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Zur neuen Sozialenzyklika von Papst Franziskus

Kommentar von Dominik Maier, Redakteur der Einheit und Widerspruch*

Am vergangenen Sonntag wurde die Enzyklika „Fratelli tutti“ veröffentlicht. Einmal mehr gebärdet sich das Oberhaupt der katholischen Kirche, Papst Franziskus, als Sozialrevolutionär. Doch es ist kein Grund zu jubeln, wenn ein älterer Herr sich jugendlich kleidet, um in die Welt zu posaunen, dass vier plus vier sieben ergebe – und nicht sechs, wie seine Kumpanen gedacht hätten.

Papst Franziskus begleitet seit seinem Antritt im Jahr 2013 der Ruf, er wäre ein großer Erneuerer oder gar Revolutionär der katholischen Kirche. Tatsächlich hat er mit einigen prätentiösen Traditionen im päpstlichen Lebensvollzug gebrochen und er gibt sich nicht nur in beiläufigen Kommentaren, sondern auch in zentralen Schriften als Anhänger einer „Kirche der Armen“. Freilich bleibt das Adjektiv „revolutionär“ in diesem Zusammenhang relativ: Denn wer gegen Kräfte aus längst überholter Vergangenheit ins Feld zieht, muss deshalb noch lange nicht auf der Höhe der Zeit sein.

Repetitorium bürgerlicher Ideale

So sticht zum Beispiel ins Auge, wie sehr Franziskus in seiner Lehrschrift „Über die Geschwisterlichkeit und die soziale Freundschaft“ (so der Untertitel der neuen Enzyklika) darum bemüht ist, die Werte der französischen Revolution Freiheit, Gleichheit und Geschwisterlichkeit in die Kirche zu integrieren. Franziskus umkreist die Begriffe, um die es ihm geht, von verschiedenen Aspekten, dabei wirkt es zuweilen repetitiv und man fragt sich, ob man den gegenwärtigen Absatz denn nicht schon gelesen habe. Wohlgemerkt erwähnt er die bürgerlichen Revolutionen und ihre Vordenker mit keinem Wort. Wer es gut mit Franziskus meint, wird bei seinen Repetitionen vielleicht weniger an schlechten Schreibstil als an Brechts „Gedächtnis der Menschheit“ denken: „Lasst uns das tausendmal Gesagte immer wieder sagen, damit es nicht einmal zu wenig gesagt wurde!“ Es sagt aber auch etwas über den Zustand aus, in welchem sich die katholische Kirche nach wie vor befindet, auch 55 Jahre nach dem – in kirchengeschichtlichen Maßstäben wohl tatsächlich revolutionären – Zweiten Vatikanischen Konzil (1962–1965). Denn wer sich solch eine Mühe machen muss, in seinem Verein für Dinge einzutreten, die andernorts seit langem für selbstverständlich gelten, der kann sich bestenfalls zum „Revolutionär“ einer rückständigen Minderheit mausern oder er ist ein Heuchler. Oder aber er könnte am falschen Ort sein. In einem lokalen Fischerverein liefe man zumindest nicht Gefahr, größeren Schaden anzurichten – dies nur als Hinweis. 

