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Home Feuilleton Geschichte

Vor 85 Jahren: Beginn des Spanischen Bürgerkrieges

17. Juli 2021
in Geschichte
Vor 85 Jahren: Beginn des Spanischen Bürgerkrieges

Am 17. Juli 1936 begann der Spanische Bürgerkrieg, in dessen Verlauf sich die Faschisten gegen die republikanischen und kommunistischen Kräfte durchsetzten.

Vorgeschichte: Vom königlichen Kolonialreich zur Republik

In der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts ist das gesamte – und natürlich riesige – spanische Kolonialreich am lateinamerikanischen Festland verloren gegangen, was naturgemäß den ökonomischen Abstieg Spaniens beförderte. Als Konsequenz musste schließlich auch Florida an die USA verkauft werden. Die spanische Krone – nach dem Wiener Kongress 1815 waren die Bourbonen wieder eingesetzt worden – konnte ihre absolutistische Macht kaum aufrechterhalten und kam im Laufe des 19. Jahrhunderts immer wieder von verschiedenen Seiten unter Druck: Der Großgrundbesitz und das Bürgertum forderten mehr politische Mitbestimmung, was in wiederholten Episoden von Grundgesetzen und Vertretungskörpern mündete, innerdynastische Thronstreitigkeiten nahmen ihren Anfang, die bis ins 20. Jahrhundert reichen sollten, Selbstbestimmungsbestrebungen im Baskenland, in Katalonien und Galicien bedrohten die staatliche Integrität und 1873 musste der König zugunsten einer kurzlebigen Republik – der 1. Spanischen Republik – abdanken. Zweimal wurde vom Militär geputscht, 1874 die Monarchie wiederhergestellt – dies jedoch nun endgültig auf konstitutioneller und (begrenzter) parlamentarischer Grundlage.

Das nächste Desaster stand jedoch bereits vor der Tür: Im Krieg gegen die USA ab 1898 – vorangegangen war diesem der Aufstand in Kuba – erlitt Spanien eine herbe Niederlage, die letzten bedeutenden Kolonien gingen verloren: Kuba, Puerto Rico und die Philippinen an die USA, die pazifischen Besitzungen an Deutschland. Es verblieben lediglich Spanisch-Marokko, die Westsahara und Äquatorialguinea bei Spanien, also die afrikanischen Kolonien. Im 1. Weltkrieg ab 1914 blieb Spanien formell neutral, die kapitalistische Krise traf das Land trotzdem: In den industrialisierten Zentren – Madrid, Barcelona, Baskenland – hatte sich eine Arbeiterbewegung mit kämpferischer Streikkultur etabliert.

1921, angesichts des Berberaufstandes, verlor Spanien zunächst seine Besitzungen im gegenüberliegenden Nordafrika, bis auf die beiden Enklaven Ceuta und Melilla – diese sind dafür bis heute die letzten europäischen Kolonien in Afrika. In dieser abermals schwierigen Situation – die spanische Armee wurde nur mit französischer Hilfe und mittels Giftgaseinsatz nicht völlig aufgerieben – kam es 1923 zur Errichtung der Diktatur von Miguel Primo de Rivera, mit Unterstützung des Königs. 1930 wurde de Rivera ab- und Wahlen angesetzt. Bei diesen erreichten die republikanischen Kräfte annähernd 50 Prozent der Stimmen, als Konsequenz verließ der König das Land (ohne auf den Thron zu verzichten) und am 14. April 1931 wurde die Zweite Spanische Republik ausgerufen.

In dieser Republik übernahmen nach einem ersten linksrepublikanischen Intermezzo die rein bürgerlichen Kräfte, Liberale und Konservative, das Ruder, d.h. die Regierung. Nachdem einige kleinere Aufstände linksradikaler und Arbeiterorganisationen fehlgeschlagen waren, war der entscheidende Wendepunkt der VII. Weltkongress der Kommunistischen Internationale im Jahr 1935: Hier erfolgte bekanntlich die Umorientierung auf die Volksfrontpolitik, maßgeblich erarbeitet von Dimitroff, Togliatti und Pieck. Dementsprechend trat bei den spanischen Parlamentswahlen im Februar 1936 das Volksfrontbündnis Frente Popular aus Linksliberalen, Sozialisten und Kommunisten an, gewann eine deutliche Mehrheit der Sitze und stellte die Regierung. Ungeachtet der durchaus zurückhaltenden Reformen dieser Regierung wurden seitens der reaktionären Kräfte – Faschisten, Monarchisten, Militärs – ein Umsturz und die Errichtung einer Diktatur geplant und betrieben.

