HomeKlassenkampfSpittaler Spital muss Gehälter im Ausmaß von 450.000 Euro nachzahlen

Spittaler Spital muss Gehälter im Ausmaß von 450.000 Euro nachzahlen

Am gemeinnützigen Krankenhaus von Spittal an der Drau wurden dem Personal die Nachtdienste nicht korrekt abgerechnet. Das Landesgericht Klagenfurt verfügte eine Nachzahlung.

Klagenfurt/Spittal an der Drau. Seit 2019 hatte der Betriebsrat des Krankenhauses in der Kärntner Bezirkshauptstadt Spittal an der Drau arbeitsrechtlich prozessiert – und, wie nun bekannt wurde, gegen den Arbeitgeber letztinstanzlich gewonnen. Das Landesgericht Klagenfurt entschied zugunsten der durch den Betriebsrat vertretenen Kläger, nämlich 70 Kolleginnen und Kollegen aus dem Krankenhauspersonal. Deren Nachtbereitschaftsdienste waren von der Unternehmensleitung nicht korrekt abgerechnet worden: Trotz Diensten von bis zu elfeinhalb Stunden pro Tag waren die Nachtstunden zum Teil nicht als Arbeitszeit gewertet und daher nicht als solche abgegolten worden.

Daher lautete das rechtskräftige Urteil auf eine Gehaltsnachzahlung im Gesamtausmaß von 454.372 Euro, womit im Schnitt jede betroffene Kollegin/jeder betroffene Kollege 6.500 Euro überwiesen bekommt, die ihnen zuvor unrechtmäßig vorenthalten worden waren. Die Krankenhausleitung spricht von einem Irrtum, man habe bei der Abrechnung einen unbeabsichtigten „Formalfehler“ begangen. Dass so etwas freilich nicht passieren und nach Aufdeckung des Fehlers eigentlich nicht ein zweijähriges Gerichtsverfahren nötig sein sollte, damit die geschädigten Angestellten zu ihrem Recht kommen, müsste aber auch klar sein – doch eine außergerichtliche Lösung war vom Management sogar dezidiert abgelehnt worden. Von gewerkschaftliche Seiter wird nun außerdem geprüft, ob vielleicht weitere der 500 Angestellten falsche Abrechnungen und zu geringe Gehälter erhalten haben.

Das heutige Krankenhaus in Spittal – die Stadt ist tatsächlich nach einem 1191 gestifteten Pilgerhospital benannt – wurde im Jahr 1925 als Privatkrankenanstalt gegründet und wird heute als „gemeinnützige GmbH“ betrieben. Seit 1948 steht das „Allgemein Öffentliche Krankenhaus Spittal“ unter der Leitung der Familie Samonigg, gegenwärtig ist bereits die dritte Generation in verschiedenen Funktionen am Werk: Als Geschäftsführerin und Verwaltungsdirektorin fungiert Andrea Samonigg-Mahrer, Ehefrau von Harald Mahrer, Präsident der Wirtschaftskammer Österreich, des ÖVP-Wirtschafsbundes und der Österreichischen Nationalbank – seltsam, dass in einem solch professionellen Umfeld Abrechnungsfehler zum Schaden der Angestellten vorkommen.

Quelle: Kleine Zeitung

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