HomeFeuilletonGeschichteVor 30 Jahren: Staatskomitee zur Rettung der UdSSR scheitert

Vor 30 Jahren: Staatskomitee zur Rettung der UdSSR scheitert

Am 19. August 1991 kommt es in Moskau zum so genannten „Augustputsch“ gegen Gorbatschow, doch die linken Kräfte der KPdSU verlieren den Kampf um den Sozialismus.

Moskau. Von 19. bis 21. August 1991 scheiterte der letzte Versuch, die Sowjetunion und den Sozialismus in deren Grenzen zu retten: Führende Regierungsmitglieder und KPdSU-Funktionäre bildeten das „Staatskomitee für den Ausnahmezustand“ (Государственный комитет по чрезвычайному положению, GKTschP), um die in Gang gesetzte Entwicklung der Konterrevolution und der Auflösung der UdSSR zu stoppen. Und dieses GKTschP war prominent besetzt, ihm gehörten u.a. an: Gennadi Janajew, Vizepräsident der UdSSR, Premierminister Walentin Pawlow, Verteidigungsminister Dmitri Jasow, Innenminister Boris Pugo, Anatoli Ljukanow, Vorsitzender der Obersten Sowjets, sowie KGB-Leiter Wladimir Krjutschkow. Es waren somit Weggefährten und Regierungskollegen von Präsident Michail Gorbatschow, die dessen Zerstörungswerk nicht mehr mittragen wollten: Sie erklärten ihn für des Amtes enthoben und seinen Stellvertreter Janajew zum amtierenden Staatschef. Dies wurde dadurch erleichtert, dass sich Gorbatschow zu dieser Zeit im Urlaub auf der Krim befand.

Doch der verzweifelte Versuch der linken Kräfte in der KPdSU hatte keinen Erfolg: Dem russischen Präsidenten Boris Jelzin, der eigentlich nur für diese Teilrepublik zuständig war, gelang es, die Umgestaltung an der Staatsspitze der UdSSR als illegitimen Putsch darzustellen und durchaus eine relevante Zahl an Menschen und Militäreinheiten dagegen zu mobilisieren. Von symbolischer Kraft war hierbei seine Rede auf einem erklommenen Panzer vor seinem Amtssitz, dem Weißen Haus in Moskau. Diese Bilder gingen propagandistisch um die Welt – und sie beförderten die in westlichen Medien gerne aufgenommene Story des „Augustputsches“ gegen Gorbatschow, der von unverbesserlichen Kommunisten, ja Stalinisten unternommen worden wäre. Die Wahrheit ist, dass es Janajew, Jasow und ihren Genossen um eine Beendigung des schleichenden Umsturzes in der Sowjetunion ging, um den Erhalt ihrer territorialen Integrität und v.a. ihres sozialistischen Gesellschaftssystems – insofern ist es freilich kein Wunder, dass die bürgerliche (und sozialdemokratische) „Geschichtsschreibung“ und Medienpropaganda in diesem Versuch ein Verbrechen sehen. Denn die Konterrevolution, die Vernichtung der UdSSR und die Abschaffung des Sozialismus müssen aus deren Sicht ja per se eine gute und gerechte Sache sein.

Allerdings muss man sagen, dass die (ohnedies nicht allzu ausgefeilten und entschlossenen) Bemühungen des GKTschP zum Zeitpunkt im August 1991 bereits zum Scheitern verurteilt waren: Die konterrevolutionären Umstürze in den mittel- und osteuropäischen sozialistischen Staaten waren schon erfolgt, Gorbatschows „Glasnost“ und „Perestroika“ hatten ihre antisozialistische strategische Wirkung entfaltet, antikommunistische Kräfte hatten bereits die Oberhand gewonnen. Und so waren auch die sowjetische Armee und die Polizei zu relevanten Teilen nicht mehr bereit, den eigenen Staat zu beschützen – sie beschützten stattdessen die Konterrevolution und die Interessen des imperialistischen Westens, beschönigt durch allerlei Freiheits- und Demokratie-Gefasel. Binnen drei Tagen war die revolutionäre Rettungsaktion des GKTschP beendet: Die Komiteemitglieder wurden verhaftet und zu Gefängnisstrafen verurteilt, die „Ordnung“ der konterrevolutionären Transformation wiederhergestellt. Mehr noch: Die Niederlage der Kommunisten beschleunigte in den folgenden Monaten das Ende der UdSSR. Jelzin, der nun alle Macht an sich zog, verbot die Kommunistische Partei in Russland, Gorbatschow wurde zum Präsidenten ohne Macht – und bald ohne Land.

Der Rest ist bekannt: Zum Jahresende 1991 wurde die Sowjetunion, gegen den in einem Referendum geäußerten Wunsch der Bevölkerung, formell aufgelöst, nachdem zuvor bereits alle Unionsrepubliken Unabhängigkeitserklärungen abgegeben hatten. In Russland und allen anderen Nachfolgestaaten kam es zur kapitalistischen Restauration, zu antikommunistischen Repressionen, zur Machtübernahme durch die neuen Eliten. 74 Jahre nach der Großen Sozialistischen Oktoberrevolution und 69 Jahren nach der Gründung der UdSSR war die größte internationale Errungenschaft der revolutionären Arbeiterbewegung Geschichte. Doch zu Ende ist die Geschichte keineswegs: Die sozialen und ökonomischen Verwerfungen des Kapitalismus und Imperialismus, die deren falsche Versprechungen aufdecken, sind in Russland, der Ukraine und den anderen ehemaligen Sowjetrepubliken allgegenwärtig – der nächste Anlauf zur revolutionären Befreiung von Ausbeutung, Unterdrückung und Krieg durch den Sozialismus wird unweigerlich folgen.

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