HomeFeuilletonSportRussin triumphiert in Wimbledon trotz antirussischer Diskriminierung

Russin triumphiert in Wimbledon trotz antirussischer Diskriminierung

Eigentlich hatten die britischen Sanktionshetzer alle russischen Tennisspielerinnen und ‑spieler vom Londoner Rasenklassiker ausgesperrt. Bei den Frauen gewann trotzdem eine Russin – weil sie offiziell für Kasachstan antritt.

London. Tja, da ging wieder mal eine westliche „Sanktion“ nach hinten los: Die britischen Veranstalter des Grand Slam-Turniers von Wimbledon, des berühmtesten und prestigeträchtigsten Tennisturniers der Welt, hatten auf eigenmächtige Weise und gegen das internationale ATP- und WTA-Reglement alle russischen und weißrussischen Spielerinnen und Spieler von den heurigen Bewerben ausgeschlossen – wir haben darüber berichtet. Das nunmehrige Ergebnis ist jedoch nicht unoriginell, denn das Frauenturnier hat mit Jelena Rybakina trotzdem eine Russin gewonnen. Im Finale besiegte Rybakina am vergangenen Samstag die Tunesierin Ons Jabeur nach einer Stunde und 47 Minuten mit 3:6, 6:2 und 6:2 – für die 23-Jährige Außenseiterin (WTA-Nr. 21) ist der Wimbledon-Triumph der mit Abstand größte Erfolg ihrer bisherigen Karriere. Blöd gelaufen für die britischen Sanktionskünstler mit Rassismuseinschlag.

Aber wie kann es sein, dass nun doch eine Russin antreten durfte und dann auch noch das Turnier für sich entscheidet? Ganz einfach: Offiziell spielt Rybakina unter kasachischer Flagge. Mit Kasachstan hat die junge Frau eigentlich gar nichts am Hut, sie wurde 1999 in Moskau als Tochter russischer Eltern geboren, spricht kein Wort Kasachisch und lebt bis heute in der Hauptstadt der Russischen Föderation. Hier begann sie auch vor 18 Jahren – beim Sportklub Spartak – mit dem Tennis, unter anderem unter prominenten Trainern wie Andrei Tschesnokow. Allerdings muss man wissen, dass die Karriere zunächst nicht recht Fahrt aufnahm und die innerrussische Konkurrenz recht groß ist (durch den russisch-weißrussischen Ausschluss verzichtete Wimbledon auf gut 20 Top-Spieler und ‑Spielerinnen). Daher nahm Rybakina, wie schon andere russische Landsleute vorher, im Sommer 2018 ein Angebot des kasachischen Tennisverbandes zum Nationenwechsel an, mit entsprechender staatlicher Unterstützung aus Nur-Sultan. Für Rybakina änderte sich nichts außer dem Kürzel „KAZ“, das seither statt „RUS“ neben ihrem Namen auf den Ergebnistafeln steht: Natürlich versteht sie sich immer noch als Russin.

Für die Wimbledon-Organisatoren ist somit eine unangenehme Situation eingetreten – und die antirussischen Boulevardmedien sorgten sich dementsprechend: Wie viel Russland steckt in Rybakina? Nun, sehr viel – und gewiss wird man ihr bei ihrer Rückkehr ins heimatliche Moskau für ihre große sportliche Leistung einen gebührenden Empfang bereiten. Von den westlichen Medien ließ sich die frischgebackene Grand Slam-Siegerin jedoch nicht provozieren: Angesprochen auf den Konflikt in der Ukraine sagte sie lediglich, sie wünsche sich, dass der Krieg möglichst bald vorbei sei. Dem kann man sich nur anschließen.

Quelle: ORF

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