HomeFeuilleton„Der Prozeß gegen die Neun von Catonsville“ – Teil 1

„Der Prozeß gegen die Neun von Catonsville“ – Teil 1

Gastautor: Gerhard Oberkofler, geb. 1941, Dr. phil., Universitätsprofessor i.R. für Geschichte an der Universität Innsbruck. Für Pater Swamy SJ.

Die Fortsetzung des Textes erscheint morgen an dieser Stelle.

Randnotizen zum Dokumentarstück von Daniel Berrigan SJ (1921–2016) in der Zeit des Vietnamkriegs aus Anlass seines 100. Geburtstages 

Welche Vorwände auch immer die Aggressoren aller Zeiten für ihre Verbrechen gefunden haben – letztlich läuft der Staatsimperativ imperialer Politik auf ein „morde deinen Nächsten“ hinaus, auf eine vollständige Negation von dessen Menschenrechten. Wenn Staaten Staaten bekriegen, sind die Opfer – Menschen!
Hermann Klenner (*1926)[1]

„Zur Wahrheit gehört nicht nur das Resultat, sondern auch der Weg“ (Karl Marx).[2] 

Der am 9. Mai 1921 in Virginia/Minnesota geborene Daniel Berrigan (gestorben am 30. April 2016 in New York City)[3] hat sich im Laufe seines Lebens wegen seines solidarischen Mitgefühls für die Opfer der imperialistischen Kriege nach innen und außen dem in den USA herrschenden Recht ausgesetzt und war bereit, dafür erhebliche Risiken einzugehen.[4] D. Berrigan entstammt einer armen, kinderreichen katholischen Arbeiterfamilie mit sechs Kindern. Der Vater ist irischer Herkunft, die Mutter eine Deutsche. 1939 trat D. Berrigan in den Jesuitenorden ein und hat dort trotz oder wegen des noch von Papst Franziskus (*1936) erlebten Stillstandes in der katholischen Theologie[5] in seinen ersten Jahren einen im System der institutionalisierten, etablierten Katholischen Kirche vielversprechenden, wenngleich konformistischen Beginn. Den Oberen zu gehorchen war das nicht zu hinterfragende Gesetz. Es waren für D. Berrigan dennoch keine verlorenen Jahre, nichts bleibt in richtiger Aufarbeitung unbrauchbar und jedenfalls hat D. Berrigan eine gute Schule zu Geduld und Selbstdisziplin erhalten. 1952 zum Priester geweiht lernte er in seinem letzten Ausbildungsjahr (Tertiat) in Frankreich die von Papst Pius XII. (1876–1968) verbotene, sich an die Arbeiterklasse annähernde Bewegung der Arbeiterpriester kennen. Er war noch in Frankreich, als das vietnamesische Volk bei Diên Biên Phú am 7. Mai 1954 die französischen Kolonialtruppen besiegte und damit ein Signal für die Befreiung aller kolonial unterdrückten Völker gab. Nur wenig später als D. Berrigan war der als Priester in Bogotá geweihte Jorge Camilo Torres Restrepo (1929–1966) in Paris und hatte dort Arbeiterpriester bei ihren sozialen Einsätzen geholfen.[6]

Als Jesuit begann D. Berrigan mit der geistlichen Methode des Ignatius von Loyola (1491–1556) und dessen Anleitungen die notwendigen Unterscheidungen für seine Gegenwart zu treffen. Jesus von Nazareth (um 30 n. u. Z.) und der Prozess gegen diesen, der die herrschende Ordnung in Frage stellte, wird ihm Quelle gewesen sein. In der Ansage zu dem 1963 entstandenen brasilianischen Passionsspiel „Christo Total“ heißt es: „Das Drama von Kalvaria wiederholt sich immer und überall, in der Arbeitslosigkeit, im Machtmissbrauch, in sozialer Ungerechtigkeit, in ruchlosen Prozessen und Verurteilungen“. Das in Stadien mehrfach aufgeführte Spiel wurde von der Militärregierung 1964 verboten.[7] D. Berrigan ist ein Vorgänger des aus dem Jesuitenorden kommenden Papst Franziskus, der in seiner Enzyklika „Fratelli tutti“ (3. Oktober 2020) eindringlich davor warnt, sich für den Krieg „unter allen möglichen angeblich humanitären, defensiven oder präventiven Vorwänden, einschließlich der Manipulation von Informationen“ zu entscheiden.[8] Zuletzt hat dieser Friedenspapst während seines Aufenthaltes im Irak (März 2021) daran erinnert, dass Anstiftung zum Krieg, Haltungen des Hasses, Gewalt und Blutvergießen mit den religiösen Lehren unvereinbar sind.[9] Nicht der Friede, sondern Kriegsvorbereitung und Krieg werden in der imperialistischen Gesellschaft mit dem Strafgesetz geschützt. Papst Franziskus fordert eine „Justiz im Dienst am Menschen“ fordert. Das beinhaltet einen strafrechtlichen Schutz vor den Verbrechen des globalen Finanzkapitals gegen die Menschlichkeit.[10] 

Im Februar 1954 war D. Berrigan Aushilfskaplan bei der in Westdeutschland stationierten US-Armee. Deren Erfahrungen beim Versuch, die Koreanische Demokratische Volksrepublik mit Terror gegen Zivilbevölkerung und Masseneinsatz bakteriologischer und chemischer Kampfmittel zu unterwerfen (1950–1953) war Gesprächsstoff. Im Herbst 1954 kehrte D. Berrigan nach New York zurück und wirkte dort drei Jahre als Jugendseelsorger von randständigen lateinamerikanischer Schülergruppen. Es sind finstere Jahre, die von der mit dem Namen von Joseph McCarthy (1908–1957) bezeichneten Hexenjagd gekennzeichnet ist. Noch störte das alles D. Berrigan nicht, zumal ihm eine applaudierte Karriere sei es als Jugendseelsorger oder als Poet offenstand. 1957 hat er für seine Gedichtesammlung „Time Without Number“ den von der Academy of American Poets vergebenen „Lamont Poetry Prize“ erhalten. D. Berrigan macht von den Privilegien seines Ordens Gebrauch, er probiert innerkirchlich das und jenes, las die Messen mit dem Altar zur Gemeinde in Englisch, statt in Latein. Im Sommer 1963 reist er in seinem Sabbatjahr nach Paris, von dort nach Prag, wo er an einer übernationalen christlichen Friedenskonferenz in teilnimmt, mit anderen Theologen weiter in die Sowjetunion und dann wieder nach Afrika, wo er zu Ostern 1963 war. D. Berrigan hielt Ausschau nach jenen Perspektiven, die das vom Papst Johannes XXIII. (1881–1963) einberufene II. Vatikanische Konzil (1962–1965) und die Enzyklika „Pacem in terris“ (11. April 1963) eröffnet haben. „Jede Kriegshandlung, die auf die Vernichtung ganzer Städte oder weiter Gebiete und ihrer Bevölkerung unterschiedslos abstellt, ist ein Verbrechen gegen Gott und gegen den Menschen, das fest und entschieden zu verwerfen ist“ – heißt es in der pastoralen Konstitution „Gaudium et spes“ des II. Vatikanischen Konzils (7. Dezember 1965).[11] In der Theologie wird ihm Pierre Teilhard de Chardin SJ (1881–1955) ein Wegweiser für die Christologie. Wieder in den USA, die in Brasilien eben eine Militärdiktatur installierte, erlebte D. Berrigan am 28. August 1963 den March on Washington for Jobs and Freedom und das Auftreten von Martin Luther King Jr. (1929–1968) mit seinem emotionalen, vom Klassenkampf abstrahierenden Song „I Have a Dream“. Viel Mittel sich Gehör für Gerechtigkeit zu verschaffen standen Afroamerikaner in den USA nicht zur Verfügung.

Von geistiger Opposition hin zum aktiven Friedenskampf 

D. Berrigan sowie sein dem Josephitenorden angehörende, großgewachsene und kräftige jüngerer Bruder Philip Berrigan (1923–2002)[12] werden Aktivisten der US-amerikanischen Friedensbewegung. Von Beginn an werden die in viele Gruppen aufgespaltene amerikanischen Friedensbewegung vom US-Geheimdienst infiltriert und überwacht.[13] 1965 unterzeichnen Ph. Berrigan und D. Berrigan als erste katholische Priester eine Petition gegen den Krieg in Vietnam, David Miller, ein Schüler von D. Berrigan, verbrannte öffentlich seinen Einberufungsbefehl. Roger la Porte (1943–1965) verbrannte sich vor dem UN-Gebäude in New York aus Protest gegen den Vietnamkrieg (10. November 1965). D. Berrigan nahm wie sein Bruder Philip an Friedensdemonstrationen teil und mobilisierte in der Zeitschrift „Jesuit Missions“ gegen den Vietnamkrieg.

D. Berrigan wurde auf Verlangen der starken, im Big Business verankerten Hierarchie im November 1965 nach Mexiko versetzt. Er, der schon ein prominentes Vorbild für die um einen Aufbruch bemühte christliche Antikriegsbewegung in den USA war, konnte nach einigen Monaten im März 1966 in die USA zurückkehren. Im Herbst 1967 war D. Berrigan Kaplan an der Cornell University. Im Laufe des Jahres 1967 erreichte die Truppenstärke der USA in Vietnam 450.000 Mann. Der Jesuitenorden begann sich unter Anleitung des 1965 gewählten Generals Pedro Arrupe SJ (1907–1991) dem Kampf um Gerechtigkeit hinzuwenden. Arrupe SJ war Überlebender von Hiroshima, wo die USA wie in Nagasaki ohne militärische Notwendigkeit Atombomben zur Ausrottung der Zivilbevölkerung einsetzte. Im Februar 1968 fliegt D. Berrigan mit Howard Zinn (1922–2010) auf Einladung des Vietkongs nach Hanoi und kehrt mit drei amerikanischen Kriegsgefangenen zurück. Das Buch „Night Flight to Hanoi: Daniel Berrigan’s War Diary with Eleven Poems“ widmet er seinem Bruder Philip. Mit seinem in der Friedensbewegung tätigen Mitbruder Edward „Ned“ Murphy SJ (1937–2012) stand derweilen D. Berrigan vor der St. Patrick’s Kathedrale in New York Mahnwache. D. Berrigan gab den Kriegsopfern einen Namen. 

