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Obdachlose von Corona-Winter besonders hart betroffen

Tausende Menschen in Österreich leben auf der Straße, in der BRD noch wesentlich mehr. Die Wintermonate sind für diese Menschen immer besonders gefährlich – und die Pandemie macht die Situation auch nicht besser.

Wien/Berlin/Hamburg. In Österreich gelten rund 23.000 Menschen als obdach- oder wohnungslos. Die aktuellsten Zahlen sind jedoch aus dem Jahr 2018. Es ist zu vermuten, dass sich die Situation seither aber noch weiter verschärft hat. Als obdachlos gelten jene Menschen, die im öffentlichen Raum leben, wie etwa auf der Straße oder unter Brücken, und es zählen auch jene Menschen dazu, die in Notschlafstellen oder Wärmestuben nächtigen. Menschen, die in Übergangswohnheimen oder zeitlich befristeten Unterkünften – dazu zählen auch Bewohnerinnen und Bewohner von Schutzeinrichtungen – leben, gelten laut Definition der ETHOS als wohnungslos.

Bereits im Dezember 2020 erklärte die kirchliche Hilfsorganisation Caritas, dass es Obdachlose in der Zeit des „permanenten Ausnahmezustandes“ besonders schwer hätten und insbesondere der Winter überaus hart sein würde. „Es kommen verzweifelte Menschen zu uns, die nie gedacht hätten, dass sie uns brauchen“, hieß es in diesem Zusammenhang vonseiten der karikativen Einrichtung. 

Mehr Kältetote in der BRD

Zahlen aus Deutschland zeigen nun, wie sehr obdachlose Menschen unter dem „Corona-Winter“ leiden. Laut dem deutschen Statistischen Bundesamt seien im vergangenen Winter zwölf Menschen ohne Wohnsitz erfroren. Nun deute sich bereits an, dass in diesem Winter die Zahl jener Menschen, die auf diese Art ums Leben kommen, in die Höhe schnellen dürfte. Allein in Hamburg seien seit Anfang Dezember mindestens acht Menschen erfroren, wie die Straßenzeitung „Hinz und Kunzt“ bekannt gab. Auch in anderen deutschen Städten gäbe es lokalen Medien zufolge Kältetote zu beklagen. „Das sind nur die Fälle, über die Medien berichtet haben“, gab Werena Rosenke, Geschäftsführerin und Pressesprecherin der Bundesarbeitsgemeinschaft Wohnungslosenhilfe (BAGW) gegenüber der Tageszeitung „junge Welt“ Auskunft. Es dürfte demnach eine hohe Dunkelziffer geben. Denn auch in den Zahlen des Statistischen Bundesamts würden nur jene Personen aufscheinen, der der Verein an das Bundesamt melde und diese könnten lediglich aus Medienberichten erhoben werden.

Auch darüber hinaus sei die derzeitige Corona-Situation für obdach- und wohnungslose Menschen „besonders schwierig“, erklärte Rosenke, „die Sozialarbeiter wissen oft nicht wohin mit hilfesuchenden Menschen.“ So seien Mehrbettzimmer noch immer gang und gäbe – es fehle demnach an Möglichkeiten, um positiv getestete Menschen zu isolieren. Viele obdachlose Menschen hätten auch mehr Angst die Unterkünfte aufzusuchen, da ihnen die Gefahr sich an Corona anzustecken in den Unterkünften zu groß erscheint. Auch die Belieferung mit Lebensmitteln durch die Tafeln sei stark eingebrochen. Betteln und Flaschensammeln brächten vielen Betroffenen kaum noch Einnahmen und hiervon seien Menschen aus anderen EU-Staaten am schlimmsten betroffen. Rosenke kritisiert: „Die Politik hat obdachlose Menschen nicht auf dem Schirm.“

Kältetelefon der Caritas Österreich

In Österreich hat die Caritas, wie jedes Jahr im Winter, „Kältetelefone“ eingerichtet, damit niemand auf den Straßen erfriert oder schwere Gesundheitsschäden davonträgt. An diese Hotlines kann man sich wenden, wenn man annimmt, dass auf der Straße befindliche Obdachlose aufgrund der Temperaturen bzw. der Witterung unmittelbare Hilfe benötigen, und den Standort melden – in diesem Fall überprüfen die Mitarbeiter/innen der Caritas dann so rasch wie möglich, ob der/die Betroffene eine feste Notunterkunft oder zumindest sonstige materielle Unterstützung in Anspruch nehmen möchte. Die zentrale Wiener Rufnummer lautet 01 480 45 53, die Mailadresse kaeltetelefon(at)caritas-wien.at. Weitere Kontakte für die Bundesländer finden sich auf der Website der Caritas Österreich. Ein Ersatz für das Versagen und die Ignoranz der Politik und des bürgerlich-kapitalistischen Staates ist die Caritas jedoch auch in diesem Fall nicht.

Quelle: ETHOS, Sozialministerium, Caritas, junge Welt

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