Start Internationales Göttingen: Pfefferspray und Mangel für Bewohner in Quarantäne

Göttingen: Pfefferspray und Mangel für Bewohner in Quarantäne

Göttingen/Deutschland. In der niedersächsischen Stadt Göttingen wurde ein Wohnkomplex an der Groner Landstraße 9 unter Quarantäne gestellt. Nachdem 120 Personen in diesem positiv auf das Coronavirus getestet wurden, haben die Behörden ohne jegliche Vorwarnung den Wohnkomplex unter Quarantäne gestellt. Das bedeutete konkret, dass die Polizeikräfte begannen das Gebäude zu umzäunen. Mittlerweile wurde dieser Zaun wieder entfernt. Das Vorgehen sorgte bei den Bewohnerinnen und Bewohnern zu gerechtfertigter Wut und Sorge – etliche hatten keine Möglichkeit, einkaufen zu gehen, es fehlte etwa an Babynahrung und anderen wichtigen und notwendigen Gütern. Zudem berücksichtigten die Behörden nicht, dass viele der Bewohnerinnen und Bewohner migrantischen Ursprungs sind und Probleme beim Verständnis der Informationen und Maßnahmen hatten. Am Sonntagabend versuchten 200 Menschen aus dem Wohnkomplex, den Zaun niederzureißen und lieferten sich Kämpfe mit den Polizeibeamten, die schon im Vorfeld sehr rabiat vorgingen – es kam sogar zu Pfeffersprayeinsätzen gegen Kinder. Zu einem Skandal führte auch der Tod eines Mannes. Seine Lebenspartnerin rief vor dem Zaun um Hilfe, die Rettung kam erst nach einer Stunde. Laut Behörden hatte der Tod des Mannes nichts mit dem örtlichen Infektionsgeschehen zu tun, dies wirft jedoch die Frage auf, weshalb ein Mann, der unter Atemnot leidet, erst nach einer Stunde auf Hilfe hoffen kann.

Prekäre Lebenssituation

Mittlerweile liefern Hilfsorganisationen wie die „Tafeln“ kostenlos Lebensmittel, auch Spenden werden gesammelt und weitergegeben. Dennoch leben die meisten Menschen in einer äußerst prekären Lebenssituation, die die Gesundheit und das allgemeine Wohlergehen der am meisten gefährdeten Personengruppen unter den 700 Bewohnerinnen und Bewohnern massiv beeinträchtigt. Teilweise leben Familien mit bis zu vier Kindern in Wohnungen zwischen 19 und 37 Quadratmetern. Viele verfügen nicht über finanzielle Mittel bzw. über keine (gesicherte) Beschäftigung, einige erzählten, wie sie Kündigungen erlebt haben. Die sozialdemokratisch geführte Stadt trägt nicht nur für die repressiven Maßnahmen die Verantwortung, sondern auch für die Privatisierung dieser und anderer Wohnkomplexe. Dadurch gibt es kaum demokratische Handhabe über die Wohnungen, die sich in einem maroden Zustand befinden.

Quelle: Junge Welt/NDR

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