Klare Klage

Was tut Franziskus in seiner Enzyklika? Er stellt die tragischen Zustände in der Welt dar, und zwar durchaus umfassend und in vielen Teilen treffend. Er findet dabei drastische Worte, so spricht er über die gegenwärtigen Entwicklungen von einem „dritten Weltkrieg in Abschnitten“ (Fratelli tutti, §25). Er stellt klar, dass nicht alles Gold ist, was glänzt: „Was bedeuten heute einige dieser Begriffe wie Demokratie, Freiheit, Gerechtigkeit, Einheit? Sie sind manipuliert und verzerrt worden, um sie als Herrschaftsinstrumente zu benutzen, als sinnentleerte Aufschriften, die zur Rechtfertigung jedweden Tuns dienen können.“ (§14). Er schenkt Vorwänden der Kriegstreiber keinen Glauben: „So entscheidet man sich dann leicht zum Krieg unter allen möglichen angeblich humanitären, defensiven oder präventiven Vorwänden, einschließlich der Manipulation von Informationen“ (§258). Er wendet sich gegen jeden Krieg: „Jeder Krieg hinterlässt die Welt schlechter, als er sie vorgefunden hat. Krieg ist ein Versagen der Politik und der Menschheit, eine beschämende Kapitulation, eine Niederlage gegenüber den Mächten des Bösen“ (§261). Er ist sich eines Zusammenhangs zwischen Krieg und sozialer Frage bewusst: „Wer Frieden in eine Gesellschaft bringen will, darf nicht vergessen, dass Ungleichheit und eine fehlende ganzheitliche Entwicklung des Menschen eine Friedensbildung unmöglich machen“ (§235). Er erkennt die heutigen Gesellschaften als einem „Diktat der Finanzwelt“ (§168) ausgesetzt. Er betont auch die schädliche Rolle des Defätismus: „Der Täuschung des ‚Alles geht schief‘ entspricht ein ‚Keiner kann es richten‘ und ein ‚Was kann ich schon machen?‘ Auf diese Weise nährt man Desillusionierung und Hoffnungslosigkeit, und dies stärkt weder die Solidarität noch die Großzügigkeit“ (§75). Er erinnert an emanzipatorische Tendenzen im Urchristentum: „In den ersten Jahrhunderten des Christentums haben einige verständige Menschen in ihrem Nachdenken über die gemeinsame Bestimmung der geschaffenen Güter ein universales Bewusstsein entwickelt. Man gelangte zu folgender Auffassung: Wenn jemand nicht das Notwendige zu einem Leben in Würde hat, liegt das daran, dass ein anderer sich dessen bemächtigt hat“ (§119). Er verweist auf die Bedeutung der Arbeit: „Den Armen mit Geld zu helfen muss in diesem Sinn immer eine provisorische Lösung sein, um den Dringlichkeiten abzuhelfen. Das große Ziel muss immer sein, ihnen mittels Arbeit ein würdiges Leben zu ermöglichen“ (§162).

Halt sucht sich Franziskus dabei in naturrechtlichen Vorstellungen, insbesondere über die menschliche Würde: „Dass jeder Mensch eine unveräußerliche Würde besitzt, ist eine Wahrheit, die der menschlichen Natur unabhängig jeden kulturellen Wandels zukommt. Deshalb besitzt der Mensch in jeder zeitlichen Epoche die gleiche unantastbare Würde“ (§213). Diese menschliche Würde scheint für Franziskus unabhängig vom menschlichen Wesen als „Ensemble der gesellschaftlichen Verhältnisse“ (Marx: Thesen über Feuerbach) zu sein. Der Papst erklärt, dass „Frauen genau die gleiche Würde und die gleichen Rechte haben wie die Männer“ (§23), wohlgemerkt als Chef eines Vereines, der die höchsten Ämter den Männern vorbehält. Er zeigt die Konsequenzen des Weltimperialismus auf einer fundamentalen Ebene auf: „Es muss ein Bewusstsein dafür entstehen, was ein Mensch wert ist, immer und unter allen Umständen. Wenn jeder so viel wert ist, muss klar und deutlich gesagt werden, dass ‚allein die Tatsache, an einem Ort mit weniger Ressourcen oder einer niedrigeren Entwicklungsstufe geboren zu sein, nicht rechtfertigt, dass einige Menschen weniger würdevoll leben‘“ (§106). Daran ist nichts auszusetzen. Es erinnert auch an eine Formulierung von Che Guevara: „Seid vor allem immer fähig, jede Ungerechtigkeit gegen jeden Menschen an jedem Ort der Welt im Innersten zu fühlen. Das ist die schönste Eigenschaft eines Revolutionärs“.