Aktion der neun von Catonsville (17. Mai 1968). Prozess und Verurteilung in Baltimore (7. – 10. Oktober 1968)

In Baltimore drangen am 27. Oktober 1967 Ph. Berrigan mit den christlichen Friedensaktivisten James L. Mengel (Vereinigte Kirche Christi), Thomas Lewis und David Eberhardt („Baltimore Four“) in das Zollhaus ein und übergossen Akten der Behörde aus Schubladen mit in Flaschen mitgebrachten Blut. Ihr Statement erklärt dieses Geschehen: „Wir streiten gegen den Götzendienst am Eigentum und gegen die Kriegsmaschinerie, die aus Menschen Eigentum macht. Wir treten jenen Landsleuten entgegen, denen Eigentum mehr bedeutet als Menschenleben. […] Wir behaupten, dass Vietnam ein Krieg der Reichen, aber ein Kampf der Armen ist. Es ist ein ungerechter Krieg, der durch die unrechtmäßigen Gesetze der Wehrdienstpflicht, durch Steuervorteil und Unterdrückung des Widerstands aufrechterhalten wird. Durch unsere Aktionen und unser Gewissen klagen wir solche Gesetze an. Wir appellieren an alle Amerikaner, ihre Gesetze zu überprüfen, sie mit göttlichem und menschlichem Recht in Einklang zu bringen, sie unvoreingenommen anzuwenden, sie für den Aufbau zu Hause und in anderen Ländern einzusetzen. Wir weisen Gesetze zurück, wenn es Unrecht schützt, weil es dann kein Gesetz ist, sondern dessen Karikatur. Daher wird das Gesetz zusammen mit dem Bösen, das es schützt, gerichtet. So wird es auch verständlich, wenn wir jene Anwälte zurückweisen, die für uns im Rahmen dieses Gesetzes etwas aushandeln wollen, und verlassen uns allein auf uns selbst“.[14] Ein Gericht verurteilte im Mai 1968 Ph. Berrigan, der 1943 bis 1945 in Frankreich und Deutschland als Leutnant der US-Army für die Befreiung Europas vom Nazisfaschismus gekämpft hat, und Tom Lewis zu je sechs Jahren Gefängnis.

Am 17. Mai 1968 drang D. Berrigan gemeinsam mit seinem Bruder Ph. Berrigan, mit David Darst (1941–1969), John Hogan (*1935), Thomas Lewis (1940–2008), Marjorie Melville (*1929), Thomas Melville (1931–2017), George Mische (*1938) und Mary Moylan (1936–1995) in Catonsville (Maryland) in ein Rekrutierungsbüro ein. Gemeinschaftlich war die Entscheidungsfindung zu dieser Form des Handelns. 378 Einberufungsakten („potentielle Todesurteile“) wurden von den Aktivisten eingesammelt und darnach vor dem Haus mit jenem Napalm verbrannt, das die US-Truppen in Vietnam massenmörderisch anwandten. Betend ließen sich diese christlichen Aktivisten widerstandslos verhaften. Die rebellische Tat richtete sich gegen den Staatsapparat und gegen die mit ihm verbundene katholische Kirchenhierarchie. „Man ist befugt, das Gesetz zu brechen, um Menschenleben zu retten“, lässt D. Berrigan seinen Freund Thomas Lewis im Prozess sagen. Das deutsche nationalsozialistische System wird mit dem US-amerikanischen antikommunistischen System verglichen, weil die Aussage der deutschen Nazis, dass die Juden die Wurzel allen Übels sind, eben vergleichbar ist mit der Aussage, dass der Kommunismus die Wurzel allen Übels ist. Vom 7.–10. Oktober 1968 findet in Baltimore die Gerichtverhandlung statt, die Jury erklärt die Angeklagten für schuldig und am 8. November 1968 werden die Angeklagten zu dreieinhalb Jahren Gefängnis verurteilt.

Über die Funktion von Juristen in der kapitalistischen Gesellschaft

Der aus ärmlichen Verhältnissen stammende Sokrates (470–399 v. u. Z.) hat von einem einzigen geistigen Prinzip im Menschen (Seele) und in der Natur (Gott) ausgehend seine idealistische Ethik mit der Methode der idealistischen Begriffsdialektik erklärt. Sokrates bekämpfte selbstgewisse Vorurteile und die daraus resultierende Überheblichkeit. Er wurde von der athenischen Sklavenhalterdemokratie verurteilt und durch Gift hingerichtet, „weil er die vom Staat anerkannten Götter nicht anerkennt“ und „weil der die Jugend verdirbt“.[15] In jungen Jahren hat Karl Marx (1818–1883) die Funktion des Justizapparates in der Klassengesellschaft analysiert und festgestellt, dass der Inhalt des Urteils eines Richters durch das Gesetz antizipiert werde.[16] Die herrschende Klasse in der Gesellschaft hat den Staat und damit den Justizapparat in der Hand, durch ihn werden die gemeinschaftlichen materiellen Lebensbedingungen der herrschenden Klasse staatlich normiert.[17] Mit Wladimir I. Lenin (1870–1924), der Jurist war, stellt Hermann Klenner (*1926) klar, dass das Recht nichts ist „ohne einen Apparat, der imstande ist, die Einhaltung der subjektiven Rechte und Pflichten zu erzwingen“.[18]

Die Herrschaft der US-amerikanischen Eliten wird durch den von ihr gestellten Justizapparat in vielfältigen Formen bis hin zur illegalen Lynchjustiz und zum legalen Justizmord abgesichert. In der von innen und außen bedrohten Sowjetunion der 1930er Jahre wurden von der sozialistischen Justiz Verräter oder vermeintliche Verräter am Aufbau einer neuen sozialistischen Gesellschaft abgeurteilt. Auf die Rekrutierung des für die Justiz verantwortlichen Personals wird in allen Systemen großes Augenmerk gelegt. Die Juristen in der Ausbeutergesellschaft sind Handlanger der tyrannischen Minderheit der Besitzenden. Der englische christliche Utopist Thomas Morus (1478–1535), der wegen seiner Missbilligung der Willkür von Heinrich VIII. (1491–1547) des Hochverrats beschuldigt und hingerichtet wurde, hat festgestellt, dass überall dort, wo infolge des Privateigentums Geld der Maßstab für alles ist, Gerechtigkeit und eine darauf beruhende Rechtsprechung es nicht geben kann. Der gemäßigt liberale Historiker Alexis de Tocqueville (1805–1859) hat richtig beobachtet, „wer nur an den Fürsten denkt, nicht an den Juristen, kennt nur die eine Seite der Tyrannei; um das Ganze zu erfassen, muss man aber beide zugleich im Auge haben“.[19] Hermann Klenner hat zum Verhalten solcher Juristen bemerkt, dass diese ihr Gewissen damit beruhigen, dass sie den Zusammenhang des Rechts mit den ökonomischen und politischen Tatsachen verloren gehen lassen, „sie beschränken sich lediglich auf die Auslegung und Anwendung der vorhandenen Rechtsnormen, von denen sie nicht wissen wollen, wem sie dienen“.[20] 

D. Berrigan hatte von den Berufsjuristen schon wegen ihres Sozialprofils keine gute Meinung. Er begründet:
„Der Beruf des Juristen ist einer von jenen Berufen, die in der weiten Welt des Menschen einfach gegen den Menschen handeln. Die führenden amerikanischen Rechtsschulen bringen jedes Jahr eine große Zahl von Juristen hervor, die sich beruflich in ein Versteck vor jedem sozialen Wandel, jedem menschlichen Interesse zurückziehen. Diese Schulen bringen Richter hervor, die Leute wie mich und meinen Bruder strafrechtlich verfolgen, anstatt jene zu belangen, die einen völkermordenden Krieg anzetteln. Sie bringen Juristen hervor, die bei den Vereinten Nationen oder bei den Gesandtschaften in aller Welt für Amerika mit Kleinigkeiten hausieren gehen, etwa mit Regierungsprogrammen, die markiert oder offen rückschrittliche nationalistische Ziele verfolgen. Diese Ziele sind eine Mischung von Militarismus, Nationalismus und Krieg, der zwar auf ein festes Gebiet beschränkt ist, aber deshalb nicht weniger Beute einbringt. Wenn die Gegenwart ein Maßstab für die Zukunft ist, dann festigen diese Schulen ein Gesellschaftssystem, das die beständig wachsende Wirtschaftshegemonie Amerikas im Ausland zum Ziele hat, während im Inland Armut und Rassenhass immer mehr anzuwachsen drohen. In der Tat, der Beruf des Juristen verliert immer mehr den Zusammenhang mit den Bedürfnissen, den Problemen, ja den Menschen selbst“.[21]

„The Trial of the Catonsville Nine“ als Theaterstück

Am 1. Mai 1970 erweitert die USA ihre militärische Intervention in Südostasien auf Kampuchea. Bei einer Antikriegsdemonstration in der Universität Ohio, Kent State, werden vier Studenten von der National Guard in „Notwehr“ erschossen.

