HomeInternationalesYacht weg – Ex-Verleger Rusconi wird von Besatzung auf 180.000 Euro verklagt

Yacht weg – Ex-Verleger Rusconi wird von Besatzung auf 180.000 Euro verklagt

Alberto Rusconi, Erbe des Verlagsimperiums Rusconi Libri, muss sich für seine grundlose Kündigungswelle verantworten. Nach 14 Jahren an Bord verklagt ihn die Besatzung auf 180.000 Euro an Beiträgen, Zulagen und Abfindungen und gewinnt. 

Imperia. Das Gericht von Imperia (Ligurien) hat die Yacht der Luxusmarke Baglietto von Alberto Rusconi, Erbe des von Edilio Rusconi gegründeten und später an Hachette verkauften Verlagsimperiums Rusconi Libri, eingezogen. Kapitän Rusconi kündigte zuvor kurzerhand die Besatzung, die ihm 14 Jahre lang gedient hatte.

Diese gewann jedoch in Frankreich einen Arbeitsgerichtsprozess und erwirkte in Italien ein Dekret zur Beschlagnahmung der Yacht für den Gegenwert von rund 180.000 Euro. Der Betrag entspricht der Summe an Abfindungen, Beiträgen usw., die ihnen von Rusconi vorenthalten worden waren und die ihnen aber zustanden. Seit dem 19. Juni ist die 32 Meter lange Baglietto nun auf richterliche Anordnung hin im Hafen von Sanremo versiegelt. Ein von Richterin Martina Badano unterzeichnetes Dekret verbietet dem Kapitän, die Motoren einzuschalten, und wies den Hafenmeister an, „die geeigneten Maßnahmen zu ergreifen, um dies zu verhindern“. Rusconi müsste nun das Portemonnaie zücken und seine Gläubiger befriedigen, um eine sofortige Rücknahme der Verfügung zu erwirken und seinen Baglietto, den er „Romantica“ getauft hatte, zurückzubekommen.

Kapitän und Küchenchef entlassen

Das Unternehmen Sea Print Lda mit Sitz in Madeira betreibt das Schiff seit mindestens 14 Jahren „zur ausschließlichen Nutzung durch den Begünstigten Rusconi Alberto, einem italienischen Staatsbürger mit Wohnsitz in der Schweiz“. Offensichtlich hat sie jedoch einen Teil der vertraglich angeheuerten Besatzung zu anderen und strengeren Bedingungen beschäftigt, nur um sie dann nicht mehr zu bezahlen und sie ohne Lohn oder sonstiges von Bord zu werfen.

Kapitän Julien Nard und Küchenchef Massimo Guidi waren davon in erster Linie betroffen. Diese wurden zuvor auch gar nicht schlecht bezahlt: Nard war seit dem 8. November 2007 als Chefmechaniker an Bord beschäftigt und verdiente bis zu 5.500 Euro netto im Monat, der italienische Koch hatte einen Vertrag über 4.500 Euro netto – dies bis zum 30. April 2021, als die beiden plötzlich nicht mehr bezahlt und durch anderes Personal ersetzt wurden. Sea Print hat jedoch weder einen schriftlichen Vertrag noch eine vorherige Beschäftigungsmeldung oder eine Meldung bei den Sozialversicherungsbehörden eingereicht. Die beiden haben nie eine echte Gehaltsabrechnung gesehen, obwohl sie auf der Mitarbeiterliste der Crew aufgeführt waren.

Sie verklagten daraufhin das Unternehmen, das den Baglietto verwaltet, vor dem Arbeitsgericht der französischen Stadt Grasse. Die Stadt war deshalb zuständig, weil das Schiff in Vauban d’Antibes festgemacht war. Am 6. April erließ das französische Gericht ein sofort vollstreckbares Urteil mit der Aufforderung zur Zahlung von 54.000 Euro an Chefkoch Guidi und 117.000 Euro an den Nard einschließlich des nie gezahlten Urlaubsgelds, der Kündigungsentschädigung, der Entschädigung für die ungerechtfertigte Entlassung usw. Daraus ergaben sich satte 180 000 Euro plus Zinsen. Während Sea Print Lda gegen das Urteil Berufung beim Gericht von Aix-en-Provence einlegte, wurde das Urteil in Italien beim Gericht in Imperia vollstreckt, das den Haftbefehl erlassen hatte.

Sie konnten ja in der Villa schlafen

„Die Verträge sahen Ruhezeiten, Urlaub und Ferien vor, aber im Gegensatz zu den Engländern scheren sich die italienischen Reeder einen Dreck darum“, erklärt der italienische Koch Guidi.

„Es tut mir leid, denn schließlich habe ich diesem Schiff und seinem Besitzer 14 Jahre meines Lebens gewidmet und bin auf jeden Wunsch eingegangen, wie zum Beispiel während der Pandemie, als er uns alle in seiner Villa in der Dominikanischen Republik eingesperrt hat. Aber ich habe auch Mitleid mit den anderen. Der Skipper arbeitet immer noch in der Schifffahrtsbranche, aber man verweigert ihm das Navigationslogbuch, das die zurückgelegten Meilen bescheinigt, und macht ihm damit Probleme. Dann denke ich an das Personal in dieser Villa: Ich habe dem Butler oft gesagt, dass das Personal Tag und Nacht arbeitet, sie sollten etwas mehr als 200 Dollar im Monat verlangen. Die Antwort des Kapitäns [Rusconi] war immer die gleiche: ‚Aber wenn ich sie sogar in einer Villa schlafen lasse!‘ “

Quelle: IlFattoQuotidiano

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