HomeFeuilletonWissenschaftRekordanstieg bei Methankonzentration in Erdatmosphäre

Rekordanstieg bei Methankonzentration in Erdatmosphäre

Neben den CO2-Emissionen hat der Klimawandel noch ein zweites Standbein: Auch die Methankonzentration in der Atmosphäre nimmt zu und befördert die Erderwärmung.

Honolulu/Washington. Die US-amerikanische Ozean- und Atmosphärenbehörde (NOAA) hat auf Basis von Messungen des hawaiianischen Mauna Loa-Observatoriums neue Daten zur Methangaskonzentration in der Erdatmosphäre vorgelegt. Sie beträgt nun 1.896 ppb („parts per billion“), wobei die Maßeinheit ppb ein Milliardstel markiert. Insofern klingt der Anteil nicht gerade allzu hoch, doch er ist folgenreich: Methan (CH4) ist ein überaus effizientes Treibhausgas, dessen Wirksamkeit jene von Kohlenstoffdioxid (CO2) sogar übersteigt.

Mit einem weiteren Anstieg um 17 ppb im Jahr 2021 vermerkt die NOAA den höchsten Zuwachs seit Beginn ihrer Aufzeichnungen im Jahr 1983. Damit liegt nach 2020 das zweite Rekordjahr in Folge vor, wobei seit 2007 jedes Jahr ein starkes Plus gemessen wurden. Seit der Industriellen Revolution im 19. Jahrhundert hat sich die Methankonzentration gemäß wissenschaftlichen Berechnungen auf den zweieinhalbfachen Wert gesteigert. Wenngleich Methan weitaus seltener in der Atmosphäre vorkommt als CO2 und auch eine kürzere Verweildauer aufweist, liegt hier inzwischen also eine maßgebliche Triebkraft der Erderwärmung und des Klimawandels vor.

Die Gründe sind im überwältigenden Ausmaß menschengemacht: Einen nicht zu unterschätzten Anteil am Anstieg der Methangaskonzentration hat die Landwirtschaft. Insbesondere die Massenviehzucht – und hierbei v.a. jene von Rindern – trägt in hohem Maße zum CH4-Ausstoß bei, aber auch der Nassreisanbau. Daneben geht man davon aus, dass bei der Förderung, beim Transport und bei der Lagerung von Erdgas auf unbeabsichtigte Weise erhebliche Methanfreisetzungen vorkommen. Nicht zuletzt die umstrittenen „Fracking“-Methoden zur Förderung von Schiefergas verschlechtern offenbar die Situation in den letzten Jahren. Weniger im Fokus ist bislang der Kohlebergbau, der ebenfalls zur Methanfreisetzung führt.

Und schlussendlich ist es auch der Klimawandel selbst, der sich wiederum durch eigene Auswirkungen verstärkt und beschleunigt: Die Erderwärmung führt in nördlichen Gefilden zum Auftauen von Permafrostböden, wo in Sumpf- und Feuchtgebieten zuvor gebundenes Methangas nun ebenfalls vermehrt entweichen kann – mit der eskalierenden Kreislaufkonsequenz einer weiteren Erwärmung.

Es zeigt sich unterm Strich deutlich, dass die Menschheit nicht nur bei den CO2-Emissionen dringenden Handlungsbedarf hat, sondern auch bezüglich der steigenden Methankonzentration in der Atmosphäre, sofern der Planet weiterhin bewohnbar bleiben soll. Hierfür wäre es freilich notwendig, dem gegenüber der Klimakrise rücksichtslosen kapitalistischen Profitstreben der Konzerne im Gas‑, Öl‑, Bergbau‑, Energie- und Agrarbereich entgegenzutreten.

Quelle: Der Standard

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