis­ten und Anti­fa­schis­ten auf­recht­erhal­ten, wäh­rend die­je­ni­gen, die ein sol­ches Sie­ges­be­wußt­sein nicht in sich tru­gen, jene waren, die dann gewöhn­lich erla­gen. Das war nicht nur in Maut­hau­sen so.“ (S. 106)

Das Inter­na­tio­na­le Maut­hau­se­ner Lager­ko­mi­tee wur­de zum poli­ti­schen und orga­ni­sa­to­ri­schen Zen­trum der anti­fa­schis­ti­schen Häft­lin­ge des Lagers. Hier waren erfah­ren­de Kame­ra­den tätig, die ver­läss­lich arbei­te­ten. Sie nah­men Ein­fluss auf den Wider­stand in den Neben­la­gern und es kam auch dort teil­wei­se zur Grün­dung von Komi­tees durch die Wider­stands­grup­pen, z.B. im Neben­la­ger Linz III. Die Losung „Infor­miert sein ist alles“ war hier zen­tral, und es wur­den Infor­ma­tio­nen vom Haupt- in die Neben­la­ger und umge­kehrt wei­ter­ge­ge­ben. Die­se bil­de­ten die Basis für die Stra­te­gie und Tak­tik der Wider­­stand-Komi­­tees.

Es bil­de­ten sich außer­dem ille­ga­le natio­na­le, kom­mu­nis­ti­sche Par­tei­or­ga­ni­sa­tio­nen her­aus. Die­se arbei­ten schnell und eng zusam­men, da sich vie­le füh­ren­de kom­mu­nis­ti­sche Häft­lin­ge bereits aus dem gemein­sa­men Wider­stands­kampf in Deutsch­land, Spa­ni­en, Frank­reich oder ande­rer Län­der kann­ten. Orga­ni­siert wur­de dies dann in Form einer Vie­rerlei­tung durch Sepp Kohl (KPÖ), Hoff­mann (KPTsch), Manu­el (KP Spa­ni­en) und Franz Dah­lem (KPD). Die­se Lei­tung orga­ni­sier­te und koor­di­nier­te hier­über die Arbeit im Wider­stand.

Lite­ra­tur­emp­feh­lung zur ver­tie­fen­den Lek­tü­re und Quel­len.

Formen des Widerstands

Soli­da­ri­tät war eine wich­ti­ge Form des Wider­stan­des und umfass­te Din­ge wie die Ver­sor­gung mit zusätz­li­chen Nah­rungs­mit­teln, Orga­ni­sie­rung zusätz­li­cher Kran­ken­hil­fe, Her­bei­füh­rung von Arbeits­er­leich­te­run­gen, die Betreu­ung von Neu­an­ge­kom­me­nen und das was als „Tote wei­ter­le­ben“ gemeint war. Dies bedeu­te­te, dass Häft­lin­gen, deren Ermor­dung kurz bevor­stand, Namen und Num­mern von kürz­lich Ver­stor­be­ner beka­men, deren Tod noch nicht gemel­det war.

Der orga­ni­sier­te Wider­stand fand in Form von Infor­ma­tio­nen aus der SS-Lager­­ver­­­wal­­tung statt. Das Bau­bü­ro über­mit­tel­te Nach­rich­ten über Codes auf Ver­mes­sungs­blät­ter, die unbe­hel­ligt mit ins Lager genom­men wer­den konn­ten. Auch in der Lager­tisch­le­rei und den Neben­la­gern gab es geziel­te Ver­net­zun­gen für den unauf­fäl­li­gen Aus­tausch von Infor­ma­ti­on und die Orga­ni­sa­ti­on des Wider­stan­des. „Die Wider­stands­or­ga­ni­sa­ti­on im Kon­zen­tra­ti­ons­la­ger Maut­hau­sen bedien­te sich des Sys­tems der Kon­tak­te und Ver­bin­dun­gen, um im Rah­men des Mög­li­chen [außer­dem] zu schu­len und anti­fa­schis­ti­sche Pro­pa­gan­da zu betrei­ben.“ (S. 138) Dies geschah in den ers­ten bei­den Pha­sen in den Blö­cken und wäh­rend der Arbeits­pau­sen. Dies half Wil­len und Geist zu stär­ken, ins­be­son­de­re den der Schwan­ken­den und weni­ger Gefes­tig­ten, die­se Auf­ga­be wur­de vor allem durch die Kom­mu­nis­ten getra­gen.

