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Kritik an der FIFA wird lauter

Es gibt auch rund um die Auslosung der Vorrunden-Partien immer lauter werdende Kritik an Katar als Austragungsort für die WM 2022. Grund hierfür sind die vielen toten Arbeiter und die Menschenrechtsverletzungen. Ein Boykott hilft jedoch maximal dem schlechten Gewissen, die einzige Lösung ist eine organisierte Arbeiterklasse.

Doha. Am Freitag wurde in Doha die Vorrunde zur Weltmeisterschaft 2022 in Katar ausgelost. Das Großevent startet im am 21. November dieses Jahres und geht bis zum 18. Dezember 2022. Auch wenn sich die österreichische Nationalmannschaft nicht qualifiziert hat, ist damit zu rechnen, dass die WM auch in den heimischen Bildschirmen verfolgt wird.

„Es ist eine Frage des Geldes, der wirtschaftlichen Interessen.“

Dass die WM in Katar stattfindet, führt bereits seit der Entscheidung 2015 zu viel Kritik, die nun, je näher sie rückt, immer lauter wird. Der bekannte Trainer der niederländischen Nationalmannschaft, Louis van Gaal, fand zuletzt deutliche Worte, als er auf Katar als Austragungsort angesprochen wurde und hielt gegenüber der Presse fest: „Das ist Blödsinn. Es ist eine Frage des Geldes, der wirtschaftlichen Interessen. Das ist der FIFA wichtig.“ 

Auch der deutsche Nationaltrainer Hansi Flick äußerte sich kritisch gegenüber dem „Stern“ und hielt bezüglich des Austragungsorts fest: „Es darf nicht immer nur nach dem Geld gehen.“ 

Bei der WM handelt es sich um ein riesiges Geschäft, in dem Milliarden an Profiten stecken, und so wird der Weltfußballverband FIFA auch geführt. Ihr Präsident Gianni Infantino ist ein Manager, der das Geschäft entsprechend einem Konzern führt. Er wird als Verkäufer, als eloquent, überzeugend und charmant beschrieben. Außerdem habe er die politischen Kontakte, die es braucht, um erfolgreich zu sein. Ihm wird nachgesagt, immer einen Taschenrechner zur Hand zu haben, um stet mögliche Renditen auszurechnen und so ist auch die WM in ihrer Erscheinung kein Wunder, denn Profite stehen an erster Stelle, da kann man keine politische korrekte Entscheidung in Sachen Austragungsort erwartet werden.

Die Lage vor Ort in Katar

Um die Kritik nachvollziehen zu können, muss man sich klarmachen, was der Ursprung der Kritik des Austragungsorts ist. Auf den ersten Blick hört es sich gut an, das Pro-Kopf-Einkommen in Katar liegt weltweit im Spitzenfeld und die medizinische Versorgung wird als exzellent eingeschätzt. Es gibt auch großzügige Unterstützung für hilfsbedürftige Einheimische. Aber 85 Prozent der Menschen sind Migrantinnen und Migranten.

Die Arbeit zur Vorbereitung für die WM, beispielsweise den Bau der Stadien, aber auch während der WM verrichten aber fast ausschließlich Menschen aus Nepal, Bangladesch, Indien und Pakistan. Die etwa 2,7 Millionen Kolleginnen und vor allem Kollegen rackern zu Niedriglöhnen auf gigantischen Baustellen, entladen Schiffe, putzen, servieren, fahren Taxi.

Migrantische Arbeitskräfte unterlagen in Katar dem Kafala-System, das heißt, dass der Arbeitgeber als „Sponsor“ die Pässe einzieht. Hierdurch kann er, selbst wenn er seine Kolleginnen und Kollegen misshandelt, verhindern, dass diese sich andere Arbeitsplätze suchen oder gar ausreisen. Katar verletzte Übereinkommen gegen Zwangsarbeit und war schließlich zu einer Reform gezwungen, die jedoch kaum etwas bis nichts an der massiven und lebensgefährlichen Ausbeutung änderte. Es wird von 6.500 Toten im Kontext des Baus für die WM berichtet.

Boykott wäre jetzt falsch?!

Es gibt nun immer wieder Rufe danach, die WM zu boykottieren, dies ist jedoch keine Lösung des Problems der Ausbeutung und für die Lage der Arbeitenden vor Ort. Genauso wenig löst ein Boykott das Problem, dass Fußball kommerzialisiert und Profitinteressen unterliegt.

Ersteres kann nur durch eine Organisierung und einen Kampf der Arbeitenden gegen das herrschende System gelöst werden, was eben auch zur Lösung des zweiten Problems führen wird. Nicht durch den Boykott schwächt man die Herrschende, die ein so unmenschliches System nutzen und stützen. Ein Boykott würde auch das Volk treffen. Statt eines Boykotts sollte man sich auch in Österreich für die Interessen der Arbeitenden einsetzen und kämpfen und kann dann mit einem guten Gewissen am Abend das Fußballspiel anschauen

Quelle: Blick/Eurosport/gegenblende/Schweizer Rundfunk/Die Presse

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