Vage Wege

Haarsträubend wird es jedoch, sobald es ans Eingemachte geht, nämlich an die Eigentums- und Machtverhältnisse. Der Satz „Der Markt allein löst nicht alle Probleme“ (§168) mag für situationselastische Gemüter passabel klingen, im Wesentlichen steckt darin die Auffassung, dass der Markt eben doch das letzte Wort hat. Als Gegenpart zum „Markt allein“ sieht Papst Franziskus die „aktive Wirtschaftspolitik“. Und was könnte ihr Ziel sein? Sie soll darauf ausgerichtet sein, „eine Wirtschaft zu fördern, welche die Produktionsvielfalt und die Unternehmerkreativität begünstigt“ (§168). Die Fähigkeiten der Unternehmer werden als „Geschenk Gottes“ bezeichnet. Sie sollen „klar auf die Entwicklung anderer Menschen und auf die Überwindung der Armut ausgerichtet sein“ (§123). Von realen Widersprüchen in der Gesellschaft weiß Franziskus augenscheinlich nichts. Für ihn gibt es keine Widersprüche, sondern nur Unterschiede, die ineinander aufgelöst oder miteinander versöhnt werden können. Dies widerspiegelt sich auch in seinen Urteilen über die internationale Ebene: Die „Chancen, die das Ende des Kalten Krieges bot, wurden nicht ausreichend genutzt, weil es an einer Zukunftsvision und einem allgemein geteilten Bewusstsein für unser gemeinsames Schicksal fehlte. Stattdessen gab man der Verfolgung privater Interessen nach, ohne sich um das universale Gemeinwohl zu kümmern. So hat sich das trügerische Gespenst des Krieges erneut einen Weg gebahnt.“ (§260). Nicht etwa zwischenimperialistische Widersprüche und Klassenkämpfe haben die heutigen Kriege zur Folge. Nein, dahinter steckt lediglich ein Mangel an Visionen und Bewusstsein, that’s it.

Als Mittel der Wahl verschreibt der Papst ein Mehr an Liebe und Dialog: „Der echte Dialog innerhalb der Gesellschaft setzt die Fähigkeit voraus, den Standpunkt des anderen zu respektieren und zu akzeptieren, dass er möglicherweise gerechtfertigte Überzeugungen oder Interessen enthält. Schon von seinem personalen Sein her hat der andere etwas beizutragen, und es ist wünschenswert, dass er seine eigene Position vertieft und darlegt, damit die öffentliche Debatte noch umfassender wird“ (§203). Auch die Unterdrücker solle man lieben: „Wir sind gerufen, ausnahmslos alle zu lieben, aber einen Unterdrücker zu lieben bedeutet nicht, zuzulassen, dass er es weiter bleibt; es bedeutet auch nicht, ihn im Glauben zu belassen, dass sein Handeln hinnehmbar sei. Ihn in rechter Weise zu lieben bedeutet hingegen, auf verschiedene Weise zu versuchen, dass er davon ablässt zu unterdrücken; ihm jene Macht zu nehmen, die er nicht zu nutzen weiß und die ihn als Mensch entstellt“ (§241). Eine solche Liebe mag empfinden, wem es hilft. Sie wird jedenfalls unerwidert bleiben. Zu glauben, dass sich Kriege, Ausbeutung und Unterdrückung einfach dadurch von der Welt zaubern ließen, dass man mehr liebt und geduldiger miteinander debattiert – Naivität wäre ein Hilfsausdruck. Die gesellschaftlichen Klassen und ihre Widersprüche sind für den Papst offenbar höchstes so real wie für uns Jesus Christus: Den wird’s schon irgendwie gegeben haben, vielleicht. Aber doch nicht so. Und überhaupt ist das gar nicht so wichtig. 