Neben die­sen inter­nen Net­zen war auch die Infor­ma­ti­on von außen zen­tral, damit sich die Lei­tung an der poli­ti­schen Lage in ihrem Han­deln ori­en­tie­ren konn­te. Die­se wur­de vor allem über Radi­os beschaf­fen, auf die man im Rah­men sei­ner Auf­ga­ben im KZ Zugriff erlan­gen konn­te. Außer­dem gab es War­nun­gen an die SS, die­se wur­den von Rudolf Pfütz­ner, der im Neben­la­ger Linz II war, an einer Schreib­ma­schi­ne im Revier geschrie­ben. Er warn­te bspw. im März und April 1945 die SS davor, nicht wei­ter Häft­lin­ge zu fol­tern und zu ermor­den, da die Alli­ier­ten sie nach dem Sieg hier­für zur Ver­ant­wor­tung zie­hen wür­den. In einem der Neben­la­ger gab es zudem Mas­sen­wi­der­stand.

„Bereits 1943 began­nen im KZ Maut­hau­sen unter der Füh­rung bewähr­ter Kom­mu­nis­ten aus Deutsch­land und ande­ren euro­päi­schen Län­dern die ers­ten Vor­be­rei­tun­gen für eine bewaff­ne­te Aus­ein­an­der­set­zung mit der SS.“ (S. 144) Dies geschah in Form einer mili­tä­ri­schen Orga­ni­sa­ti­on, die mit dem Zustrom an Häft­lin­gen bestän­dig wuchs und gemäß der Bedräng­nis­se der deut­schen Wehr­macht an der Ost­front an Ein­fluss gewann. Kom­man­deu­re und Sol­da­ten der Roten Armee nah­men hier eine wich­ti­ge Rol­le ein. „Ihnen zur Sei­te stan­den zahl­rei­che Offi­zie­re und Sol­da­ten der spa­ni­schen Volks­ar­mee, Inter­bri­ga­dis­ten und poli­ti­sche Funk­tio­nä­re aller Natio­nen, die sich im Wider­stands­kampf bewährt hat­ten.“ (S. 145) Ende 1944 / Anfang 1945 gab es schon zehn Kampf­grup­pen, eine öster­rei­chi­sche, drei sowje­ti­sche, zwei deut­sche, und je eine tsche­chi­sche, spa­ni­sche, jugo­sla­wi­sche und fran­­zö­­sisch-bel­­gi­­sche und spä­ter auch noch eine pol­ni­sche.

Die (Selbst-)Befreiung

Im April 1945 spitz­te sich die Lage zu. Von Pas­sau aus rück­ten US-Trup­­pen vor. Sie stan­den Ende April vor Linz. Im Osten hat­te die Rote Armee Wien bereits befreit und stand bei St. Pöl­ten. Maut­hau­sen war des­we­gen von sich zurück­zie­hen­den deut­schen Trup­pen­tei­len, dar­un­ter vie­len SS-Ein­hei­­ten, umge­ben.

Die Lage im KZ Maut­hau­sen war sehr wider­sprüch­lich, das Mor­den ging wei­ter. Noch am 28. April wur­de die Wel­ser Grup­pe und ande­re poli­ti­sche Häft­lin­ge in die Gas­kam­mer getrie­ben – obwohl bereits am 27. April die Unab­hän­gig­keit Öster­reichs erklärt wur­de. Gleich­zei­tig wur­den am Tag davor 700 Häft­lin­ge aus West­eu­ro­pa mit­hil­fe des Roten Kreu­zes in die Schweiz gebracht.

Nach der Ver­ga­sung der Wel­ser Grup­pe wur­de die Gas­kam­mer abmon­tiert, um die Ver­bre­chen zu ver­tu­schen.

Der Lager­kom­man­dant Zier­eis gab den Befehl aus, dass kein Häft­ling in Fein­des­hand fal­len dür­fe. In den Neben­la­gern wur­den die geh­un­fä­hi­gen Häft­lin­ge erschos­sen oder durch Herz­in­jek­tio­nen ermor­det, der Rest wur­de Rich­tung Haupt­la­ger in teil­wei­se mör­de­ri­schen Fuß­mär­schen ver­legt.

