HomeFeuilletonGeschichteVor 500 Jahren: Ende der Comuneros-Rebellion in Spanien

Vor 500 Jahren: Ende der Comuneros-Rebellion in Spanien

Am 25. Oktober 1521 kapitulierte mit Toledo die letzte von den Comuneros gehaltene Stadt vor der königlichen Übermacht. Der bürgerliche Aufstand gegen den Habsburger Karl V. scheiterte.

Die königliche Residenzstadt Toledo war Ausgangs- und Endpunkt des historischen Aufstandes der Kommunen von Kastilien gegen die Herrschaft der Habsburger: Hier begann am 16. April 1520 die Rebellion, hier endete sie am 25. Oktober 1521 durch die Kapitulation der verbliebenen Kämpfer. Damit war die unumschränkte Hoheit von Kaiser Karl V. als König über Kastilien, León und Aragón gesichert, das städtische Bürgertum und ihre Verbündeten mussten die Segel streichen.

Dass es überhaupt zur Rebellion kam, war den Verhältnissen geschuldet: Der König, der 1519 als Erzherzog von Österreich auch zum römisch-deutschen Kaiser gewählt worden war, befand sich fern der iberischen Halbinsel und hinterließ die spanischen Besitzungen unter der Verwaltung des Statthalters Adrian von Utrecht, des späteren Papstes Hadrian VI. Gleichzeitig wurden trotz wirtschaftlicher Krise die Steuern deutlich erhöht, um einerseits die Kriegs- und Kolonialbemühungen zu finanzieren, andererseits war Karl V. auch hoch verschuldet bei Jakob Fugger, der ihm die Kaiserwürde quasi „erkauft“ hatte. Das städtische Bürgertum Kastiliens war unter diesen Bedingungen nicht mehr bereit, die weitere Auspressung des Landes bei gleichzeitig mangelnder politischer Bedeutung der Ständeversammlung (Cortes) hinzunehmen – es begann den militärischen Aufstand.

Zunächst, im Frühjahr 1520, gelang es den Rebellen, Adrian aus Toledo zu vertreiben und als „Heilige Junta“ (Santa Junta de las Comunidades) unter Juan de Padilla die faktische Regierungsgewalt zu übernehmen. Immer mehr Städte schlossen sich an oder wurden erobert – darunter Madrid, Salamanca oder Valladolid –, lediglich der Süden blieb königstreu. Auch gesellschaftlich weitete sich die Rebellion aus: Einzelne Geistliche, aber v.a. Bauern, Handwerker und städtische Unterschichten wurden in die Comuneros-Armee integriert. Diese Elemente sorgten aber auch für eine Radikalisierung und sozialrevolutionäre Ansätze, die schließlich den wankelmütigen kastilischen Adel veranlassten, sich auf die Seite des unbeliebten Habsburger-Königs zu stellen: Die Aristokraten fürchteten um ihre Privilegien und den Feudalbesitz.

Mit Hilfe neuer Truppen, die kaiserlicherseits auch aus Flandern, deutschen Ländern, Österreich und Italien rekrutiert wurden, ging Karl V. in die Offensive. Im Februar 1521 erlitt er bei Torrelobaton nochmals eine heftige Niederlage gegen Juan de Padilla, doch dann wendete sich das militärische Blatt: Am 23. April erfolgte mit dem Sieg in der Schlacht bei Villalar der entscheidende Schlag gegen die Comuneros, viele ihrer Anführer fielen, andere, wie Padilla, wurden gefangengenommen und hingerichtet. Doch die Rebellen waren nur scheinbar führerlos, denn Padillas Witwe María Pacheco übernahm die Organisierung der Verteidigung Toledos, der letzten Stadt, die noch von den Comuneros gehalten wurde. Schließlich kam es jedoch nicht mehr zum Endkampf um Toledo, da Pacheco von weiterem Blutvergießen absah: Die Lage war aussichtslos, weswegen sie bei Zusicherung der körperlichen Unversehrtheit der übrigen Aufständischen in die Kapitulation einwilligte und anschließend ins portugiesische Exil ging – dies geschah vor 500 Jahren, am 25. Oktober 1521. Damit war der Aufstand der Comuneros endgültig gescheitert, ein leichtes Aufflackern zu Jahresbeginn 1522 blieb folgenlos.

Kaiser Karl V. hatte damit seine ausgedehnte Macht auch in Spanien konsolidiert, in seinem Weltreich ging bekanntlich „die Sonne niemals unter“, denn es reichte von Lateinamerika bis Osteuropa. Spanien blieb bis zu Beginn des 18. Jahrhunderts unter Herrschaft des entsprechenden Zweiges der Habsburger (Casa de Austria), erst mit dem Erbfolgekrieg 1701–1714 wechselte die Dynastie. Einen unnötigen König gibt es in Spanien bis heute, wenngleich die Bourgeoisie nun natürlich die politische Macht ausübt. Der nächste Aufstand in Spanien wird jener der revolutionären Arbeiterklasse sein müssen, der sich sowohl gegen die Monarchie als auch die bürgerliche Herrschaft richtet.

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