Seit seiner Festnahme am 11. August 1970 saß D. Berrigan im Bundesgefängnis in Danbury (Connecticut) ein. Im Mai 1971 besuchte ihn dort der Generalobere P. Arrupe SJ und sagte, wie sich Jon Sobrino SJ (1938) SJ an Gespräche in der Jesuitenkommunität über diesen Besuch erinnert, der Platz im Gefängnis sei in dieser Situation der Welt kein schlechter für Jesuiten.[22] D. Berrigan nützte im Gefängnis Freistunden, um die szenische Dokumentation „Der Prozess gegen die neun von Catonsville“ zu schreiben, die in New York (31. Januar 1971) uraufgeführt wurde.[23] Wegen seiner idealistisch pazifistischen Grundhaltung, welche den Traum von D. Berrigan und seiner Freunde von der Transformation der bürgerlichen Gesellschaft auf die Bühne projizierte, konnte das Stück mit den angemessenen Rückversicherungen von der Bourgeoispresse empfohlen werden. Gregory Peck (1916–2003) hat als Pazifist eine Filmversion dieses Dokumentarstückes finanziert.[24] 

Krieg, Nationalismus, Rassismus, Profit sind die Leitlinien des Reichtums, dessen Opfer die Unterdrückten und Armen sind. Richard Nixon (1913–1994), der den von John F. Kennedy (1917–1963) intensivierten Vietnamkrieg eskalieren ließ, ist eine Symbolfigur dieses Systems. Noam Chomsky (*1928), der sich mit D. Berrigan solidarisierte, hat 1967 über die Mitschuld von Intellektuellen an der Schlächterei in Vietnam geschrieben und die Analogie zu den Nazis hergestellt. Die Unterscheidung zwischen der USA mit ihrem „liberalen Imperialismus“ und Nazi-Deutschland sei für einen vietnamesischen Bauern, „der im Begriff steht, vergast oder eingeäschert zu werden“ nur akademisches Gewäsch.[25] Im Rückblick prüft Chomsky die Ergebnisse des zivilen Ungehorsams der Antikriegsbewegung in den USA. Unbestreitbar bleibt ihm, dass richtig vorbereiteter ziviler Ungehorsam Menschen zum Nachdenken über bestimmte Dinge bringen kann. Wenn das nicht der Fall ist, dann sei ziviler Ungehorsam eher schädlich. Darüber sei schon zeitgenössisch in der einen oder anderen Form diskutiert worden und darüber müsse permanent nachgedacht werden. Rolf Hochhuth (1931–2020) hat Demonstrationen in New York und in Deutschland erlebt und wurde „hoffnungslos“, weil die ordnungsliebenden Bürger „Leute, die auf die Straße gehen“, hassen.[26] Chomsky erinnerte sich an Diskussionen von ihm und anderen mit Vietnamesen, welche Art von Aktionen in den USA sie für nützlich hielten. Die Vietnamesen gaben als Beispiel, über das sie sich einig waren, die Versammlung einer Gruppe von Frauen, die sich schweigend um die Gräber von US-Soldaten versammelten. Die US-Aktivisten hätten über solche Dinge nur gelacht, hätten nur den Aktivismus gegen den Krieg im Kopf gehabt, seien losmarschiert und wären da und dort eingedrungen. „Aber leider“, so resümiert Chomsky, „führten solche Aktionen zu einer stärkeren Unterstützung für den Krieg“.[27] Demonstrationen waren begleitet von Provokateuren, die direkt den mit „Aufruhr-Ausrüstung“ bewaffneten Polizeikräften in die Hände spielten.[28] Martin Luther King hat die Erfahrung gemacht, dass „auf dem Wege des Negers in die Freiheit“ nicht der Weiße Bürgerrat oder der Ku-Klux-Kan das große Hindernis ist, sondern vor allem das Abseitsstehen des „gemäßigten Weißen“, „dem >Ordnung< mehr bedeutet als Gerechtigkeit“.[29] Das Wegschauen oder das lauwarm anerkennende Zuschauen der großen Mehrheit war sicher ein riesiges Problem der bürgerlichen Friedensbewegung. An der antimilitaristischen Gesinnung von Chomsky ist nicht zu zweifeln und es ist nützlich, das Illusionspotential der Friedensbewegung offen anzusprechen, weil erst dadurch erkennbar wird, weshalb sie immer wieder an Dynamik verliert. Dennoch, dem intellektuellen Denken muss das Handeln in dieser oder jener Form folgen, um das Abfinden mit den barbarischen Verhältnissen zu verhindern und demokratische und soziale Verbesserungen nach den gegebenen Möglichkeiten abzutrotzen. Lenin hat die Frage „Was tun?“ am Beginn des vorigen Jahrhunderts gestellt. Neben unmittelbar praktischen Zielen gehe es um die Theorie, „ohne revolutionäre Theorie kann es auch keine revolutionäre Bewegung geben“.[30] 

D. Berrigan liest vor Gericht seine Stellungnahme zu Catonsville vor:
Wir sind krank vor Sorge
unser Herz gibt uns keine reuhe
wenn wir an das Land der brennenden Kinder denken
und an jenes andere Kind
von dem der Dichter Lukas sagt
 >Dieses Kind bedeutet den Fall und den Aufstieg
 vieler in Israel
ein Zeichen, das warnen soll<.[31]
Schwacher Trost ein Kind das geboren ist
Ärgernis zu erregen und dafür zu sterben
Der erste Jude nicht der letzte
der für eine Endlösung bestimmt war
Und so reichen wir unsere Hände
unseren Brüdern in aller Welt
die Priester sind wie wird
Wir die wir das Gesetz verletzen
wenden uns an die Armen der Erde
an die Vietnamesen an die Opfer
an die Soldaten die töten
und für die falsche Sache sterben ohne Sinn
weil sie den Autoritäten jener öffentlichen
Ordnung folgen die in Wahrheit
ein massives etabliertes Chaos ist
wir sagen: Töten ist Chaos
Leben Güte Gemeinschaft und Selbstlosigkeit
sind die einzige Ordnung die wir anerkennen
Und um dieser Ordnung willen setzen wir
unsere Freiheit und unseren guten Namen aufs Spiel
Die Zeit ist vorbei da gute Menschen
schweigen durften
und den Gehorsam wählen um keine Gefahr zu laufen
wenn die Armen sterben ohne Verteidigung
Wie viele von ihnen müssen sterben
bis man unsere Stimme hört? Wie viele müssen ausgehungert gequält verjagt
zum Wahnsinn getrieben werden?
Wie lange müssen die Reichtümer der Welt
geplündert werden im Dienst legalisierten Mordens?
Wann werdet ihr euch diesem Krieg widersetzen?

Lenin hat zu Anfang des Jahres 1905 in einem Brief an seine Genossen in einem Moskauer Gefängnis, die ihn über die mögliche Taktik vor Gericht um Rat gebeten haben, vorgeschlagen, es sei jedenfalls eine prinzipielle, vorher vorbereitete Rede „über die Grundsätze, das Programm und die Taktik der Sozialdemokratie, über die Arbeiterbewegung, über die sozialistischen Ziele und über den Aufstand das Wichtigste“.[32] Der vom Lenin dabei benannte „revolutionären Instinkt“ wird bei D. Berrigan „christlicher Instinkt“ sein. Jedenfalls ist er vor Gericht so wie ein von Lenin beratener Revolutionär aufgetreten und hat über sein Anliegen gesprochen.

D. Berrigan lässt den Richter, der zwei Enkel bei den US-Truppen in Vietnam hatte, menschlich innert der anonymen Instanz auftreten, aber: „Der Richter kann den Eigennutz des Gesetzes nur puritanisch formulieren, nur rücksichtslos anwenden“. Die Parteilosigkeit bzw. die Menschlichkeit des Richters ist dann die Form, „sie ist nicht der Inhalt des Urteils“.[33]

Deutschsprachige Erstaufführungen in Düsseldorf, Zürich und Bregenz

Der schweizerische Schriftsteller Max Frisch (1911–1991) hat die Nachhaltigkeit von Theaterstücken sehr skeptisch eingeschätzt. Bertolt Brecht (1898–1956) hätten wohl Millionen von Zuschauern gesehen und würden ihn wohl wieder sehen: „dass einer dadurch seine politische Denkweise geändert hat oder auch nur eine Prüfung unterzieht, wage ich [Frisch] zu bezweifeln“. Früher sei Brecht von Literaturhistorikern als Agitator bezeichnet worden, „heute ist er das Genie, wir wissen es, und hat die durchschlagende Wirkungslosigkeit eines Klassikers“. Frisch stellt dazu eine Frage und beantwortet diese: „Was heißt das? Das Theater fürchte ich, täuscht uns über die ideologische Weltlage. Die Linke ist einfach begabter: auf dem Theater, das nicht die Welt bedeutet“.[34] D. Berrigan wird der Auffassung gewesen sein, dass sein Wort durch das Theater mehr an Gewicht gewinnt, das Theatralische entsprach nicht zuletzt der Tradition seiner katholischen Kirche.