Mit­te März waren über 200 deut­sche und öster­rei­chi­sche Häft­lin­ge in SS-Uni­­for­­men gezwun­gen und an die Front befeh­ligt wor­den. Wenn­gleich es Stim­men gab, die das Tra­gen der SS-Uni­­for­­men ablehn­ten, war klar, dass dies der Tod für die 200 Mann wäre. Sie erhiel­ten statt­des­sen Pas­sier­schei­ne vom inter­na­tio­na­len Lager­ko­mi­tee auf Rus­sisch, damit sie sicher zur Roten Armee über­lau­fen konn­ten.

In die­ser Situa­ti­on muss­te das Lager­ko­mi­tee vie­le schwer­wie­gen­de Ent­schei­dun­gen tref­fen, es ging um das Schick­sal von Zehn­tau­sen­den Häft­lin­gen, 16.000 im Haupt­la­ger.

Im April setz­te sich das Lager­ko­mi­tee aus fol­gen­den Häft­lin­gen zusam­men:

  • Heinz Dür­may­er (Öster­reich)
  • Franz Dah­lem (Deutsch­land)
  • Leo­pold Hoff­mann (Tsche­cho­slo­wa­kei)
  • Ovi­lia­no Pajet­ta (Ita­li­en)
  • Andrej Piro­gow (Sowjet­uni­on)
  • Okta­ve Raba­te (Frank­reich)
  • Mamel Razo­la (Spa­ni­en)

Heinz Dür­may­er war Febru­ar­kämp­fer, Spa­ni­en­kämp­fer und Kom­mu­nist, er wur­de von Ausch­witz im Jän­ner 1945 nach Maut­hau­sen ver­legt.

Am 3. Mai 1945 wur­de der Lager­kom­man­dant Zier­eis abge­löst und als Kom­man­dant einer Abtei­lung der Wie­ner Feu­er­wehr ernannt. SS-Leu­­te setz­ten sich teils in Zivil­klei­dung ab.

Am 4. Mai 1945 ging eine Dele­ga­ti­on – Heinz Dür­may­er und Hans Maršá­lek – des Inter­na­tio­na­len Lager­ko­mi­tees zum neu­en Kom­man­dan­ten. Sie for­der­ten, dass die SS das Lager nicht mehr betre­ten dür­fe und dass die inne­re Ver­wal­tung an das Lager­ko­mi­tee über­ge­ben wird. An die­sem Tag über­nahm das Lager­ko­mi­tee die inne­re Ver­wal­tung des Haupt­la­gers sowie des Kran­ken­la­gers.

Bild der Befrei­ung von Maut­hau­sen

Die mili­tä­ri­schen Grup­pen des Lager­wi­der­stan­des lagen in ihren Aus­gangs­stel­lun­gen bereit. Am 5. Mai mit­tags hielt zuerst beim Kran­ken­la­ger ein US-Pan­­zer­­späh­­wa­­gen. Im glei­chen Moment wur­den die Tor­flü­gel von den Häft­lin­gen aus­ge­ris­sen und die Insas­sen ström­ten hin­aus. Der Späh­wa­gen näher­te sich dem Haupt­tor. Auf dem Turm des Lagers ent­fal­te­te sich eine Rote Fah­ne, am Über­gang hing ein Trans­pa­rent in spa­ni­scher Spra­che: „Die spa­ni­schen Anti­fa­schis­ten begrü­ßen die Trup­pen der Befrei­er!“. Das Lager­tor wur­de von den Häft­lin­gen gestürmt. Die Wach­pos­ten mach­ten sich auf die Flucht, wur­den ergrif­fen und in den Bun­ker gesperrt. Die Mili­tär­or­ga­ni­sa­ti­on über­nahm die inne­re und äuße­re Siche­rung des Lagers, die Waf­­fen- und Ver­sor­gungs­la­ger wur­den besetzt.

Der US-Späh­­wa­­gen erhielt den Befehl, wei­ter­zu­fah­ren, die Häft­lin­ge waren somit wie­der auf sich allei­ne gestellt.

