HomeKlassenkampfFrauenTirolerinnen erhalten 44 Prozent weniger Pension als Tiroler

Tirolerinnen erhalten 44 Prozent weniger Pension als Tiroler

Innsbruck. Der 20. Juli war der Tag, an dem die Pensionisten in Tirol im Durchschnitt so viel Pension erhalten haben, wie die durchschnittliche Tiroler Pensionist bis Ende des Jahres ausgezahlt bekommt. Mit im Schnitt 44 Prozent weniger zeigt sich im Westen sehr deutlich, dass die im System geschlechtliche Arbeitsteilung ebenso wie die Arbeitsbedingungen in sogenannten feminisierten Sektoren die Altersarmut für Frauen signifikant erhöhen. 

Verantwortung für Reproduktion

Im Kapitalismus wird sich das überkommende Geschlechterverhältnis zu nutzen gemacht, indem Frauen in der Regel die unbezahlte (Reproduktions-)Arbeit wie Hausarbeit, aber auch Kinderbetreuung und Pflege leisten, was sie bereits in der Phase der Lohnabhängigkeit vielfach in Abhängigkeiten bringt und ihr Armutsrisiko – insbesondere als Alleinerzieherinnen – erhöht. Mit der Hauptverantwortung für die Reproduktionsarbeit schaffen sie es im Schnitt auf eine wöchentliche Arbeitszeit von 57 Stunden in Österreich, wovon lediglich 33 Stunden bezahlt sind.

Der Verdienst wird in Österreich weiterhin als Zuverdienst konstruiert, eben wegen der Hauptverantwortung für die soziale Reproduktion. Im Jahr 2020 arbeiteten 47,3 Prozent der Frauen in Österreich laut Statistik Austria in Teilzeit. Als Grund für Teilzeitbeschäftigung waren bei 38,5 Prozent der Frauen Betreuungspflichten für Kinder oder pflegebedürftige Erwachsene ausschlaggebend (Männer: 5,8 Prozent); in der Altersgruppe von 30 bis 44 Jahren nannten sogar 67,6 Prozent der Frauen (13,4 Prozent der Männer) Betreuungspflichten als wichtigsten Grund.

Im Schnitt sind es monatlich ganze 851 Euro weniger Einkommen, somit um bemerkenswerte 41,6 Prozent. Daher sind Frauen natürlich auch öfter von Altersarmut betroffen.

Gleichheit in Ausbeutung?

Die unterschiedliche Positionierung innerhalb der Klasse der Werktätigen u.a. nach Geschlecht stabilisiert die kapitalistischen Verhältnisse, sie ist konstitutiv – also auch bestimmend – für diese. Ohne die unbezahlte, in der Regel durch Frauen geleistete Reproduktionsarbeit geriete die kapitalistische Gesellschaft an ihre Grenzen. 

Die meisten Regierungen in den kapitalistischen Ländern sagen, dass sie für die Gleichstellung der Geschlechter wären, aber sie erklären nicht, über welche Art von Gleichstellung sie sprechen. Wenn hier die Rede von Chancengleichheit ist, so geht es darum, alle Teile der Arbeiterklasse, unabhängig von Geschlecht oder sexueller Orientierung, ausbeuten zu können. In Bereichen, in denen vor allen Frauen arbeiten, werden vielfach geringere Löhne gezahlt, eben auch aufgrund der Stellung als Zuverdienerinnen. All das hat dann logischerweise auch im Alter die Konsequenz, dass die Pension im Schnitt um 44 Prozent geringer ist.

Gegen diese Zustände hilft, wie die Partei der Arbeit Österreichs (PdA) auch heuer zum 8. März festhielt, nur, sich zu organisieren und gegen dieses System zu kämpfen, um die wirkliche Emanzipation der Frauen der Arbeiterklasse zu erreichen.

Quelle: ORF/Statistik Austria

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