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Banken nehmen Kunden verstärkt aus

Kontoführungsgebühren, Überziehungszinsen und Kreditstundungen wurden in den letzten zehn Jahren gravierend teurer. Gerade sozial benachteiligte und finanziell schwächere Bankkunden werden rücksichtslos geschröpft.

Wien. Die Spesen und Gebühren, die Kunden bei österreichischen Banken und Kreditinstituten zu berappen haben, sind in den vergangenen zehn Jahren deutlich gestiegen. Zu diesem Ergebnis kam die Arbeiterkammer, die eine Analyse über die Entwicklung von 2011 bis 2021 vorlegte. Während die Inflation, also die allgemeine Teuerungsrate, in diesem Jahrzehnt etwa 20 Prozent ausmachte, übertreffen einige Bankpreise diesen Wert um ein Vielfaches. Allein die Kontoführungsgebühren – um die niemand herumkommt – sind um bis zu 134 Prozent gegenüber den Kosten von 2011 gestiegen, womit Kunden also inzwischen mehr als das Doppelte zahlen.

Verteuert haben sich auch Ansuchen auf Kreditstundungen, was in Zeiten der Pandemie und Krise viele Menschen trifft: Hier gibt es einer Steigerung auf knapp 116 Prozent, in absoluten Zahlen fallen bis zu 250 Euro für jedes einzelne Ansuchen an. Daran wird deutlich, dass die Banken sogar in dieser Situation noch Profite auf Kosten von Menschen machen, die aufgrund der Krise Einkommensverluste erleiden mussten oder gar arbeitslos geworden sind, weswegen sie ihre Kredite nicht mehr bedienen können. Auch bei der Überziehung des Kontos verlangen die Banken inzwischen weitaus höhere Zinssätze als noch vor zehn Jahren. Als besondere Preistreiber tun sich laut AK die BAWAG sowie die Erste Bank hervor, bei der Bank Austria sind die Teuerungen ein wenig geringer.

Man sieht, wie das Bankwesen als mitentscheidender Arm des kapitalistischen Systems vor nichts zurückschreckt: Gerade Menschen in finanziellen Schwierigkeiten oder solchen, denen vorgegaukelt wurde, sie könnten über Kredite ihre soziale Lebenssituation verbessern, droht der finanzielle Kollaps und Ruin, bis hin zur Verarmung und dem Verlust des Obdachs. Im Konkreten ist dies eine unerträgliche und widerwärtige Situation, im Allgemeinen bekommt das Kapital einfach den Hals nicht voll: Zuerst werden die arbeitenden Menschen von ihren „Arbeitgebern“ ausgebeutet – und dann setzen die Banken noch eins drauf. Die AK will freilich limitierende Regelungen des bürgerlichen Staates erlassen sehen, doch die Wahrheit ist, dass der auch nur der verlängerte Arm des Kapitals ist – daher: Kapitalismus abschaffen, Banken vergesellschaften!

Quelle: Der Standard

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