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Ghani verlässt das Land

Eigenen Angaben zufolge befindet sich Präsident Ashraf Ghani nicht mehr in Afghanistan. Sein derzeitiger Aufenthaltsort ist jedoch nicht bekannt.

Kabul. Der afghanische Präsident weilt nicht mehr in seinem Land. Laut eigenen Angaben befindet er sich zurzeit im Exil, seinen derzeitigen Aufenthaltsort indes verrät er nicht. Recht zeitgemäß informierte er die Öffentlichkeit darüber über Facebook. Ein Beamter des afghanischen Innenministeriums sagte etwa aus, der Ex-Präsident sei auf dem Weg nach Tadschikistan – das Präsidentenbüro in Kabul dementierte dies jedoch daraufhin, und aus Sicherheitsgründen wurden keine weiteren Angaben gemacht.

In der Zwischenzeit drangen Truppen der Taliban in das bis vor kurzem von ihnen noch umzingelte Kabul ein und hinterließen selbst im Präsidentenpalast ihre Visitenkarte. Die Taliban, der schon lange verselbständigte und zum Problem gewordene Homunkulus der USA im Kampf gegen die damals noch existierende Sowjetunion, ist nach mittlerweile 20 Jahren drauf und dran, wieder die ganze Macht im Land an sich zu reißen: „Von allen Seiten“, so ein ranghoher Vertreter des Ministeriums, würden Angriffe verzeichnet. Die Taliban fordern aus einer starken Machtposition heraus eine vollständige Machtübergabe und wehren sich gegen die Machtübergabe an eine nicht näher bestimmte Übergangsregierung. Bei Kämpfen am Stadtrand wurden mehr als 40 Menschen verletzt.

Der in Katar ansässige Vertreter der Taliban, Suhail Shahin, sprach mit der BBC und sagte vollständige Friedensbereitschaft zu, etwa in Bezug auf Diplomaten, Nichtregierungsorganisationen und in Bezug auf die Bevölkerung. Auf dieselbe Weise herrschen wie 1996 bis 2001 wolle man ja nicht: „Wir wollen mit jedem Afghanen zusammenarbeiten, wir wollen ein neues Kapitel des Friedens, der Toleranz, der friedlichen Koexistenz und nationalen Einheit für unser Land und das Volk von Afghanistan aufschlagen“, so Shahin.

Ghani rettet sich vor Blutbad

Ghani rechtfertigte seine Entscheidung, das Land zu verlassen, mit den Worten: „Die Taliban wollten mich entfernen, sie sind hier, um Kabul und die Menschen in Kabul zu attackieren. Um ein Blutbad zu verhindern, bin ich zur Auffassung gelangt, dass es besser ist, das Land zu verlassen.“ Die Taliban hätten „gesiegt“ und seien von jetzt an für „Ehre, das Eigentum und die Selbsterhaltung ihrer Landsleute“ verantwortlich. Ghanis Fluchtentscheidung stieß jedoch bei nicht wenigen auf Ablehnung. Beispielsweise zeigte sich die Bildungsministerin Rangina Hamidi ungläubig und fassungslos darüber: „Wenn er es getan hat, ist es wirklich eine Schande“, meinte sie.

Man kann aber davon ausgehen, dass Ashraf Ghani gute Gründe hatte, um Afghanistan sich selbst bzw. den Politikern, denen er die diesbezügliche Verantwortung übertragen hat, zu überlassen. Die Entscheidung zur Flucht mag wohl in Anbetracht der Zustände von 1996, in deren Zuge die Macht durch die Taliban gewaltsam und mit Rückendeckung der USA übernommen worden war, getroffen worden sein. Damals wurde Mohammed Nadschibullah, ein Präsident eines ganz anderen Formats, nach der Machtübernahme von den Taliban zusammen mit seinem Bruder gefangengenommen, brutal gefoltert und ermordet. Sein Leichnam wurde anschließend vor dem Präsidentenpalast öffentlich zur Schau gestellt. 

Quelle: ORF

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