Bürgerkrieg und Hintergründe 1936–1939

Am 17. Juli 1936 begann der Staatsstreich gegen die demokratische Volksfrontregierung der 2. Republik, eingeleitet durch eine inszenierte Militärrevolte in Marokko und auf den Kanaren, wo ein gewisser General Franco den Oberbefehl hatte, der sich schließlich zum Anführer des faschistischen Putsches aufschwingen sollte. Doch so schnell sollte der Putsch nicht gelingen, denn „aufständische“ Militärs in Madrid, Barcelona und Valencia wurden besiegt. Es kam daher zum mehr als zweieinhalbjährigen Bürgerkrieg. Der militärische Verlauf desselben soll hier beiseite bleiben, wir wollen uns den Hintergründen und Folgen widmen. Nur so viel: Das Kräfteverhältnis stellte sich zunächst durchaus zugunsten der Republik dar, dafür stehen auch zwei erfolglose Eroberungsversuche Madrids, 1937 mit der bekannten Schlacht am Rio Jamara. Die Faschisten änderten ihren Plan insofern, als sie sodann versuchten, die republikanischen Gebiete im Norden voneinander abzuschneiden und zu isolieren, was letztlich auch gelang – dies betraf v.a. das Baskenland und Katalonien. Am 26. Jänner 1939 wurde Barcelona eingenommen. Zu diesem Zeitpunkt waren die republikanischen Gebiete bereits erheblich zusammengeschrumpft, als entscheidendes Ereignis kam es in Madrid zum Putsch der „Fünften Kolonne“, d.h. der Franco-verbündeten „Republikaner“ in Madrid, darunter Sozialdemokraten und Anarchisten – mit dem Vorwand, einer kommunistischen Machtübernahme zuvorkommen zu wollen. Danach brach der republikanische Widerstand weitgehend und an den meisten Fronten zusammen. Franco setzte seine Truppen entsprechend in Bewegung und diese nahmen am 27. März Madrid ein. Am 1. April erklärte Franco den Krieg für beendet – am Vortag waren in Alicante die letzten republikanischen Einheiten im Hafen massakriert worden.

Der Spanische Bürgerkrieg war eigentlich nur bedingt ein solcher: Von Anfang an war er Vorbote und Exerzierfeld kommender internationaler Ereignisse und Ausdruck deren zentraler Frontlinien, die sich freilich schon seit einiger Zeit abgezeichnet hatten. 1936, zu Beginn des Krieges, gab es in Europa bereits einige faschistische Diktaturen, u.a. in Österreich seit 1933/34, in Ungarn, v.a. aber natürlich in Deutschland und Italien. Und diese beiden waren natürlich auch die Hauptunterstützer des spanischen Faschismus – mit Geld, Waffen und auch Truppen, im deutschen Fall in Form der Legion Condor, nicht zuletzt bekannt für ihren Bombenangriff auf das baskische Gernika/Guernica – Pablo Picassos Gemälde hierzu ist nicht zufällig ein Symbol der Friedensbewegung und des Antifaschismus. Auch im Nachbarland Portugal war zur Zeit des Krieges bereits eine faschistische Diktatur errichtet worden, die ebenfalls Franco unterstützte. Dies auf der einen Seite.

Die entschiedensten Gegner des Faschismus waren – sind und werden immer sein – die Kommunisten. Die 1921 gegründete Kommunistische Partei Spaniens, die zu Beginn der 2. Republik noch relativ unbedeutend war, gewann an Einfluss und war schließlich als Massenpartei mit 500.000 Mitgliedern eine Hauptkraft des republikanischen Widerstandes, der nicht zufällig zusammenbrach, als nach innerrepublikanischen Verwerfungen die Kommunisten aus vielen Positionen entfernt wurden. Selbstverständlich stieg die Bedeutung der PCE nach Kriegsbeginn auch deshalb, weil die UdSSR das einzige Land war, das die Republik recht umfassend unterstützte. Daneben war auch das Wirken der Komintern wichtig: Diese hatte bereits im August 1936 die Aufstellung Internationaler Brigaden von freiwilligen Kämpfern beschlossen, was ab September durch die nationalen kommunistischen Parteien bzw. über ein zentrales Büro in Paris umgesetzt wurde – im Oktober 1936 kamen die ersten Interbrigadisten in Spanien an. Aufgestellt wurden fünf Brigaden, jeweils wiederum unterteilt in mehrere Bataillone. Insgesamt kämpften über 40.000 Internationalisten im Spanienkrieg, die meisten aus Frankreich und Deutschland, etwa 1.400 aus Österreich – und damit in Relation zur Größe des Landes besonders viele.

