HomeFeuilletonKulturRechter Dosen-TV-Clown erhält „Preis für Medienfreiheit“

Rechter Dosen-TV-Clown erhält „Preis für Medienfreiheit“

Liechtensteiner Unternehmer-Stiftung mit ÖVP-Connection verleiht hochtrabende Auszeichnung an Ferdinand Wegscheider, bekannt aus ServusTV von Milliardär Mateschitz.

Salzburg. Es erinnert ein wenig an den „Freiheitspreis der Medien“, den sich Konzernkanzler Kurz diesen April verliehen ließ. Nun wurde ausgerechnet der gerne von „Plandemie“, einer „linken Journalistenarmada“ und sonstigen obskuren Verschwörungstheorien fabulierende ServusTV-Kolumnist sowie Intendant Ferdinand Wegscheider mit einem Preis geehrt. Seine bis weit ins rechtsextreme Eck reichende Anhängerschaft wird es freuen.

„Preis der Medienfreiheit“ nennt sich die Auszeichnung der „Libertatem Stiftung“ hochtrabend, und Wegscheider ist der erste Preisträger. Die Freiheit zu erfahren, wer genau hinter Libertatem steckt, gönnen uns die Finanziers freilich nicht. Bekannt ist lediglich, dass die Stiftung in Ruggell im nach eigenen Aussagen „attraktiven Finanzplatz“ Liechtenstein ansässig ist und es sich beim Stifter um einen liechtensteinischen Unternehmer handelt. Libertatem ist vor allem durch eine 25,1%-Beteiligung an „eXXpress“, dem Medienprojekt der früheren Kabinettschefin von ÖPV-Finanzminister Hartwig Löger, Eva Schütz (ihr Mann Alexander war ÖVP-Großspender), und Boulevard-Journalisten Richard Schmitt bekannt geworden.

Das sich selbst als „unternehmerfreundlich und wirtschaftsliberal“ bezeichnende „eXXpress“ gehörte auch zu den größten (und wenigen) Gratulanten Wegscheiders, womit sich der Kreis aus Schwurbel-Journalismus, rechter Gesinnung und jeder Menge Investorengeld schließt. Der den Hofnarren mimende Wegscheider, im Solde des von Red-Bull-Milliardär Dietrich Mateschitz aus dem Boden gestampften ServusTV, wird von einer undurchsichtigen Stiftung geadelt – und ein von finanzstarken Investoren gegründetes Onlinemedium mit besten Verbindungen zur ÖVP klatscht Beifall, ohne zu erwähnen, dass es sich beim Preisverleiher um den eigenen Miteigentümer handelt. Dass bei der Gelegenheit auch noch der Salzburger Bürgermeister Harald Preuner (natürlich ÖVP) über den ORF und namentlich ZIB2-Moderator Armin Wolf herzog, sei nur am Rande erwähnt.

Obskur ist die Angelegenheit allemal, doch auch bezeichnend für das zunehmende Interesse einzelner Kapitalisten, direkt im Mediengeschäft mitzumischen – und unter lautem „Meinungsfreiheit“-Gebrüll von den Profiteuren des Systems abzulenken. Dafür halten sie sich gerne formulierungskreative Meinungsmacher vom Schlage eines Wegscheiders. Über sein berufliches Selbstverständnis gab dieser in einem Interview mit der „Oberösterreicherin“ ohnehin Entlarvendes von sich: „Vor Corona musste man intensiv recherchieren, das hat sich geändert…“.

Quelle: ServusTV, die Oberösterreicherin

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