HomeFeuilletonSportUEFA-CL: Kleines „blaues Wunder“ in Porto

UEFA-CL: Kleines „blaues Wunder“ in Porto

In der Fußball-Champions League der Männer siegt Chelsea gegen Manchester City im Duell der Milliardärsklubs – eigentlich eher unerwartet, aber nicht unverdient.

Porto. Im Finale der UEFA Champions League krönte sich der Chelsea FC zur mutmaßlich besten Fußballmannschaft Europas. Der Klub aus London bezwang im „Drachenstadion“ zu Porto vor 14.000 Zuschauern am vergangenen Samstagabend in einem englischen Endspiel (mit sehr wenigen Engländern) Manchester City 1:0. Das ist durchaus überraschend, denn die Citizens von Pep Guardiola waren in der Premier League überlegen Meister geworden, während Chelsea als Vierter nur knapp die CL-Plätze erreichte. Trotzdem kann man angesichts des Spielverlaufs in Porto kaum von einem Zufall sprechen: Chelsea stand in der Defensive um Kanté und Rüdiger sicher und schaltete (v.a. in der ersten Hälfte) schnell in eine überfallsartige Offensive um – wenngleich sich Timo Werner abermals als Chancentod erwies. Doch es war DFB-Kollege Kai Havertz, der in der 42. Minute per genialem Pass in Szene gesetzt wurde und zum entscheidenden Treffer abschließen konnte – und das war auch genug für Chelsea.

Denn Manchester City hatte über 90 Minuten (eigentlich waren’s in Summe sogar 100) erstaunlich wenig entgegenzusetzen. Man darf schon die Frage stellen, warum Guardiola ausgerechnet im CL-Finale einige bewährte Konstellationen umstellte sowie auf eine echte Sturmspitze verzichtete. Realistisch besehen ging nach vorne so gut wie gar nichts, man kann kaum von einer zwingenden Torchance sprechen. Von Mahrez kam nix, von Sterling wenig, Agüero kam erst (zu) spät in (sein letztes) Spiel – und Kevin De Bruyne als Kapitän und wichtigster Offensivakteur musste nach einem Zusammenstoß mit Rüdiger in der 60. Minute völlig benommen ausgewechselt werden: Er erhielt Brüche im Gesicht, Rüdiger eine gelbe Karte. In weiterer Folge konnte Chelsea das 1:0 recht ruhig und ohne größere Probleme nach Hause spielen, durch Pulisic gab es sogar eine größere Chance auf das 2:0 als auf der anderen Seite auf den Ausgleich. Insofern muss man allerdings auch von einem einigermaßen unspektakulären CL-Finale sprechen, insbesondere wenn man noch das Endspiel der Europa League in Erinnerung hat: Da gewann Villarreal erst in einem langen Elfmeterschießen gegen Manchester United.

Über das Ergebnis von Porto können sich nun unterschiedliche Menschen besonders freuen. Roman Abramowitsch etwa: Der Oligarch setzt sich mit seinem Klub gegen VAE-Scheich Mansour Bin Zayed Al Nahyan im russisch-arabischen Investorenduell durch, der Scheich muss mit seinen Citizens weiter auf einen CL-Titel warten. Dann wäre da Havertz, den manche schon als teuren Fehleinkauf abgestempelt haben. Und nicht zuletzt natürlich City-Coach Thomas Tuchel: Noch vor Weihnachten von Paris Saint-Germain unrühmlich entlassen, im Jänner nach London gekommen und nun mit dem größten Erfolg seiner relativ jungen Trainerkarriere. Guardiola hingegen gewann vor etwas mehr als zehn Jahren zwar zweimal mit Barcelona die CL, doch mit Manchester City will es offenbar ebenso wenig klappen wie mit Bayern München: Seine favorisierten hellblauen „Sky Blues“ erlebten gegen die königsblauen „Blues“ ein kleines blaues Wunder.

Quelle: Der Standard

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