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Portugal vom Corona-Sorgenkind zum Musterschüler

Lissabon. Noch Anfang des Jahres stand Portugal im Medienfokus, weil die Coronasituation die Belastungsgrenzen des Gesundheitssystems erreicht hatte. Patientinnen und Patienten wurden auch in österreichischen Krankenhäusern behandelt, Deutschland schickte die Geräte und Ärzte durch die Bundeswehr nach Portugal in den Einsatz. Die sogenannte britische Virusmutation B.1.1.7 führte damals zu einer scheinbar unkontrollierbaren Verbreitung von einer sehr hohen Sterblichkeit an und mit Corona. Alleine im Jänner starben 5.600 Covid-Patientinnen und Patienten in Portugal. Es gab einen Inzidenzwert von 900 auf 100.000 Einwohnerinnen und Einwohner.

Trendwende geschafft

Portugal hat die Trendwende mittlerweile geschafft und liegt nun bei einem Inzidenzwert von 30 auf 100.000. Doch wie schaffte es das beliebte Urlaubsland vom Sorgenkind zum Musterschüler? Mit dem striktesten Lockdown der in Europa seit Ausbruch der Pandemie verhangen wurde. 

Während in Österreich aktuell (teilweise unfundierte) Debatten zur Wirksamkeit oder viel eher Nicht-Wirksamkeit von Lockdowns um sich greifen kann man sich die anhand des Landes, das sowohl flächenmäßig als auch in Bezug auf Einwohnerzahl mit Österreich zu vergleichen ist mal genauer anschauen. 

In Portugal wurde Mitte Jänner eine 24-Stunden-Ausgangssperre für alle Bürgerinnen und Bürger verhängt. Nur aus zwingendem Gründen wie zum Einkaufen oder Arbeiten durfte die Wohnung verlassen werden. Das kennen wir nun ja auch schon in Österreich. Aber darüber hinaus hat die Regierung alle Unternehmen und Konzerne gesetzlich dazu verpflichtet, Homeoffice anzubieten, dort wo es möglich war. Darüber hinaus schlossen Kinderbetreuungseinrichtungen, Schulen, Universitäten, sowie Gastronomie und Handel – mit Ausnahme von Supermärkten.

Ähnlich wie im vergangenen Jahr in Tirol waren Spaziergänge und Sport an der frischen Luft nur für kurze Zeit und im Umfeld der eigenen Wohnung erlaubt. Generell durfte der eigene Landkreis an Wochenenden nicht verlassen werden. Kontakte waren auf den eigenen Haushalt beschränkt. Berichten zufolge überwachte die Polizei die Einhaltung der Lockdownregeln streng. Außerdem schloss das Land die Grenzen nach außen mit dem Ziel die Ansteckungszahlen in den Griff zu bekommen, diese komplett Abriegelung galt für zwei Wochen. Ein- und Ausreisen ohne triftigen Grund wurden untersagt. 

Öffnungsschritte finden statt

Nun kommt es zu Öffnungsschritten mit den steigenden Temperaturen. Die Außenbereiche der Gastronomie, also Straßencafés und Restaurantterrassen dürfen aktuell wieder unter der Woche bis 22.30 Uhr öffnen. Am Wochenende muss jedoch um bis 13.00 Uhr geschlossen werden und es dürfen qua Verordnung nicht mehr als maximal vier Personen pro Tisch sitzen.

Kleine Geschäfte mit bis zu 200 Quadratmeter Fläche sowie Museen öffnen ebenfalls wieder. Es ist Präsenzunterricht für Kinder bis 15 Jahren geplant. Was bleibt ist der Zwang zum Homeoffice. Mitte diesen Monat ist dann die Öffnung von Kinos und Theater geplant. 

Der Fall zeigt, dass offensichtlich harte Lockdowns wirken, er zeigt jedoch auch, dass selbst in einer solch prekären Lage, wie die in der sich Portugal befand, die kapitalistischen Staaten davor zurückschrecken die nicht überlebensnotwendigen Bereiche der Produktion zu schließen. Die hätte sicherlich zu schnelleren Erfolgen führen können, die nicht nur zulasten der Freizeit geht. Denn es ist anhand von Datenlagen klar, dass die Arbeitsstätte einer der Hauptinfektionsherde ist. 

Nachdem die Impfstoffbeschaffung ja nach wie vor mehr holpert und poltert, als dass eine umfassende Immunisierung in Aussicht steht, sind solche Überlegungen leider noch nicht überholt. Hierbei ist jedoch darauf zu achten, dass die Maßnahmen anders als aktuell üblich nicht auf Kosten der Arbeiterklasse gehen und auch bei etwaigen Betriebsschließungen, wie die Partei der Arbeit an verschiedenen Stellen gefordert hat, der volle Lohn ausgezahlt werden muss. Auch im Falle einer Umstellung auf Homeschooling sind entsprechende Maßnahmen für betroffenen Eltern und Schülerinnen sowie Schüler zu treffen, was aktuell nur sehr unzureichend der Fall ist. 

Quelle: OÖ Nachrichten/Der Standard

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