Die deutschsprachige Erstaufführung des Stücks von D. Berrigan fand im Düsseldorfer Schauspielhaus am Eröffnungssamstag der Spielzeit 1971 /1972 am 30. August 1971 statt. Jan Lustig (1902–1979) hat das Stück ins Deutsche übertragen, Saul Levitt (1911–1977) hat es für die Bühne eingerichtet.[35] Der Düsseldorfer Theaterleiter Karl Heinz Stroux (1908–1985) hat nach der Uraufführung in New York das Stück persönlich nach Europa geholt und für die Übersetzung ins Deutsche gesorgt hat. In der großdeutschen „Kriegs-Spielzeit“ hat der von Gustav Gründgens (1899–1963) geförderte Stroux in Wien am judenfreien Burgtheater und in Berlin am ebenso judenfreien Staatlichen Schauspielhaus am Gendarmenmarkt vor dem Nazipublikum reüssiert. Zu Kriegsende rechtzeitig aus Berlin geflüchtet konnte Stroux schon im Herbst 1945 in der US-Zone in Heidelberg neu beginnen. Mit Beginn der Spielzeit 1955/56 war Stroux als Generalintendant in Düsseldorf. Er zögerte, den ihm aus seinen Berliner Anfangsjahren persönlich bekannten Bertolt Brecht aufzuführen. In einem 1959 gegebenen Interview sagte Stroux, Brecht sei für ihn „einer der großen Menschen- und Sprachgestalter Deutschland. Nur muss er erst noch aus der Tagespolitik herausgezogen werden. Die Zeit ist momentan dafür noch nicht da“.[36] Brecht, der darauf bestand, dass der Mensch dem Menschen ein Helfer sei, war noch kein „Klassiker“, der in die finanziellen und persönlichen Abhängigkeiten des Düsseldorfer Theaters hineinpasste. Immerhin war es am 8. Februar 1958 unter der Generalintendanz von Stroux mit der Regie von Hans Schalla (1904–1988) zur Aufführung von Mutter Courage und ihre Kinder“ gekommen. 1960 (15. Oktober) hat Stroux das Prozessstück „The Andersonville Trial“ von Saul Levitt aus New York zur deutschen Erstaufführung nach Düsseldorf geholt. In diesem handelt es sich um den von einem Militärtribunal der siegreichen Nordstaaten abgewickelten Prozess gegen Henry Wirz (1823–1865), der sich als Kommandant eines Kriegsgefangenenlagers der Südstaaten an die Befehle hielt und Tausende von Gefangenen zu Tode kommen ließ. Der Prozess (1865) endete mit der Hinrichtung dieses aus Zürich kommenden Lagerkommandanten.[37] Peter Weiss (1916–1982) hat 1965 in seinem in Westberlin uraufgeführten (Freie Volksbühne Berlin) und in Berlin (DDR) in Vorträgen von Opfern übermitteltes dramatische Auschwitz-Oratorium von 11 Gesängen des Grauens „Die Ermittlung“ den Kapitalismus ohne Kulturmaske in der Form der deutschen, mit den Lagern der Gaskammern kooperierenden Industriekonzerne bloßgestellt. Ob das Theaterpublikum jener Jahre die Worte einer Zeugin zu einem Angeklagten: „„.. dass sie ihr Handwerk nicht hätten ausführen können ohne die Unterstützung von Millionen anderen“ reflektiert hat, bleibt offen, erschütternd muss es jedenfalls gewesen sein.[38] Peter Weiss hat keine Urteilsverkündigung und Urteilsbegründung gegeben. Das ist bei dem 1964 in Westberlin und München uraufgeführten von Heinrich („Heinar“) Kipphardt (1922–1982) „In der Sache J. Robert Oppenheimer“ anders[39]. Das Theaterstück lässt die Persönlichkeit J. Robert Oppenheimer (1904–1967) schuldig werden, weil er dem von der Anklage vertretenen Staatsinteresse bei der nuklearen Hochrüstung nicht im verlangten Ausmaß nachgekommen ist. Oppenheimer war kein Befürworter des US-Atomwaffeneinsatzes so wie das Edward Teller (1908–2003) getan hat.[40] D. Berrigan hat beide Stücke als exemplarische Dokumentationen gekannt, von Peter Weiss hat er bei der Textgestaltung Zeilenbrechung und Interpunktionslosigkeit übernommen. 

Die Inszenierung des Berrigan-Stückes erfolgte durch den Polen Kazimierz Dejmek (1924–2002), der in der Spielzeit zuvor das Stück „Der Stellvertreter“ von Rolf Hochhuth betreut hatte. Dejmek war während der deutschen Besetzung aktiver Widerstandskämpfer. Als Intendant des Nationaltheaters in Warschau wurde er wegen einer von ihm inszenierten Aufführung des Dramas „Dziady“ von Adam Mickiewicz (1798–1855) zu Anfang des Jahres 1968 abgesetzt. Es war ihm von der Vereinigten Polnischen Arbeiterpartei vorgeworfen worden, er habe den antizaristischen Aussagen im Stück „Dziady“ eine antisowjetische Zielrichtung gegeben, was bei der letzten Aufführung am 30. Januar 1968 deutlich geworden sei. Selbst Wɬadiɬaw Gomulka (1905–1982) musste die Absetzung dieses Stückes mit der Regie von Dejmek begründen, weil es deswegen zu Demonstrationen von Schriftstellern und studentischen Unruhen in Warschau gekommen war.[41] Stephan Hermlin (1915–1997) hat in Warschau zum 100. Geburtstag von Mickiewicz diesen als einen polnischen Poeten gewürdigt, der sein ganzes Leben hindurch „die Leiden des Volkes beklagend und die Unterdrücker beim Namen nennend, die Brüderlichkeit der Völker gemeint und allen Unterdrückern den Kampf angesagt“ hat.[42] Dejmek war als Intendant des Warschauer Nationaltheaters in der Deutschen Demokratischen Republik und der Bundesrepublik Deutschland in Theaterkreisen durch Gastspiele bekannt. 1973 konnte Dejmek wieder in seine Heimat als international beachteter Theaterregisseur zurückkehren. Die Ausstattung des Berrigan-Stückes in Düsseldorf erfolgte durch Łucja Kossakowska (*1928), die aus einem Mosaik von der Hinterbühne her Jesus grüßen lässt. Ein Foto brennender Kinder wäre wahrscheinlich zu viel gewesen. 1969 war ein nach der Mao-Bibel, das ist ein Büchlein mit den Worten des Vorsitzenden Mao Tse-tung (1893–1976), gestaltetes Büchlein des katholischen US-Priesters David Kirk (1935–2007) mit einem in 13 Strophen gegliederten Vorwort von D. Berrigan publiziert worden war. 1971 hat es in deutscher Übersetzung viel Verbreitung gefunden.[43] Mit Lukas 9, 23 („Wer mit mir kommen will, muss sich selbst aufgeben. Er muss sein Kreuz jeden Tag auf sich nehmen und mir folgen“) wird an Dietrich Bonhoeffer (1906–1945) erinnert: „Bonhoeffer sagt, dass Jüngerschaft Jesu eine radikale Entscheidung bedeutet, eine Entscheidung, die einen totalen Bruch mit dem Vergangenen verlangt. Der letzten Realität muss alles Platz machen, und das kann einen das Leben kosten“.[44]

Das von Stroux herausgegebene und von G. Johannes Klose redigierte Düsseldorfer Programmheft zum D. Berrigan Stück beinhaltet einen Auszug der Erklärung von Ph. Berrigan am Tag der Urteilsverkündigung am 8. November 1968, in der zum Ausdruck gebracht wird, „dass sich unser Widerstand gegen mehr als den Krieg in Vietnam richtet, der nur eine Erscheinungsform der amerikanischen Macht darstellt. Sie erscheint auch als Konzentration des Kapitals und als Erzeugerin der Armut“. Das Düsseldorfer Schauspielhaus war auf das Wohlwollen seiner bürgerlichen Geldgeber angewiesen. Obschon es sich wegen der zeitlichen und immanenten Nähe angeboten hätte, wurde bei Gelegenheit des Prozessstückes von D. Berrigan der Düsseldorfer politische Strafprozess vom 10. November 1959 bis 8. April 1960 gegen sechs Mitglieder des Friedenskomitees der Bundesrepublik Deutschland wegen „Rädelsführerschaft in einer verfassungsfeindlichen Vereinigung“ nirgends erwähnt. Die beiden Nichtkommunisten Walter Diehl und der evangelische Pfarrer Johannes Oberhof, die sich in ihrer Verteidigung auf ihre christliche Überzeugung berufen haben, wurden wie die vor Gericht stehenden vier Kommunisten Georg Wohlrath, Erwin Eckert, Gustav Thiefes und Erich Kompalla verurteilt, Diehl zu einem Jahr Gefängnis ohne Bewährung, Oberhof zu drei Monaten Gefängnis mit Bewährung.[45]

In der 11. Szene seines Stücks sagt D. Berrigan dazu: „Damals lebte nochKardinal [Francis] Spellman [(1889–1967)]. Er hatte unsere Kriege immer bejaht. Für ihn war dies der höchste Glaubenssatz des amerikanischen Christen, dass die militärische Macht des Landes zu unterstützen ist. Mit seinen Weihnachtsbesuchen bei unseren Truppen in aller Welt und insbesondere in Vietnam gab er dem militärischen Abenteurertum den Segen der Kirche“. Ein dazu passendes Zitat ist aus dem vom späteren Kardinal John O’Connor (1920–2000) herausgegebenen Buch „American Catholic Exodus“[46] („Ein Krieg der Reichen, aber ein Kampf der Armen“) im Programmheft abgedruckt. Die katholische Hierarchie, die erst mit Papst Franziskus Selbstkritik kennengelernt hat, verließ sich auf die Masse ihrer antikommunistischen Priester wie Andrew Greeley (1928–2013), der in seinen wöchentlichen Kolumnen in der Chicago Sun Times schrieb, dass die Berrigans und der gegen den Vietnamkrieg protestierende Pöbel diesen Krieg nur verlängern würden.

