Start Feuilleton Wissenschaft Fisch des Jahres steht das Wasser bis zum Hals

Fisch des Jahres steht das Wasser bis zum Hals

Die Europäische Äsche ist insbesondere in Osttirol vom Aussterben bedroht. Verantwortlich dafür sind vor allem Wasserkraftwerke, aber auch die globale Erwärmung.

Innsbruck/Lienz. Gerade erst zum „Fisch des Jahres 2021“ ernannt, steht die Äsche vor dem Aussterben, wie der Tiroler Fischereiverband warnt. Im Zuge der aktuellen Fischbestandserhebung zeigte sich, dass die Europäische Äsche (Thymallus thymallus, aus der Familie der Lachsfische) sich immer seltener in den Flüssen und Bächen des westösterreichischen Alpenraumes finden lässt. Das ist umso bemerkenswerter, als die Äsche eigentlich der Hauptfisch der größten Flüsse in Tirol, wie Inn, Lech oder Drau, sein sollte, also überaus häufig vorkommen müsste. Offensichtlich haben sich die Lebensbedingungen für den sensiblen Fisch, der klares, kühles und sauerstoffreiches Wasser benötigt, so massiv verschlechtert, dass Fortpflanzung und Überleben nicht mehr ausreichend gewährleistet sind. Bei einem Drittel der üblichen Entnahmestellen konnten bei der Untersuchung überhaupt keine Äschen mehr vorgefunden werden. Lediglich sieben Prozent der überprüften Populationen weisen eine gute Altersstruktur auf, die eine Arterhaltung garantiert. Bereits im Februar dieses Jahres war in Osttirol festgestellt worden, dass an fast 60 Prozent der getesteten Fließgewässer man nicht mehr von einem intakten Ökosystem gemäß Wasserrahmenrichtlinie der EU sprechen kann.

Der Fischereiverband weist darauf hin, dass insbesondere Wasserkraftwerke für die Dezimierung der Äsche verantwortlich sind. Neue Projekte in Tirol wie z.B. an den Osttiroler Nebenflüssen der Isel, an der Schwarzach und am Tauernbach, sind Gift für den Äschenbestand. Kraftwerke sorgen für unsteten Wasserfluss und mitunter für zu geringe Restwassermengen, der Schwallbetrieb verursacht tödliche Massenstrandungen von hilflosen Fischlarven. Laichplätze und Junghabitate werden durch Verbauung und Verschmutzung zerstört, weshalb die Reproduktion der Populationen nicht mehr gewährleistet ist. Hinzu kommt noch der Klimawandel, der zu einer geringen, für die Äsche jedoch empfindlichen Erwärmung der Flüsse und Bäche beiträgt. Vor diesem Hintergrund fordert der Fischereiverband, der selbst für Fangverbote und Nachzüchtungen sorgt, umfassende Rettungs‑, Erhaltungs- und Schutzmaßnahmen für die bedrohte Fischart, die gerade für Tirol so charakteristisch ist. Es dürfen keine weiteren Kraftwerke gebaut werden, wo es Restbestände der Äsche gibt; und um eine nachhaltige Erholung zu bewirken, müssen Laichplätze und Jungfische besonders geschützt werden. Das wird freilich nur möglich sein, wenn nicht mehr nur der kapitalistische Profit maßgeblich für den Ausbau der Energiewirtschaft ist, sondern auch die Erhaltung von bedrohten Arten und natürlichen Ökosystemen bei politischen Entscheidungen eine Rolle spielt – damit der Fisch des Jahres nicht schon in seinem kommenden Ehrenjahr den Bach runter geht.

Quelle: ORF

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