Start Klassenkampf Schwerarbeit mit 70 führt zu schwerem Arbeitsunfall

Schwerarbeit mit 70 führt zu schwerem Arbeitsunfall

Ein 70-jähriger Arbeiter wurde bei einem Automatentransport lebensgefährlich verletzt – eigentlich sollte er seine verdiente Pension genießen.

Vöcklabruck. Am vergangenen Montag ereignete sich in den Räumlichkeiten der Baumarktkette Hornbach im oberösterreichischen Regau (Bezirk Vöcklabruck) ein schwerer Arbeitsunfall. Zwei Arbeiter sollten einen 330 Kilogramm schweren Snackautomaten abtransportieren, der sich im ersten Stock befand. Hierfür kam ein elektrischer Treppensteiger, also eine „Rodel“ mit Akkuantrieb, zum Einsatz. Auf den Stufen geschah jedoch der Unfall: Der Automat geriet ins Rutschen, der am unteren Ende befindliche Arbeiter versuchte vergeblich, sich dagegenzustemmen: Der Mann stürzte über die Treppe nach unten, der Automat hinterher und begrub den Arbeiter unter sich. Das Unfallopfer erlitt schwere Kopfverletzungen, die lebensbedrohlich waren. Er wurde nach Bergung durch die Feuerwehr und Erstversorgung durch einen Notarzt zunächst ins Salzkammergut-Klinikum Vöcklabruck sowie in weiterer Folge auf den Linzer Neuromed-Campus (ehem. Nervenklinik Wagner-Jauregg) gebracht, wo er notoperiert wurde.

Soweit handelt es sich um einen Arbeitsunfall, wie er durchaus vorkommen kann, wenngleich nicht sollte – der genaue Hergang wird noch zu untersuchen sein, denn ein etwaiges technisches Versagen wäre von Interesse. Stutzig wird man aber, wenn man liest, dass der schwerverletzte Arbeiter aus dem Bezirk Grieskirchen bereits 70 Jahre alt war – und somit eigentlich seine wohlverdiente Pension am Fuße des Hausrucks genießen sollte. Doch der Mann war neben der Pension geringfügig bei der für den Automatentransport verantwortlichen Firma beschäftigt, was doch eine Frage aufwirft: Warum muss ein Pensionist in seinem vermeintlichen Ruhestand noch weiter arbeiten – für maximal 475 Euro pro Monat? Es ist hinlänglich bekannt, dass viele Pensionsbezüge in Österreich zu niedrig sind, um die Lebenskosten abzudecken, vielen Menschen droht trotz absolviertem Erwerbsleben die Altersarmut. Dann ist es natürlich kein Wunder, wenn manche dazu gezwungen sind, sich etwas dazuzuverdienen – und das steigert freilich das Unfallrisiko: Ein 70-Jähriger ist körperlich wohl nicht mehr der beste Kandidat, um einen 330-Kilogramm schweren Automaten umzusiedeln.

Daraus ist zweierlei abzuleiten: Erstens gehören die Pensionen so weit erhöht, dass man menschwürdig davon leben kann (die Löhne natürlich auch) – ohne Zuverdienstnotwendigkeit; und zweitens ist dem Ansinnen der Unternehmerverbände, ihrer Parteien und ihrer „Wirtschaftsexperten“, das Pensionsalter anzuheben, eine klare Absage zu erteilen: Wer 70 Jahre alt ist, hat längst genug geleistet. Es ist skandalös, dass Senioren körperlich fordernde und potenziell gefährliche Arbeiten ausführen müssen, um über die Runden zu kommen – und dabei sogar ihr Leben aufs Spiel setzen. Einstweilen bleibt zu hoffen, dass das Unfallopfer wieder vollständig genesen wird.

Quelle: Oberösterreichische Nachrichten

- Advertisment -

MEIST GELESEN