Innerhalb der Kirchen, deren Führungsapparat Aktien von US-Rüstungsfirmen in Millionen von Dollar investierte, hat es immer zwei Klassenlinien gegeben, die notwendigerweise zu unterschiedlichen Parteinahmen führen mussten. Zu den Kernaussagen des Stückes gehören die Sätze von Ph. Berrigan „Wir können nicht die Abstraktion des Kommunismus widerlegen, indem wir Menschen töten, die dran glauben. Wir können nicht vom Frieden reden, während unser Tun uns Lügen straft“ und von D. Berrigan „Die Welt erwartet, dass sich Christen keiner Abstraktion mehr widmen, sondern sich der blutbefleckten Fratze gegenüberstellen“. Das ist ein revolutionärer Leitsatz. Lenin hat in seiner fundamentalen Arbeit über „Zwei Taktiken der Sozialdemokratie in der demokratischen Revolution“ davor gewarnt, das Konkrete durch Abstraktes zu ersetzen: „Es gibt keine abstrakte Wahrheit. Die Wahrheit ist immer konkret“.[47] 

In seinem Schlusswort wirft D. Berrigan die Frage vom Verhältnis von Justiz und Gerechtigkeit auf: „Euer Ehren, Meine Damen und Herren Geschworenen! Wir sind schuldig gesprochen worden. Aber wer spricht von der Schuld, von der gigantischen Schuld unserer führenden Politiker, über ihre Verbrechen gegenüber dem Volk, den Armen und Ohnmächtigen. Kein Gericht wird über sie tagen, kein Gefängnis sie empfangen. Sie leben in Rechtschaffenheit. Sie werden in Ehren sterben. Für sie haben wir eine Botschaft für diejenigen, in deren manikürten Händen die Herrschaft des Landes liegt. Wir sagen ihnen, führt uns in die Gerechtigkeit. Und wird nicht nötig sein, das Gesetz zu verletzen. Lasst den Präsidenten tun, was seine Vorgänger zu tun versäumt haben. Lasst ihn weniger an die Privilegierten als an die Armen denken, weniger an Amerika als an die Welt. Lasst Gesetzesmacher weniger an das Gesetz als an die Gerechtigkeit denken, weniger an das legalistische Ritual als an Menschenrechte. Zu unseren Priestern, Bischöfen und Vorgesetzten sagen wir, lernet etwas aus dem Evangelium und etwas aus der ungesetzlichen Gewalt. Wenn ihr das tut, werdet ihr euere Kapitalanlagen auflösen, ein Haus in den Slums nehmen oder sogar uns in Gefängnis folgen. Zu den Rechtsanwälten sagen wird, verteidigt die Kriegsdienstverweigerer, riskiert die Missachtung des Gerichts, geht ins Gefängnis mit euren Klienten. Zu den Staatsanwälten sagen wir, weigert euch Kriegsgegner anzuklagen. Zu den Bundesrichtern sagen wir, setzt den Kriegsgegner die Urteile aus, damit sie für Gerechtigkeit und Frieden arbeiten können oder verlasst eure Ämter. Ihr Männer der Macht, auch wir haben einen Traum. Wir träumen, dass Politiker und Generäle, Bundesrichter und Distriktbevollmächtigte aufstehen gegen den Krieg in Vietnam. Ihr Männer der Macht habt uns erzählt, dass euer System reformierbar ist. Reformiert es also und wir werden euch helfen mit all unserer Überzeugung und all unserer Kraft, im Gefängnis oder draußen“.

Reinhold Iblacker SJ (1930–1996) schreibt unter der Überschrift „… sie hüten die Botschaft des Evangeliums“, dass die Brüder Berrigan das Vorgehen der US-Behörden verglichen haben „mit dem der Nationalsozialisten beim Reichstagsbrand 1933, das die Diffamierung der Kommunisten anstrebte und erreichte“. Im Düsseldorfer Programmheft ist auch ein Ausschnitt aus dem Memorandum Deutscher Katholiken „Die Christen und der Krieg in Vietnam“ (1969) zu lesen, in welchem das unsägliche Wegschauen der westdeutschen Bischöfe von den Opfern dokumentiert ist: „Es steht den deutschen Bischöfen und dem deutschen Volk nicht zu, sich zum Richter über kriegführende Parteien aufzuwerfen“.[48] Dazu passend das Bild eines Besuchs vom New Yorker Kardinal Francis Spellman bei den von ihm als „Soldaten Christi“ gerühmten Truppen der USA in Vietnam, der das monströse Einverständnis der antikommunistischen katholischen Hierarchie mit dem mörderischen Krieg gegen das vietnamesische Volk demonstrierte. Kardinal Spellman gehört zu den bekanntesten katholischer antikommunistischen Kriegsaposteln. Von solchen Priestern sagt schon die Bibel, sie hätten das Wesen des Tempels verdorben und sich darauf verlegt, Gewinne zu machen („Ihr aber habt daraus eine Räuberhöhle gemacht“).[49] Spellman war nicht allein, ein Präsident der Niagara-Universität Father Kenneth f. Slattery (1941–2009) hat die Bombardierung und Vergiftung der nordvietnamesischen Kinder Frauen und Männer durch die USA als ein „Liebeswerk internationalen Ausmaßes“ charakterisiert. Das International War Crimes Tribunal, dessen Ehrenpräsident Bertrand Russell (1872–1970) war, stellte fest, dass die Auffassung von Slattery in der katholischen Kirche Verbreitung fanden und von der katholischen Kirchenzeitung in Mainz zustimmend wiedergegeben wurde.[50] Im Februar 1966 hat der „National Catholic Reporter“ 225 US-Bischöfe angeschrieben und um Stellungnahme zum Vietnamkrieg gebeten. Sechs Antworten gingen ein, drei waren vertraulich, die anderen drei unterstützten die Regierung.[51] Dabei ist zu beachten, dass in der katholischen Kirche der Einfluss des Apparats sehr groß ist. Was christliche Parteinahme bedeutet, zeigen Texte in dem im August 1971 in deutscher Sprache publizierten, zuerst in den USA von Ph. Berrigan veröffentlichten Buch „Christen gegen die Gesellschaft. US-Priester im Gefängnis“.[52]

1973 ist das Jahr des faschistischen Putsches in Chile (11. September). Eine Woche nach diesem von Einrichtungen der USA angeleiteten Putsch singen der Kardinal von Santiago, begleitet vom Apostolischen Nuntius, im Chor mit den Henkern des Volkes das „Tedeum“, während in den Gefängnissen christliche Arbeiter getötet und gefoltert werden.[53] In der Deutschen Demokratischen Republik ist 1973 das Dokumentarstück „Der Prozeß gegen die neun von Catonsville“ in zwei Büchern abgedruckt worden. Im Februar 1973 wurde es im Berliner Verlag Volk und Welt zusammen mit anderen amerikanischen Stücken aus den Jahren 1961 bis 1972 veröffentlicht („Die Mannschaft“ von Jason Miller (1939–2001), „Vorbei sind die Tage“ von Ossie Davis (1917–2005), „Schwarzen Mannes Leben zelebrierend“ von Lonne Elder III (1927–1996), „Indianer“ von Arthur Kopit (*1937), „Wir bombardieren Regensburg“ von Joseph Heller (1923–1999), „Das Schloss im Sand oder Es steht ein Wirtshaus in der Stadt oder Harry kann tanzen“ von Lanford Wilson (1937–2011) und „Wer hat Angst vor Virginia Woolf?“ von Edward Albee (1928–2016). Auf dem Schutzumschlagtext wird begründet, dass die Stückeschreiber „die Lebenslügen, die Enttäuschungen und Befürchtungen, das Unbehagen des modernen Amerikaners mit unterschiedlicher Intensität und Klarheit, unter Verwendung vielfältiger dramaturgischer Mittel und Formen auf die Bühne gebracht (haben)“. Es seien neue dramatische Ausdrucks- und Kommunikationsmöglichkeiten, „ihre Werke sind ernstzunehmende Versuche, das >massive etablierte Chaos> (D. Berrigan) des Kapitalismus aufzudecken.[54] Der Union Verlag Berlin konnte Daniel Berrigan als Autor des Taschenbuches „Wir streuen dem Mars keinen Weihrauch“ vorstellen. Der wissenschaftliche Mitarbeiter beim Hauptvorstand der Christlich-Demokratischen Union Carl Ordnung (1927–2012) hat zum Dokumentarstück passende kleinere Textauszüge (Die Passion Dietrich Bonhoeffers ins Deutsche übertragen von Carl Ordnung; Eine geistige Geographie; Verzeiht, dass wir Personalakten statt Kinder verbrennen, Meditation aus Catonsville; Der Prozess gegen die neun von Catonsville; Aufzeichnung einer Diskussion, die im Anschluss an das Dokumentarstück im Fernsehen der DDR gesendet wurde; Nachwort) zusammengestellt, was der Verlagsgutachter und Leiter der wissenschaftlichen Arbeitsgruppe beim Staatssekretariat für Kirchenfragen von Horst Dohle (*1935) befürwortet hat. Auf der Rückseite des Taschenbuchs wird die Publikation begründet: „Für die Berrigans ist ein Christ, der nicht gegen Unterdrückung, Ausbeutung und Völkermord aufsteht, unglaubwürdig. Sie provozierten den Beweis, dass glaubwürdiges Christsein in den USA wie ein Verbrechen verfolgt wird“. [55] Die Aufführung eines von Hans-Erich Korbschmitt (1913–2001) inszenierten Fernsehspiels im DDR-Fernsehen am 2. April 1972 ist dieser Publikation vorausgegangen. Im Anschluss an den gezeigten Fernsehfilm fand eine gesendete Diskussion statt, an der Beatrice Johnson (*1907) als Berliner Korrespondentin der „Daily World“ (USA), der Berliner Universitätsrektor und Amerikanist Karl Wirzberger (1925–1976), Carl Ordnung, der herausragende Journalist Horst Schäfer (1930–2020) und der Rundfunkkommentator Arno Friedmann (*1923) teilgenommen haben.[56] Johnson hat seit den 1950er Jahren versucht, der vom Westfernsehen infizierten Bevölkerung der DDR die in den USA herrschende terroristische Staatsgewalt deutlich zu machen. Am 6. Januar 1953 hat sie im Berliner Friedrichspalast über die internationale Solidarität für die von der US-Justiz zum Tode verurteilten Julius Rosenberg (1918–1953) und Ethel Rosenberg (1915–1953) gesprochen.[57] Internationale Proteste, darunter von Albert Einstein (1879–1955) und von Papst Pius XII. (1876–1958), konnten die Hinrichtung am 19. Juni 1953 nicht verhindern, Präsident Dwight D. Eisenhower (1890–1969) hatte eine Begnadigung abgelehnt.[58] Johnson nahm Bezug auf den seit 7. Januar 1972 laufenden Prozess in Harrisburg und fasste zusammen: „Der Nixon-Regierung geht es in diesem Prozess nicht nur darum, die Berrigans und ihre Freunde hinter Gefängnismauern zu bringen. Die gesamte Friedensbewegung, die bereits die Mehrheit im amerikanischen Volk umfasst, soll als eine Vereinigung von Bombenwerfern und Konspiratoren diskriminiert werden. Sie soll gespalten und zum Schweigen gebracht werden. Aber unsere Mitkämpfer aus den Reihen der katholischen Kirche und den anderen Kirchen in den Vereinigten Staaten haben viel gelernt. So wird der Harrisburg-Prozess zu einer Anklage gegen die Regierung. Einer der Angeklagten sagte vor Gericht: Wir sind der Konspiration angeklagt. Wir haben nicht konspiriert, die Regierung hat konspiriert, sie hat konspiriert gegen Zehntausende von amerikanischen Jugendlichen und gegen Hunderttausende von vietnamesischen Jugendlichen, um sie in den Tod zu treiben“. Beatrice Johnson hob hervor, dass Angela Davis (*1944) zuerst in einer schwarzen Kirche ihr Forum gefunden hat. Das sei kein Zufall: „Als die schwarzen Menschen als Sklaven nach Amerika gebracht wurden, hat man ihnen auch die christliche Religion aufgezwungen. Doch der Inhalt und die Sprache der christlichen Religion wurden ihn zum Instrument, ihre Leiden auszudrücken und ihre Unterdrücker anzuklagen“. Neben der schwarzen Kirche hätten, so Johnson, die protestantischen Kirchen in den USA „eine reiche humanistische, besonders pazifistisch geprägte Tradition“, während die katholische Kirche „eine überwiegend reaktionäre Rolle in den Vereinigten Staaten gespielt“ habe. Die Millionen nach den USA eingewanderten katholischen Arbeiter hätten sich auf die Strukturen der Arbeiterklasse ausgewirkt. Die Berrigans sind dafür sicher ein gutes Beispiel, auch Dorothy Day (1897–1980) von der katholischen Zeitung „The Catholic Worker“. Schäfer sah voll Hoffnung auf die Bewegung um die viele Monate in einer kleinen fensterlosen Gefängniszelle in Palo Alto (Kaliforien) seit 13. Oktober 1971 inhaftierte Angela Davis: „Überall schließen sich christliche Gruppen dieser großen, breiten, von der Kommunistischen Partei geführten, besonders afroamerikanischen Bewegung für die Befreiung von Angela Davis und für die Freilassung der politischen Gefangenen in den Vereinigten Staaten zusammen“. Schäfer hatte während eines sechswöchigen US-Aufenthaltes so wie Klaus Steiniger (1932–2016) den Prozess gegen Angela Davis (*1944) beobachtet.[59] 

