Start Feuilleton Kultur Josefstadt-Direktor will nicht „Blockwart der Regierung“ sein

Josefstadt-Direktor will nicht „Blockwart der Regierung“ sein

Theaterdirektor Herbert Föttinger möchte keine Publikumstests durchführen und spart nicht mit Kritik an der Corona-Politik der österreichischen Bundesregierung.

Wien. Herbert Föttinger, Direktor des traditionsreichen Theaters in der Josefstadt, kritisiert die vorgesehenen Corona-Maßnahmen der Bundesregierung im Kulturbereich mit deutlichen Worten und will sein Publikum nicht nach negativen Testergebnissen überprüfen. „Ich bin nicht der Blockwart der Bundesregierung. Ich bin der festen Überzeugung, dass ich das Publikum nicht selektieren darf und vor allem will ich es nicht selektieren“, sagt der 59-jährige Regisseur und Schauspieler, der die Josefstadt 2006 von Helmuth Lohner übernommen hatte. Er sei dem Aufruf an die Menschen verpflichtet, die lautet: „Kommt alle rein!“. Föttinger lehnt es ab, „eine Auswahl zu treffen, wer dieses Theaters würdig ist und wer nicht. Wir werden ganz sicher niemanden nach einem Testbeleg fragen, geschweige denn nach einem Impfpass.“ Nach seiner Ansicht sollen aber nicht nur vom Theaterpersonal keine Überprüfungen durchgeführt werden, sondern auch etwaige Polizeieinsätze sieht Föttinger im Interview mit dem „Kurier“ skeptisch: „Stellen Sie sich vor, vor der Vorstellung kommen zehn Polizisten und fragen die Menschen nach dem Impfpass! Bei dieser Vorstellung wird mir übel!“

Darüber hinaus entlarvt der Josefstadt-Direktor die Regierungsstrategie auch in ihrem Gesamtplan: Mit der Öffnung der Kulturbetriebe solle offensichtlich zunächst eine Testpflicht für die Bevölkerung erzwungen werden, der wiederum weitere Schritte folgen würden: „Es ist einerseits sehr durchschaubar“, meint Föttinger, „dass es sich um einen Probelauf für eine indirekte Impfpflicht handelt. Andererseits ist es eine Form der Nötigung, deren Umsetzung aus Angst um den Imageverlust an die Theaterdirektoren weitergegeben wird.“ Er werde sicher nicht derjenige sein, der eine derartige Überwachung exekutieren werde. Föttinger verweist außerdem darauf, dass – während die Regierung beim Schutz der Schwächsten und der Vermeidung von Todesfällen versagt hätte – die Theater schon seit Monaten funktionierende Präventions- und Sicherheitskonzepte entwickelt hätten und dementsprechend auch kein einziger Corona-Cluster rund um eine Aufführung bekannt sei. Kulturstaatssekretärin Andrea Mayer (Grüne) schlägt er vor, „bis 1. März geschlossen zu halten oder mit 150 statt 250 Besuchern zu spielen. Ökonomisch ist das eh schon wurscht. Es ist eine Katastrophe.“ Im schlimmsten Fall drohe seinem Theater der Ruin, erklärt Föttinger abschließend: Wenn die Einnahmenausfälle nicht ersetzt werden, „muss die Josefstadt zusperren.“

Quelle: APA-OTS

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