Nächstenliebe und Moralisierung

Vom Liebeszauber und der Dialogwunderwaffe abgesehen erwähnt Franziskus durchaus, dass man auch handeln sollte. So geht er zum Beispiel ausführlich auf die biblische Geschichte vom barmherzigen Samariter ein. Jesus stellt diesen Ungläubigen als seliger dar als die beiden Gläubigen, die untätig bleiben. Der Papst geht auch darauf ein, dass es darum geht, politische Wirksamkeit zu entfalten: „Es ist keine pure Utopie, jeden Menschen als Bruder oder Schwester anerkennen zu wollen und eine soziale Freundschaft zu suchen, die alle integriert. Dazu braucht es Entschiedenheit und die Fähigkeit, wirksame Wege zu finden, die sie real möglich machen. Jegliches Bemühen in diese Richtung wird zu einer anspruchsvollen Ausübung der Nächstenliebe. Denn ein Einzelner kann einer bedürftigen Person helfen, aber wenn er sich mit anderen verbindet, um gesellschaftliche Prozesse zur Geschwisterlichkeit und Gerechtigkeit für alle ins Leben zu rufen, tritt er in ‚das Feld der umfassenderen Nächstenliebe, der politischen Nächstenliebe ein‘“ (§180).

Der Wert uneigennütziger zwischenmenschlicher Unterstützung soll auch hier nicht in Zweifel oder gar Abrede gestellt werden, mag sie aus Klassensolidarität oder aus christlicher Nächstenliebe resultieren. Sehr wohl aber soll ihre unhintergehbare Dialektik mit Brechts Gedicht „Die Nachtlager“ in Erinnerung gerufen werden:

Ich höre, dass in New York
An der Ecke der 26. Straße und des Broadway
Während der Wintermonate jeden Abend ein Mann steht
Und den Obdachlosen, die sich ansammeln
Durch Bitten an Vorübergehende ein Nachtlager verschafft.

Die Welt wird dadurch nicht anders
Die Beziehungen zwischen den Menschen bessern sich nicht
Das Zeitalter der Ausbeutung wird dadurch nicht verkürzt
Aber einige Männer haben ein Nachtlager
Der Wind wird von ihnen eine Nacht lang abgehalten
Der ihnen zugedachte Schnee fällt auf die Straße.

Leg das Buch nicht nieder, der du das liesest, Mensch.

Einige Menschen haben ein Nachtlager
Der Wind wird von ihnen eine Nacht lang abgehalten
Der ihnen zugedachte Schnee fällt auf die Straße
Aber die Welt wird dadurch nicht anders
Die Beziehungen zwischen den Menschen bessern sich dadurch nicht
Das Zeitalter der Ausbeutung wird dadurch nicht verkürzt.

Trotz allem bleibt die Enzyklika dem Bereich der Moralisierungen verhaftet. Denn man möge sich als Gedankenexperiment überlegen, diese päpstlichen Ansichten würden als eine politische Organisation inkarnieren. Eine politische Organisation, die über den Zustand der Welt klagt und zu mehr Liebe und Dialog aufruft, die vielleicht Taten sehen möchte, aber nicht wirklich zum Zug kommt, weil sie sich selbst die Hände bindet und ohnehin nicht wüsste, wo anzufangen oder wie vorzugehen. Jede Ähnlichkeit dieser Beschreibung mit real existierenden Parteien wäre rein zufällig und ist in keiner Weise beabsichtigt.

Zwei Jahrhunderte Verspätung

Die bürgerliche Gesellschaft hat sich von den bürgerlichen Idealen der bürgerlichen Revolution mehr wegentwickelt als zu ihnen hin. Ein Christentum, dessen Konservatismus sich inzwischen – freilich mit zwei Jahrhunderten Verspätung – auf die Ideale der bürgerlichen Revolution bezieht, scheint dem Marxismus in einem gewissen Sinn näher zu stehen als heutige spätbürgerliche Verfallsideologien. Denn immerhin: Hier gibt es eine Wahrheit, der man sich annähern kann, und nicht etwa eine beliebige, gleichwertige Vielheit angeblicher „Wahrheiten“, über die man sich jeglichem vernünftigen Diskurs entzieht. Immerhin: Der Mensch wird im Wesen als sozial begriffen anstatt dem durch die kapitalistischen Verhältnisse begründeten Trend zum Individualismus zu folgen, der Gesellschaftlichkeit nur als „Summe von koexistierenden Interessen“ (§163) kennt. Immerhin: An gewissen Errungenschaften der bürgerlichen Revolution wird festgehalten und es wird vage angedeutet, dass das gegenwärtige Gesellschaftssystem diese Ideale nicht erfüllen kann. Vergessen wir dabei allerdings auch nicht, dass Franziskus innerhalb des katholischen Klerus alles andere als angesehen ist. Vatikan-Insider sprechen angeblich davon, dass dort 20 % den Kurs des Papstes unterstützen und 10 % ihn aktiv bekämpfen. Und die restlichen 70 %? Die warten auf den nächsten Papst.