„Ich beginne“, so D. Berrigan, „diese Niederschrift am 9. April 1970. Seit zwei Stunden bin ich ein steckbrieflich Verfolgter, ein Flüchtling. Ich bin einem Gerichtsurteil nicht nachgekommen, nach dem ich heute einen dreijährigen Gefängnisaufenthalt antreten sollte, weil ich Einberufungsakten zerstörte vor zwei Jahren. Heute jährt sich zum 25. Male der Tod Dietrich Bonhoeffers im KZ Flossenbürg“.[60] Viele Jahre später erinnert sich Ulrike Heider (*1947) wie im Flur von D. Berrigans Zuhause in New York eine hölzerne Statue von Franz Jägerstätter (1907–1943) aufgestellt war. Jägerstätter weigerte sich, für die deutsche Wehrmacht sich mustern zu lassen und wurde deshalb wegen „Wehrkraftzersetzung“ verurteilt und hingerichtet. „Ich wollte nichts Spirituelles“, sagte D. Berrigan zu Ulrike Heider, „mit liebevollem Blick auf seinen Helden, dem er eine Kette mit Peace-Zeichen um den Hals gehängt hat“.[61]

Um die Jahreswende 1970/71 diffamiert der FBI-Direktor J. Edgard Hoover (1895–1972) Ph. Berrigan und D. Berrigan, die beide noch im Bundesgefängnis in Danbury (Connecticut) wegen ihrer Verurteilung in Baltimore einsaßen, als üble kommunistische Verschwörer gegen die USA. Der wegen seiner kriminellen Machenschaften später verurteilte Justizminister John Newton Mitchell (1913–1988) erteilte am 12. Januar 1971 den Auftrag, sechs Nonnen und Priester, unter ihnen Ph. Berrigan, wegen der geplanten Entführung des militärpolitischen und in Europa seit jeher selbst von sozialdemokratischen Parteien hofierten Nixon-Beraters Henry Kissinger (*1923) und anderer staatsfeindlicher Vorhaben anzuklagen. Die bürgerliche Presse der Bundesrepublik bemühte sich, die reine deutsche Nachkriegsseele von solchen christlichen Friedensaktivisten nicht vergiften zu lassen. Iblacker SJ hat Notizen dieser Bourgeoispresse zusammengestellt: Deutsche Tagespost (15./16. Januar 1971): „Terroristengruppe in den USA plante die Entführung Henry Kissingers“; Bild-Zeitung (14. Januar 1971): „Unter den Verschwörern: Vier Priester und eine Nonne“; Rheinische Merkur: (5. März 1971): „erstaunlich“, dass Kardinal Lawrence Joseph Shehan (1898–1984) in Baltimore Verschwörer wie Ph. Berrigan und zwei andere Priester, Joseph Wenderoth und Neil McLaughlin, in seine Diözese aufgenommen habe; Frankfurter Allgemeine Zeitung (16. März 1971): „mutwillig“ war die Zerstörung von Einberufungsbefehlen, die Berrigans seien angeleitet von „Selbstgerechtigkeit“, „moralischer Arroganz“ und „fanatischer Einfalt“. 

Die Düsseldorfer Aufführung wurde im Ruhrgebiet viel diskutiert.[62] Hans Schwab- Felisch (1918–1989), der dabei war, bemerkt, dass gelegentlich bei Stellen, in denen die amerikanische Politik verurteilt wird, „demonstrativer Beifall aus den hinteren Reihen hörbar wurde“, während sich das übrige Parkett schweigend verhaltend habe. Eine Publikumsstimme habe gerufen, das sei „ganz simples DDR-Theater“ (Frankfurter Allgemeine Zeitung 30. August 1971). Die Rheinische Post (4. September 1971) und die Neue Rhein Zeitung berichten (6. September 1971) von einem von der evangelischen Stadtakademie veranstalteten Forumsgespräch im Schauspielhaus, in welchem der katholische Priester Carl Klinkhammer (1903–1997) von der Verpflichtung der Friedensfreunde von Catonsville sprach, „ein Zeichen zu setzen. Ein neues Nürnberg ist fällig für Amerika“. Der „Ruhrkaplan“ Klinkhammer wurde als erster Priester der katholischen Kirche, die gerade ihr Konkordat (20.Juli 1933) mit Adolf Hitler (1889–1945) vorbereitete, wegen seiner antinazistischen Predigten am 21. April 1933 in “Schutzhaft“ genommen.[63] Johannes Rau (1931–2006) ging darauf nicht ein, sondern zeigte, wie es sich für einen Wissenschaftsminister gehört, Literaturkenntnisse, zitierte Ingeborg Bachmann (1926–1973), „Kriege werden nicht mehr erklärt, sondern fortgesetzt“ und drückte seine staatstragenden Bedenken aus, die Haltung von D. Berrigan könne „zur reinen Individualisierung und zur gefährlichen Übertragbarkeit auf alle Gebiete, damit aber zur Zerstörung der demokratischen Spielregeln führen könne“ (Rheinische Post 4. September 1971). Hans Schwab-Felisch meinte in der Diskussion, die „moralischen Kräfte Amerikas“ werden das Land nach Vietnam wieder „in einen besseren Zustand“ versetzen können, G. Johannes Klose widersprach, die USA habe genügend Gelegenheit gehabt, „sich aus dem schmutzigen Vietnam-Krieg herauszuziehen“. In seiner Besprechung (Frankfurter Allgemeine Zeitung 30. August 1971) unterstreicht Hans Schwab-Felisch die Funktion von Richter, Staatsanwalt und Geschworenen: „Sie isolieren den juristischen Tatbestand von seinen politischen, moralischen, geschichtlichen, individualpsychologischen und völkerrechtlichen Hintergründen. So müssen sie, dem Buchstaben des Gesetzes folgend, zu einem Schuldspruch kommen“. Dem Richter sei die Machtfrage gestellt worden, der habe sich ihr gebeugt.

