HomeKlassenkampf24-Stunden-Betreuung: „Ausbeutung im großen Stil“

24-Stunden-Betreuung: „Ausbeutung im großen Stil“

In Österreich arbeiten in etwa 60.000 24-Stunden-Betreuerinnen. Viele der Frauen – der Anteil an weiblichen Pflegekräften liegt bei 92 Prozent – kommen aus Ländern wie Rumänien, Bulgarien und der Slowakei; sie betreuen rund 30.000 Seniorinnen und Senioren rund um die Uhr.

Amnesty International beklagt nun die katastrophalen Arbeitsbedingungen im 24-Stunden-Pflegebereich. So verdienen die Betreuerinnen im Durchschnitt gerade einmal zwischen zwei und drei Euro in der Stunde. Zudem seien die Frauen meist scheinselbstständig. „Es fehlt an Autonomie, sie können weder Honorar noch Arbeitszeit selbst bestimmen oder ausverhandeln, und sie sind in einem Abhängigkeitsverhältnis“, kritisiert Teresa Hatzl, Advocacy & Research Officer bei Amnesty. Angemessene Arbeitsbedingungen, faire Löhne und soziale Sicherheit würden „regelmäßig missachtet“, so die NGO und unterstreicht: „Das rechtliche Rahmenwerk in Österreich lässt Ausbeutung von 24-Stunden-Betreuerinnen im großen Stil zu!“

Auch Pausen würden vielfach nur auf dem Papier existieren, ein Recht auf Ruhezeiten gibt es nicht. Betroffene Pflegerinnen hätten Amnesty International gegenüber berichtet, dass sie sich „nicht wie Menschen behandelt fühlen, sondern wie Roboter.“

Im Zuge unseres Schwerpunkts „Niedriglohn“ haben wir uns bereits ausführlich mit 24h-Pflege als moderne Sklavenarbeit beschäftigt. Die Soziologin Marie Jaeger kritisierte bereits im Zuge ihres Artikels, dass sich „die Überausbeutung der Betreuerinnen [während Corona] noch einmal intensiviert [hat]. All diese Dinge bleiben fast unbemerkt von der Öffentlichkeit, weil es im Privaten stattfindet. Lediglich der Engpass an Pflegerinnen führt zu einem Aufschrei.“

In Deutschland kam nun ein Gericht zum Urteil, dass den Betreuerinnen von alten Menschen der gesetzliche Mindestlohn zustehen würde. Da dies die 24-Stunden-Pflege um ein Vielfaches teurer machen würde, erklärte der deutsche Gesundheitsminister Jens Spahn, dass man sich nun ausgerechnet am österreichischen Modell ein Vorbild nehmen wolle.

Quelle: derStandard​.at

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