HomeFeuilletonKulturNöstlinger-Ausstellung eröffnet im Karikaturmuseum Krems

Nöstlinger-Ausstellung eröffnet im Karikaturmuseum Krems

Krems. Heute, Samstag, 13. November wird im Karikaturmuseum Krems bei freiem Eintritt die Ausstellung „Christine Nöstlinger und ihre Buchstabenfabrik“ eröffnet, die bis zum 6. März kommenden Jahres zu sehen sein wird.

Lange bevor sich der Begriff des Mobbings etabliert hatte, behandelte die Kinderbuchautorin Christine Nöstlinger (1936–2018) die Themen Ausgrenzung und Gewalt mit dem notwendigen Fingerspitzengefühl in ihrem Kinderbuch-Klassiker „Die feuerrote Friederike“. In ihrem Erstlingswerk, das 2020 seinen 50.Geburtstag feierte, wehrt sich das Mädchen mit den feuerroten Haaren und Sommersprossen auf den Wangen mit Zauberkräften gegen die Demütigungen ihrer Mitschülerinnen und Mitschüler. Auf Anhieb ein großer Erfolg und 1972 mit dem Friedrich-Bödecker-Preis ausgezeichnet, läutete die österreichische Autorin mit ihrer „Feuerroten Friederike“ eine neue Bewegung innerhalb Österreichs Kinder- und Jugendliteratur ein. Bis heute ist das Buch ein Bestseller mit immer noch aktueller Thematik.


In der Ausstellung „Christine Nöstlinger und ihre Buchstabenfabrik“ präsentiert das Karikaturmuseum Krems die originalen und teils unveröffentlichten Buch-Illustrationen aus dem Urmanuskript, die zu Beginn von Christine Nöstlinger selbst gezeichnet wurden. Das Debüt als Ausgangspunkt nehmend, sind weitere Zeichnungen der Töchter Christiana Nöstlinger und Barbara Waldschütz zu sehen. Eine aktuelle Friederike zeigen die Arbeiten von Stefanie Reich. 2015 wurde die Leipzigerin mit den Illustrationen für eine Neuausgabe von Nöstlingers Buch beauftragt. Eigens für die Ausstellung haben sich Martina Peters, Stephanie Wunderlich und Nina Pagalies im Rahmen ihres Stipendienaufenthalts in Krems mit Nöstlingers Oeuvre künstlerisch auseinandergesetzt. Die ausgestellten Originale von Michael Roher, dem ersten Preisträger des Christine-Nöstlinger-Preis, und von Sophie Schmid, Illustratorin von Nöstlingers posthum erschienenen „Der Überzählige“, ergänzen die Schau. Verschiedene künstlerische Positionen geben einen facettenreichen Einblick in das Schaffen und Fortwirken der Schriftstellerin und Zeichnerin Christine Nöstlinger. In Vorbereitung auf die Ausstellung setzte sich die Mittelschule Krems im Rahmen des culture connected-Projekts
„MUT GEWINNT!“ ausführlich mit Zivilcourage in Schule und Alltag auseinander.

Über Christine Nöstlinger

Christine Nöstlinger wurde am 13. Oktober 1936 in Wien geboren und lebte ebendort als freie Schriftstellerin. Ihre zahlreichen Kinder- und Jugendbücher wurden weltweit publiziert und in über 50 Sprachen übersetzt. Nöstlingers schriftstellerische Tätigkeit begann 1968 mit der „Feuerrote Friederike“, die sie als Geschichte zu ihren Illustrationen schrieb. Als das Debüt zwei Jahre später im Verlag Jugend & Volk erschien, hatte die Autorin bereits zwei neue Manuskripte fertiggestellt. Mehr als 150 Bücher, unzählige Beiträge für Fernsehen und Radio – etwa der berühmte „Dschi-Dsche‑i Wischer Dschunior“ – sowie Kolumnen für diverse Zeitungen folgten. Angelehnt an die Vielzahl ihrer Publikationen bezeichnete sich
Nöstlinger selbst oft als „Ein-Mann-Buchstabenfabrik“.


Zeichneten sich ihre frühen Geschichten durch phantastische Elemente aus, erdachte die Autorin in ihren späteren Werken Figuren, die ausschließlich im realen Leben reale Probleme haben. Vor allem die Klassiker „Konrad oder Das Kind aus der Konservenbüchse“, „Wir
pfeifen auf den Gurkenkönig“, „Rosa Riedl Schutzgespenst“, die „Franz“-Reihe und ihr autobiografischer Roman „Maikäfer flieg!“ machten Christine Nöstlinger weltweit bekannt.
Nöstlingers Werk wurde mehrfach verfilmt und international prämiert. Gemeinsam mit dem U.S.-Amerikaner Maurice Sendak erhielt sie 2003 den ersten Astrid-Lindgren-Gedächtnis-Preis, die weltweit höchstdotierte Auszeichnung für Kinder- und Jugendliteratur. Weiters wurde die Wienerin mit dem Hans-Christian-Andersen-Preis, dem Großen Ehrenzeichen für Verdienste um die Republik Österreich und dem Bruno-Kreisky-Preis für ihr publizistisches Gesamtwerk ausgezeichnet.


Noch bis kurz vor ihrem Tod arbeitete die Autorin an Gedichten im Wiener Dialekt, die sich unter anderem mit dem Alter und dem Tod beschäftigen. Christine Nöstlinger starb am 28.Juni 2018 im Alter von 81 Jahren. Der Gedichtband „Ned das I ned gean do warat“ erschien, illustriert von Tochter Barbara Waldschütz, im April 2019 im Residenzverlag.

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