Das Inter­na­tio­na­le Lager­ko­mi­tee ging nun zur offen­si­ven Ver­tei­di­gung des Lagers über. In der Umge­bung wim­mel­te es von zurück­wei­chen­den SS-Trup­­pen, die es fern­zu­hal­ten galt. Gleich­zei­tig war gebo­ten, die Häft­lin­ge zum Lager zurück­zu­brin­gen, da sie sonst leich­te Beu­te für die SS waren. Der öster­rei­chi­sche Häft­ling Oberst Kod­re über­nahm die Lei­tung im befrei­ten Lager, Major Piro­gow küm­mer­te sich um die Ver­tei­di­gung. Es wur­den zusätz­li­che Kampf­ein­hei­ten bewaff­net und los­ge­schickt, um alle mili­tä­risch wich­ti­gen Punk­te wie Brü­cken, Zufahrts­stra­ßen, Tele­gra­fen­äm­ter, Hafen­an­la­gen und das Tank­la­ger von Maut­hau­sen zu beset­zen. Ent­lang der Donau kam es an der Donau­brü­cke Maut­hau­sen mit SS-Ein­hei­­ten zu schwe­ren Gefech­ten, bei denen auch Häft­lin­ge im Kampf star­ben. Das Batail­lon unter dem Kom­man­do von Major Belos­jo­row befrei­te den Ort Maut­hau­sen sowie Ort­schaf­ten im Umfeld von den Faschis­ten.

Auch in den Neben­la­gern ent­wi­ckel­te sich die Situa­ti­on ähn­lich.

Nach der Befreiung

Am 7. Mai kam eine Ein­heit der US-Armee zum Haupt­la­ger. Zu die­sem Zeit­punkt hat­te das inter­na­tio­na­le Lager­ko­mi­tee die Lage bereits fest im Griff. Die ers­ten Befeh­le der Ein­heit lau­te­ten:

  • Abga­be sämt­li­cher Waf­fen
  • Unter­sa­gung jeder orga­ni­sier­ten poli­ti­schen Tätig­keit
  • Unter­brin­gung sowje­ti­scher Häft­lin­ge in „beson­de­ren“, durch Sta­chel­draht abge­grenz­te Bara­cken
  • Auf­lö­sung des Inter­na­tio­na­len Maut­hau­sen Lager­ko­mi­tees, mit der Begrün­dung die­se sei nicht reprä­sen­ta­tiv.

Die­se Befeh­le waren schon ein Vor­ge­schmack auf den Kal­ten Krieg. Der befehls­ha­ben­de US-Kom­­man­­dant mach­te aus sei­ner anti­kom­mu­nis­ti­schen Ein­stel­lung kei­ner­lei Hehl. Es gab US-Fron­t­­trup­­pen, die mit den Häft­lin­gen ehr­lich sym­pa­thi­sier­ten. Die­se wur­den nach kür­zes­ter Zeit abge­zo­gen und gegen poli­tisch anders aus­ge­rich­te­te Ein­hei­ten aus­ge­tauscht.

Das Lager­ko­mi­tee bemüh­te sich nichts­des­to­trotz die Rück­kehr der Häft­lin­ge in ihre Län­der zu orga­ni­sie­ren. Dies stieß teil­wei­se auf gro­ße Schwie­rig­kei­ten. Die sowje­ti­schen Häft­lin­ge ver­lie­ßen das Lager erst am 16. Mai 1945. Dem ging eine Inter­ven­ti­on des Ober­kom­man­dos der Roten Armee in Öster­reich vor­weg. Beglei­tet wur­den die Rot­ar­mis­ten von 35 deut­schen Kom­mu­nis­ten, die raus­ge­schmug­gelt wer­den konn­ten. Erst Anfang Juni 1945 konn­ten die deut­schen kom­mu­nis­ti­schen KZler, die in Ost­deutsch­land behei­ma­tet waren, nach erneu­ter Inter­ven­ti­on der Roten Armee das Lager ver­las­sen. Jene Kom­mu­nis­ten aus den Zonen der West-Alli­ier­­ten konn­ten erst mit der Über­nah­me des Lagers durch die Rote Armee end­lich heim­keh­ren.

Wört­li­che zitier­te Quel­le: Komi­tee der Anti­fa­schis­ti­schen Wider­stands­kämp­fer der Deut­schen Demo­kra­ti­schen Repu­blik (1978) Akten­ver­merk R.u. – Ein Bericht über die Soli­da­ri­tät und den Wider­stand im Kon­zen­tra­ti­ons­la­ger Maut­hau­sen von 1938 bis 1945. Mili­tär­ver­lag der Deut­schen Demo­kra­ti­schen Repu­blik.

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