Der Journalist der Frankfurter Rundschau Ulrich Schreiber (1936–2007) überschreibt dort (1. September 1971) seinen Artikel mit „Worte des Vorsitzenden Jesus“. Ganz erstaunlich, wie der als Musikschriftsteller bekannte Schreiber die Analyse von D. Berrigan der Justiz wiedergibt: „Deutlich wird in dem Stück auch, wie hilflos die Justiz diesen Christenmenschen gegenübersteht, in welchem Maße die Rechtssprechung sich zu einem Selbstwert institutionalisiert hat, der die Wahrung der in der amerikanischen Unabhängigkeitserklärung verbrieften Menschenrechte unmöglich macht. So müssen die Geschworenen zu ihrem Schuldspruch kommen, da sie nur die Frage zu beantworten haben, ob sich die Angeklagten staatlichen Eigentums, eben der Einberufungsakten, bemächtigt haben: die Unmenschlichkeit dieses fatalen Einberufungsmechanismus und des Vietnam-Krieges legt außerhalb der Kompetenz eines solchen Gerichts. Aber trotz des Circulus vitiosus – dass die Rechtssprechung, da längst zum Instrument einer Klassenjustiz geworden, nicht die Menschenrechte, sondern die Interessen der Mächtigen schützt, trotz allen schreienden Unrechts bewahrt das Stück jene fast schon seraphische Ruhe, mit der Pater Daniel Berrigan auch die Geschworenen beeindruckt. Wenn die Kanonisation der katholischen Kirche heute noch einen Sinn haben soll, dann müsste ein solcher Mann heiliggesprochen werden“. Papst Franziskus hat in Erinnerung gebracht, dass „heilig“ bedeutet, sich nicht mit einer mittelmäßigen, verwässerten, flüchtigen Existenz zufriedenzugeben.[64]

Die deutsche katholische Hierarchie ließ in ihrer Wochenzeitung Rheinischer Merkur (3. 9. 1971) das Berrigan-Stück durch Heinz Beckmann (1907–1980) besprechen. Mit einem bildungsbürgerlichen Rückgriff auf das mit dem deutschen Jesuiten Jakob Bidermann (1578–1639) konnotierte Jesuitendrama unterstellt Beckmann, D. Berrigan sei bloß einer jener dort dargestellten, dogmatisch gesinnten Menschen, die sich eine „vermeintlich Guten“ eben leisten können, aber „vor dem höchsten Richterthron verworfen“ werden. Dagegen schreibt der spätere Kunsthändler Christian Herchenröder (*1942) im Handelsblatt (3. September 1971), dass die Neun von Catonsville „christlichen Ungehorsam“ praktizierten, es sei einfach keine andere Wahl geblieben, als „durch Aktionen den Blick auf größere Zusammenhänge zu lenken: einen latenten Faschismus, den weltweiten Prestigeverlust der Armee, den Geheimdienst, die Slums und ein hemmungslos agierendes Unternehmertum“. Die 24jährige Ursula Krechel (*1944) gibt in ihrer Rezension (Kölner Stadtanzeiger vom 31. August 1971) das Dilemma kleinbürgerlichen Horizonts wieder. Das Vietnam-Drama bleibe unpolitisch, weil es moralisch argumentiere, es sei nicht mehr als eine “Selbstdarstellung, die Bitte um Verständnis, wo keine Entschuldigung mehr notwendig ist. Ein guter Bürger wendet sich an gute Bürger“. Krechel, die sich als Literatin auf den Weg der Anpassung an die BRD-Verhältnisse machte, resümiert, dass D. Berrigan kein Vertrauen in die Wirkung der eigenen Aktion habe, „sein Vertrauen in die Gerichte, in die Kraft der Argumentation wirken irgendwie hilflos gegenüber der Erfahrung, dass bisher nur Macht und Gewalt Veränderung brachten“.

Die schweizerische Erstaufführung des Catonsville Stückes fand am 28. Oktober 1971 im Zürcher Schauspielhaus unter der Intendanz des durch Inszenierungen von Bertolt Brecht bekannten Harry Buckwitz (1904–1987) und unter der Regie von Gert Westphal (1920–2002) statt. In der Neuen Zürcher Zeitung (30. Oktober 1971) wurde das Stück von I.V., das ist Irma Voser (*1921), erstaunlich freundlich besprochen. Es sei „kein sogenannt antiamerikanisches Stück“, sondern ein „Anti-Vietnam Stück, das sich mit allen Amerikanern solidarisiert, die diesen Krieg verurteilen, und alle jene attackiert, welche ihn bejahen. Bei der radikalen christlichen Haltung des Verfassers ist mit Gewissheit anzunehmen, Vietnam sei ein Exempel, vertauschbar mit allen Orten dieser Erde – in West und Ost -, wo die Eskalation von Gewalt unschuldige Menschenleben fordert“. Der Theaterabend fordere das Gewissen heraus: „Wir sind selber vor ein Gericht zitiert>: Wir sehen unsere gebrechliche Gesellschaft an absoluten ethischen Forderungen gemessen“.[65]

Die österreichische Erstaufführung fand nicht am Wiener Burgtheater, das bis 1966 Bertolt Brecht boykottierte, statt, sondern am 11. März 1972 unter der Regie von Klaus-Dieter Wilke (*‘1944) an dem vom Zürcher Bruno Felix (1934–2013) geleiteten Theater für Vorarlberg in Bregenz.[66] Das Bregenzer Programmheft druckt aus den veröffentlichten Pentagon Papieren eine Ermunterung des auf den Philippinen stationierten US-Generals Maxwell D. Taylor (1901–1986) an Kennedy ab, sich vor einen Einsatz der US-Streitkräfte nicht zu scheuen, weil Nordvietnam „durch konventionelle Bombardierung äußerst verwundbar“ ist. Im Stück spricht D. Berrigan: „Der Sinn des Luftkrieges im Norden war planmäßige systematische Zerstörung“. Nicht abgedruckt wird die in den Pentagonpapieren enthaltene direkte Aufforderung an den US-Präsidenten, unverzüglich eine militärische Sondertruppe einzusetzen, eine solche bringe bestimmt mehr Vorteile als Risiken und Schwierigkeiten mit sich.[67] Der in der studentischen Bewegung Westdeutschlands prominente Pastor Klaus Reblin (*1932) gab für die Katholiken die Interpretation, es sei für das Christentum notwendig aufzubrechen: „Das Christentum hat sich häufig zur geistigen Untermauerung und zur ideologischen Überhöhlung bestehender und am Ende doch vergehender, weil inhumaner Gesellschaftsordnungen und Herrschaftsverhältnisse hergegeben“. Um nicht zu viel revolutionären Geist anzusprechen, meinte Reblin, Gesellschaftsveränderung sei „ein relativer Begriff – relativ, bezogen auf die Forderung nach größerer Humanität, nach mehr sozialer Gerechtigkeit“. Immerhin, der christliche Glaube „glaubt an die Veränderbarkeit unserer Welt“.Für die Vorarlberger Nachrichten (13. März 1972) gestaltete sich diese österreichische Erstaufführung „zu einer ernsten Mahnung, einem eindringlichen Aufruf, Unterdrückung, Ausbeutung und Krieg nicht kritiklos hinzunehmen, sondern mit allem Einsatz dagegen anzukämpfen“. Nach den Aufführungen – es gab fünf Normalvorstellungen und zwei Gewerkschaftsvorstellungen – fanden im Theater Publikumsdiskussionen statt.[68] 


[1] Hermann Klenner: Ethnische Minderheiten im Völkerrecht. Sitzungsberichte der Leibniz-Sozietät, Bd. 44 (2001), S. 55–63, hier S. 55.

[2] Karl Marx: Bemerkungen über die preußische Zensurinstruktion. In: MEW 1 (1972), S. 3–25, hier S. 7.

[3] Theodor W. Beine: Berrigan, Daniel Joseph. In: Biographisch-Bibliographisches Kirchenlexikon. Band 39 (Ergänzungsband). Verlag Traugott Bautz GmbH Nordhausen 2018, Sp. 70- 170 (umfassende Literaturangaben); vom Autor die dort auch zitierte Arbeit: Friedensbewegung und Befreiungstheologie. Marxistische Fragmente zum Bedenken an den Friedenskämpfer Daniel Berrigan SJ (1921–2016). trafo Verlag Berlin 2016. 

[4] Vgl. Jon Sobrino: Der Preis der Gerechtigkeit. Briefe an einen ermordeten Freund. Ignatianische Impulse. Echter Verlag Würzburg 2007.

[5] Antonio Sparado: Das Interview mit Papst Franziskus. Herder Verlag Freiburg / Basel / Wien2013, S. 73: „Ich habe leider Philosophie in Handbüchern des dekadenten Thomismus studiert. Beim Nachdenken über den Menschen muss die Kirche die Genialität suchen und nicht die Dekadenz“.

[6] Renate Wind: Bis zur letzten Konsequenz. Die Lebensgeschichte von Camilo Torres. Beltz & Gelberg, Weinheim 1994.

[7] Hildegard Lüning (Herausgegeben): Mit Maschinengewehr und Kreuz oder Wie kann das Christentum überleben? Rowohlt Taschenbuch Verlag Reinbek bei Hamburg 1971, S. 83.

[8] Papst Franziskus: Fratelli tutti. Enzyklika über die Geschwisterlichkeit und die soziale Freundschaft. Patmos Verlag Ostfildern 2020, 258.

[9] Papst Franziskus: Zeugnis geschwisterlicher Liebe. Ansprache am 5. März 2021. L’Osservatore Romano vom 12. März 2021 (Wochenendausgabe). 

[10] Papst Franziskus: Justiz im Dienst am Menschen. Ansprache vom 15. November 2020. L’Osservatore Romano vom 14. Februar 2020 (Wochenausgabe in deutscher Sprache). 

[11] Gaudium et spes (vatican​.va), Nr. 80

[12] Theodor W. Beine: Berrigan, Philip Francis. In: Biographisch-Bibliographisches Kirchenlexikon. Band 39 (Ergänzungsband). Verlag Traugott Bautz GmbH Nordhausen 2018, Sp. 170–200 (umfassende Literaturangaben!).

[13] Klaus Steiniger: CIA, FBI & Co. Das Kartell der US-Geheimdienste. Vor- und Nachwort: Rainer Rupp. Das Neue Berlin, Berlin 2008.

[14] Philip Berrigan: Christen gegen die Gesellschaft, S. 11 f. 

[15] Lexikon der Antike. Hg. von Johannes Irmscher in Zusammenarbeit mit Renate Johne. Gondrom Verlag, Bindlach 8. A. 1987, S. 526 f.; Helmut Seidel: Von Thales bis Platon. Vorlesungen zur Geschichte der Philosophie. Dietz Verlag Berlin 1987, S. 151–178 (Sokrates und das permanente Problem der Begründung der Tugend). 

[16] Karl Marx: Debatten über das Holzdiebstahlgesetz. MEW 1 (1972), S. 109–147.

[17] Vgl. Karl Marx / Friedrich Engels: Die deutsche Ideologie. Kritik der neuesten deutschen Philosophie in ihren Repräsentanten Feuerbach, B. Bauer und Stirner und des deutschen Sozialismus in seinen verschiedenen Propheten. MEW 3 (1969), hier bes. S. 311–313. 