Erwähnenswert sind auf antifaschistischer Seite noch zwei Organisationen, die dem Sieg der Republik nicht dienlich waren: Zum einen die „Arbeiterpartei der marxistischen Einheit“ (POUM), eine antisowjetische Gruppierung, die sich durch linken Radikalismus auszeichnete, durch die Propagierung der willkürlichen Durchführung der sozialistischen Revolution inmitten des Krieges, durch Missachtung der Prinzipien der antifaschistischen Volksfront. Im Mai 1937 kam es zu militärischen Auseinandersetzungen zwischen POUM-Milizen und republikanischen Einheiten, d.h. der Armee, die die Oberhand über den „Aufstand“ behielt – die POUM-Milizen wurden aufgelöst. Wesentlich größer und wichtiger als die POUM war die anarchistische Gewerkschaft CNT, die „Nationale Arbeitskonföderation“ bzw. deren Militärorganisation FAI (Iberische Anarchistische Föderation). Für diese war der Beginn des Bürgerkrieges das Signal zur „sozialen Revolution“, die in manchen Gemeinden, in denen die CNT eine relevante Basis hatte, ansatzweise sogar durchgeführt wurde, d.h. es wurden selbst verwaltete Fabriken und Bauerngenossenschaften angeboten – das ist nebenher auch deshalb zu erwähnen, weil der Anarchismus niemals zuvor oder danach so nahe an eine Umsetzungsverlegenheit gekommen ist und wohl auch niemals wieder kommen wird. Wie dem auch sei – für die CNT gilt Ähnliches wie für die POUM, die natürlich verbündet waren, zusammengeschweißt durch den Antikommunismus. Dementsprechend teilten beide das gleiche Schicksal. Trotzdem, der Anteil der CNT/FAI-Milizen am militärischen Widerstand war durchaus relevant.

Formell weder für noch gegen die Republik – somit mehr oder minder neutral – verhielten sich übrigens Großbritannien und Frankreich, die mit Deutschland und Italien ein entsprechendes Abkommen schlossen, an das sich die Faschisten freilich nicht hielten. Dass in Paris zunächst noch die Regierung Blum amtierte, ist erwähnenswert. Dies bedeutete, dass sich Großbritannien und Frankreich letztlich weigerten, die demokratische spanische Regierung gegen einen faschistischen Putschversuch zu unterstützen, sondern zunächst die Äquidistanz wählten und die Putschisten schließlich noch vor Kriegsende als legitime spanische Regierung anerkannten. Auch hier erwies sich die bürgerlich-demokratische Apeasement-Politik – wie auch gegenüber NS-Deutschland – als fatal für den Antifaschismus.

Folgen des Spanischen Bürgerkrieges

In Spanien wurde eine faschistische Diktatur errichtet, die erstaunlich langlebig war: 1975 starb Franco, womit Juan Carlos als König inthronisiert wurde. Von 1976 bis 1982 gelang der Übergang zu bürgerlich-demokratischen Verhältnissen, d.h. zum heutigen Spanischen Staat, immer noch voll von sozialen und nationalen Widersprüchen und Gegensätzen und mit einer nicht aufgearbeiteten Vergangenheit. 

International gesehen war der Spanienkrieg ein Vorbote: Nur fünf Monate nach seinem Ende begann der Zweite Weltkrieg – in dem Spanien übrigens formell neutral blieb –, der aus Sicht v.a. des Imperialismus faschistischer Prägung zur finalen Abrechnung mit der Arbeiterbewegung, dem Kommunismus und seiner Staatsmacht – der Sowjetunion – werden sollte. Doch diesmal kam es anders: Die Rote Armee und die Völker besiegten den deutschen Faschismus und seine Verbündeten, als Ergebnis wurden auch in Osteuropa Volksdemokratien und sozialistische Staaten errichtet, ebenso auf anderen Kontinenten, darunter die ehemals spanische Kolonie Kuba. Der Kampf des Sozialismus, Antifaschismus und nationaler Freiheitsbewegungen gegen Kapitalismus, Imperialismus und Faschismus setzt sich fort, bis er gewonnen ist. Aus dem Spanischen Bürgerkrieg können Erfahrungen der Volksfrontpolitik, der Solidarität und des Internationalismus der Tat mitgenommen werden.

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Schlagworte: 17. Juli 1936BeginnFaschismusFrancoInterbrigadenKominternRepublikSpanischer BürgerkriegVolksfront

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