Christentum und Revolution

Angenommen, eine Christin pickt sich aus proletarischem Klasseninstinkt genau diejenigen Sätze aus dem Werk von Papst Franziskus heraus, die auch mit dem Marxismus verträglich sind und übergeht die anderen. Soll man sich eine Anhängerin eines so verstandenen Christentums an seine Seite wünschen, als Mitkämpferin für die Interessen der Arbeiterklasse und des Sozialismus? Nun ja, fromme Wünsche sind unsere Sache nicht. Es bleibt schon Aufgabe der Christinnen und Christen selbst, sich als Wegbereiter oder zumindest zeitweilige Wegbegleiter im Kampf für das wirklich Gute und Humane zu bewähren, das nur die sozialistische Gesellschaftsordnung sein kann. Wir wissen nichts über den Willen Gottes, aber sollte er etwas damit zu tun haben, „alle Verhältnisse umzuwerfen, in denen der Mensch ein erniedrigtes, ein geknechtetes, ein verlassenes, ein verächtliches Wesen ist“ (Marx), so sind wir Kommunistinnen und Kommunisten allemal auf einem segensreichen Weg. So schreibt sogar der gegenwärtige Vertreter Gottes auf Erden: „Paradoxerweise können diejenigen, die sich für ungläubig halten, den Willen Gottes manchmal besser erfüllen als die Glaubenden“ (§74). Tatsache ist, dass sich unter denen, die wirklich an vorderster Front der Geschichte stehen, derzeit nur wenige Christen und Christinnen befinden. „Darum an ihren Früchten sollt ihr sie erkennen“, heißt es bekanntermaßen schon in der Bibel, und im Satz davor: „Ein jeglicher Baum, der nicht gute Früchte bringt, wird abgehauen und ins Feuer geworfen“ (Matthäus-Evangelium 7,19f).

Unsere christlichen Klassenbrüder und ‑schwestern sehen wir vor allem als Klassengeschwister. Als Genossinnen und Genossen sehen wir sie, insofern sie sich tatsächlich in den Kampf der Arbeiterklasse einbringen. Wie sie das mit dem Christentum vereinbaren, überlassen wir ihnen selbst. Nur ein Gedanke dazu: „Im Anfang war das Wort“, heißt es in der katholischen Einheitsübersetzung des Prologs des Johannesevangeliums. Goethes Faust hingegen übersetzte: „Im Anfang war die Tat!“.

Spätlese

Bringt Papst Franziskus also Erneuerung in die Reihen der katholischen Kirche? Vielleicht handelt es sich wirklich nicht nur um alten Wein in neuen Schläuchen. Vielleicht ist auch neuer Wein dabei, süffig anmutend für all jene, die es besonders süß mögen. Die Neigung zur lähmenden Katerstimmung im Nachgang könnte dadurch allerdings sogar noch verstärkt werden. 

Die Weiterentwicklung traditionsreicher Weltanschauungen, die den Menschen Orientierung geben und eine organisierende Rolle spielen, bleibt stets eine spannende Angelegenheit. Doch der Marxismus ist längst das Erbe des Christentums angetreten und die kommunistische Weltbewegung seit über Hundert Jahren wirkmächtiger als die katholische Kirche. Reden wir nicht darüber, wo mehr revolutionärer Gehalt zu finden ist. Nützlicher wäre es jedenfalls, sich mit dem Marxismus-Leninismus zu befassen (gerne auch mit seiner Bedeutung für „existentielle“ Themen, so man hier Leerstellen vermutet). Schon alleine aus Nächstenliebe.

Quelle: Fratelli tutti

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