[18] Hermann Klenner: Marxismus und Menschenrechte. Akademie Verlag Berlin 1982, S. 137.

[19] Zitiert nach Heribert Ostendorf, Heino ter Veen: Das „Nürnberger Juristenurteilt“. Eine kommentierte Dokumentation. Campus Verlag Frankfurt a. M. 1985, S. 78 f.

[20] Hermann Klenner: Der Marxismus-Leninismus über das Wesen des Rechts (= Grosse Schriftenreihe des Deutschen Instituts für Rechtswissenschaft VI). Zweite, überarbeitete Auflage. VEB Deutscher Zentralverlag Berlin. Berlin 1955, S. 93 f.

[21] Daniel Berrigan: Wir streuen dem Mars keinen Weihrauch. Union Verlag (VOB) Berlin 1. A. 1973, S. 47. Dort S. 59–113 Wortlaut von „Der Prozeß gegen die neun von Catonsville“. Deutsch von Jan Lustig. Für die Bühne eingerichtet von Saul Levitt.

[22] Jon Sobrino: A Letter from Your Brother. In: Apostle of Peace. Essays in Honor of Daniel Berrigan. Edited by John Dear. Maryknoll. New York 1996, S. 153–157.

[23] DRAM_a_00750 (mitpressjournals​.org); Benjamin Hallgan: „This Is Father Berrigan Speaking from the Underground“. Daniel Berrigan SJ and the Conception of a Radical Theatre. 2018​.New York University and the Massachusetts Intitute of Technology. 

[24] Gregory Peck Goes to Catonsville – The New York Times (nytimes​.com)

[25] Kursbuch. Band I, 1–10, 1965–1967, S. 142–167.

[26] Rolf Hochhuth: Spitzen des Eisbergs. Betrachtungen. Dialoge, Essays. Skizzen. Verlag Volk und Welt. Berlin 1987, S. 218. 

[27] Noam Chomsky: Rebellion oder Untergang! Ein Aufruf zu globalem Ungehorsam zur Rettung unserer Zivilisation. Aus dem Englischen von Michael Schiffmann. Westend Verlag Frankfurt a. M. 2021, S. 51 f.

[28] Angela Davis: Mein Herz wollte Freiheit. Eine Autobiographie. dtv München 1977, S. 169

[29] Martin Luther King: Schöpferischer Widerstand. Reden. Aufsätze. Predigten. Herausgegeben von Heinrich W. Grosse. Gütersloher Verlagshaus Gerd Mohn. Gütersloh 1980, S. 65. 

[30] Lenin Werke 5 (1978): Was Tun? Brennende Fragen unserer Bewegung. S. 355–579, hier S. 379

[31] Lukas 2, 34, 35: Und Simeon segnete sie und sagte zu Maria, der Mutter Jesu: Dieser ist dazu bestimmt, dass in Israel viele durch ihn zu Fall kommen und viele aufgerichtet werden und er wird ein Zeichen sein, dem widersprochen wird“. 

[32] Lenin Werke 8 (1975), S. 53–57, hier S. 56.

[33] MEW 1, S. 145.

[34] Max Frisch: Stich-Worte. Ausgesucht von Uwe Johnson. Suhrkamp Verlag Frankfurt a. M. 1975, S. 130 f.

[35] Zuletzt: Daniel Berrigan: The Trial of the Catonsville Nine. Fordham University Press. New York 2004.

[36] Karl Heinz Stroux. Eine Dokumentation des Düsseldorfer Schauspielhauses und des Dumont-Lindemann Archivs anläßlich der Karl-Heinz-Stroux-Ausstellung zu seinem achtzigsten Geburtstag am 25. Februar. Düsseldorf 1988, Zitat S.153 (Vortrag von Karl Heinz Stroux: Die Situation des Deutschen Theaters vor dem Arbeitgeberverband 1959 S. 140–147. 

[37] Der amerikanische Prototyp moderner Militärtribunale | NZZ

[38] Peter Weiss: Die Ermittlung. Oratorium in elf Gesängen. Im Bertelsmann Lesering. Suhrkamp Verlag Frankfurt a. M. 1965; auch Peter Weiss: Diskurs über die Vorgeschichte und den Verlauf des lang andauernden Befreiungskrieges in Viet Nam als Beispiel für die Notwendigkeit des bewaffneten Kampfes der Unterdrückten gegen ihre Unterdrücker sowie über die Versuche der Vereinigten Staaten von Amerika die Grundlagen der Revolution zu vernichten. Rütten & Loening, Berlin 1968. 

[39] Vgl. Horst Kant: J. Robert Oppenheimer. Teubner Verlagsgesellschaft Leipzig 1985, S. 149 f.

[40] Vgl. Herbert Hörz: Marxistische Philosophie und Naturwissenschaften. Akademie Verlag Berlin 1974.

[41] Berliner Zeitung vom 21. März 1968

[42] Stephan Hermlin: Aufsätze. Reportagen. Reden. Interviews. Fischer Tb. Frankfurt a. M. 1983, S. 177–185, hier S 185.

[43] Imba Verlag Freiburg i. Ue. 1971. Aus d. Amerik. übers. v. Heinz-Theo Arntz [u.a.]. Format 13 cm (Originaltitel: Quotations from chairman Jesus).

[44] Worte des Vorsitzenden, S. 52.

[45] Friedrich-Martin Balzer (Hg.): Justizunrecht im Kalten Krieg. Die Kriminalisierung der westdeutschen Friedensbewegung im Düsseldorfer Prozess 1959/60. Mit einer Einleitung von Heinrich Hannover. Beträge von Walther Ammann, Frieden-Martin Balzer, Walter Diehl, Heinrich Hannover, Rudolf Hirsch, Friedrich Karl Kaul, Diether Posser und Denis Noel Pritt. PapyRossa Verlag Köln 2006.

[46] Corpus Books Washington 1968.

[47] W. I. Lenin: Zwei Taktiken der Sozialdemokratie in der demokratischen Revolution. Werke Dietz Verlag Berlin, 8. A. 1982, Band 9, S. 1–130, hier S. 76.

[48] Die Christen und der Krieg in Vietnam. Ein Memorandum deutscher Katholiken. Herausgegeben vom Bensberger Kreis Matthias Grünewald Verlag Mainz 1969, S. 102. 

[49] Markus 11, 17. Die Bibel. Einheitsübersetzung der Heiligen Schrift. Verlag Katholisches Bibelwerk Stuttgart 12. A. 2015.

[50] Bertrand Russell: Plädoyer für einen Kriegsverbrecherprozeß. Manifest zum Vietnamkrieg. Ein Interview mit Jean-Paul Sartre. Voltaire Verlag Berlin 1968, S. 61.

[51] Die Christen und der Krieg in Vietnam. Ein Memorandum, S. 85.

[52] Christen gegen die Gesellschaft. US-Priester im Gefängnis mit Briefen von Daniel Berrigan. Leicht gekürzte und um Briefe von Daniel Berrigan und anderen Dokumenten ergänzte, ins Deutsche übertragen von Hubert Deymann und David Harris rororo aktuell. Reinbek bei Hamburg. 1971. US- Fassung Prison Journals of a Priest Revolutionary. Holt, Rinehart & Winston, New York 1970.

[53] Vgl. z. B. Giulio Girardi: Unfehlbar faschistisch? Der Papst und Chile. Neues Forvm Heft 240 (1973), S. 30 f.

[54] Verlag Volk und Welt Berlin. 1. A. 1973. Herausgegeben und mit einem Nachwort versehen von Hans Petersen.

[55] Union Verlag Berlin 1973. 132 S.

[56] Berrigan, Wir streuen dem Mars keinen Weihrauch, S. 115–124.

[57] Neues Deutschland vom 4. Januar 1953.

[58] Vgl. apropos Ethel Rosenberg. Mit einem Essay von Stefana Sabin. Verlag Neue Kritik 1996.

[59] Vgl. Klaus Steiniger: Angela Davis. Eine Frau schreibt Geschichte. neues leben Berlin 2010. Im Vorwort Angela Davis an Steiniger: „Abschließend möchte ich Klaus Steiniger meine tiefe Dankbarkeit für sein Lebenswerk und seinen Einsatz für die Sache der Freiheit ausdrücken. Ich bin sehr glücklich, dass er als Journalist und Anwalt für weltweite Gerechtigkeit auch mich unterstützt hat“ (S. 13). 

[60] Berrigan, Wir streuen dem Mars keinen Weihrauch, S. 5.

[61] Ulrike Heider: Militanz für den Frieden. Die pazifistischen Sabotagen der Brüder Berrigan. NZZ vom 25. September 2000.

[62] Das Theatermuseum Düsseldorf war so freundlich, gesammelte Unterlagen zur Verfügung zu stellen. Frau Sigrid Arnold herzlichen Dank!

[63] Bruno Kammann: Carl Klinkhammer. Ruhrkaplan, Sanitätssoldat und Bunkerpastor 1903–1997. Klartext Verlag Essen 2001.

[64] Apostolisches Schreibern Gaudete et Exsultate. 19. März 2018. Deutsche Bischofskonferenz Bonn 2018, S.6.

[65] Diese Besprechung hat Irma Voser in ihrem Band „Theater kritisch gespiegelt“ nicht aufgenommen. Ammann Verlag Zürich 1985.

[66] Dem Archiv des Landestheaters Bregenz schönen Dank für die Übermittlung des Programmheftes!

[67] Pentagon Papiere Nr. 26: General Taylor an Präsident Kennedy am 1. November 1961. Die Pentagon-Papiere. Die geheime Geschichte des Vietnamkrieges. Herausgegeben von Neil Sheehan. Droemer Knaur. München / Zürich 1971, S. 136–139

[68] Theater für Vorarlberg. Saison 1972–1973, S. 14–17 (Rückblick auf die letzte Saison)

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